Wiese sieht Rot - Werder trotzdem Spitzenreiter

Tim Wiese sah nach einem kapitalen Aussetzer die Rote Karte.

Von Thomas Niklaus - Werder Bremen hat trotz 74-minütiger Unterzahl erstmals seit vier Jahren und acht Monaten die Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga erobert. Der Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf reichte beim 1. FC Nürnberg ein 1:1 (1:0), um zumindest bis Sonntag auf Platz eins zu stehen.

In der 24. Minute gelang ausgerechnet Mehmet Ekici, der im Sommer von Nürnberg zu Werder gewechselt war, die Bremer Führung. Philipp Wollscheid glich vor 43.121 Zuschauern in einer temporeichen Partie in der 62. Minute aus. Werder, in der vergangenen Saison nur knapp dem Abstieg entgangen, ließ sich in seinem 1600. Bundesligaspiel auch von der Roten Karte gegen Nationaltorwart Tim Wiese (16.) wegen einer Notbremse nicht aus dem Konzept bringen - und schon gar nicht vom Regen.

Die Partie stand zwischenzeitlich vor dem Abbruch, denn sintflutartiger Regen hatte zu Ende der ersten Halbzeit für chaotische Platzverhältnisse gesorgt. Nachdem der Regen nachgelassen hatte, setzte Schiedsrichter Jochen Drees (Münster-Sarmsheim) die Partie mit 20-minütiger Verspätung fort.

Werder - Nürnberg 1:1

Werder - Nürnberg 1:1

Der Club setzte die zuletzt dreimal in Folge siegreichen Gäste zunächst unter Druck. Nürnberg dominierte das Geschehen im Mittelfeld, wirkte entschlossener und spritziger als Werder - und war torgefährlicher. In der 12. Minute sorgte eine verunglückte Flanke von Timothy Chandler erstmals für Probleme bei Wiese. Nur wenige Sekunden später verzog Markus Feulner, ehe Wiese bei einem Freistoß von Michael Mendler sein ganzes Können aufbieten musste, um den Ball um den Pfosten zu lenken.

Es sollte die letzte gute Aktion des Nationalkeepers sein. Nach einem kapitalen Aussetzer riss er Christian Eigler rund 25 Meter vor seinem Gehäuse um und wurde von Drees völlig zurecht des Feldes verwiesen. Wiese wurde von Sebastian Mielitz ersetzt, für den 22-Jährigen war es der neunte Bundesliga-Einsatz. Kapital konnte Nürnberg aus der Überzahl aber erst einmal nicht schlagen - im Gegenteil. Ein Konter der Bremer führte zur überraschenden Führung durch Ekici.

Der Ex-Nürnberger profitierte von einem herrlichen Zuspiel von Claudio Pizarro und einem Stellungsfehler Wollscheids. Der Club hatte anschließend einige Probleme, sich von diesem Schock zu erholen. Erschwerend kam hinzu, dass die Partie nach etwa einer halben Stunde zu einer Wasserschlacht verkam. Regen und Hagel sorgten dafür, dass der Ball überhaupt nicht mehr rollte.

Die längere Halbzeitpause nutzte FCN-Coach Dieter Hecking. Er stellte auf Dreierkette um und brachte in Albert Bunjaku einen zweiten Angreifer. Für den Schweizer war es nach monatelanger Verletzungspause der erste Einsatz. Mit verstärkter Offensive drängten die Franken nun mit Vehemenz auf den Ausgleich. Die erste klare Chance hatte Eigler. Mielitz rettete in höchster Not gegen den FCN-Stürmer.

Auf der anderen Seite verfehlte Clemens Fritz nach einem Konter knapp das Ziel. Der 1. FCN tat sich trotz aller Bemühungen zunächst aber schwer, das gut gestaffelte Bremer Abwehrbollwerk zu überwinden. Erst eine Standardsituation führte zum verdienten 1:1. Nach Ecke von Feulner war Wollscheid mit dem Kopf zur Stelle. Bei Nürnberg verdienten sich Timmy Simons und Chandler die besten Noten. Werder hatte in Sebastian Prödl und Mielitz, der einen sicheren Eindruck hinterließ, seine stärksten Akteure. SID

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