„Noch bin ich kein Nationalspieler“

Wiese hört nur Lob und kämpft weiter

Klare Ansage: Tim Wiese stauchte seine Vorderleute mehrfach zusammen und wäre beinahe zum großen Gewinner des Testspiels der DFB-Auswahl in Kopenhagen geworden.

Bremen - Von Björn Knips · Wie ein Keeper, der am Abend zuvor einen ärgerlichen Bock geschossen hatte, sah Tim Wiese gestern Nachmittag wahrlich nicht aus. Der Werder-Schlussmann war bei seiner Rückkehr nach Bremen bester Laune. „So ist das Torwartleben – ein Fehler, und das Ding ist drin“, meinte der 28-Jährige ziemlich gelassen.

Dabei hatte er eine Riesenchance verpasst: Ohne seinen Patzer zum 2:2 beim Test der DFB-(Verlegenheits-)Auswahl in Dänemark wäre Wiese nach vielen starken Paraden der ganz große Gewinner gewesen.

Als Verlierer muss er sich aber auch nicht fühlen. Zumal Bundestrainer Joachim Löw beim Thema Torwart alles auf null stellte, den Dreikampf Manuel Neuer (Schalke), Rene Adler (Leverkusen) und Wiese neu entfachte. Erst in drei Wochen will er eine Entscheidung treffen. „Ich werde vor dem Spiel gegen Belgien bekanntgeben, mit welchem Torhüter wir in die EM-Qualifikation gehen, wer für uns die Nummer 1 sein wird“, kündigte der Bundestrainer an.

Dann will Wiese seinen Namen hören. Denn nach seinem dritten Länderspiel, dem ersten über 90 Minuten, ist der Bremer alles andere als satt: „Ich habe immer gesagt: Als Nationalspieler fühle ich mich erst mit zehn oder besser noch 20 Länderspielen.“ Die Hoffnung, diese Zahl schon bald zu erreichen, ist da. Gerade nach dem Dänemark-Spiel. „Die Trainer haben mir zu meiner Leistung gratuliert. Zum zweiten Gegentor haben sie eigentlich gar nichts gesagt“, berichtete Wiese. Löw hatte bereits nach der Partie verkündet: „Tim hat hervorragend gehalten, auch wenn er vor dem 2:2 hätte versuchen müssen, den Ball mit dem Fuß wegzuspielen. Es war eine knappe Entscheidung. Er hatte vielleicht auch Angst vor einem Handspiel außerhalb des Strafraums. Aber ich bin absolut zufrieden mit ihm.“

▪ Allofs: „Das war

▪ kein Rückschritt“

Wiese sah’s ähnlich. „Ich habe ganz gut gehalten“, strahlte der Bremer, ehe sich sein Blick ein wenig verfinsterte: „Aber dann habe ich dieses blöde Tor bekommen.“ Für schuldig wollte sich Wiese allerdings nicht erklären: „Da ging es um Hundertstelsekunden, und ich war schon außerhalb des Strafraums. Deshalb konnte ich da nicht mit der Hand hin. Dass der Ball ausgerechnet einem Dänen vor die Füße fällt, ist natürlich ärgerlich.“

Diese 87. Minute von Kopenhagen – sie bot jede Menge Diskussionsstoff: Der Ball segelte durch die Luft, Dennis Rommedahl verpasste, Wiese zögerte – und von seiner Brust prallte die Kugel zu Mads Junker, der zum Ausgleich abschloss. Ausgerechnet Werder-Boss Klaus Allofs fällte ein klares Urteil: „Das war ein Fehler.“ Doch ebenso klar äußerte sich der Ex-Profi zum Gesamteindruck vom Bremer Keeper im Nationaldress: „Tim hat sehr, sehr gut gehalten. Und sein Auftritt war ganz gewiss kein Rückschritt im Kampf um die Nummer eins im deutschen Tor.“

Trotzdem: Wiese bleibt im Rennen mit Neuer und Adler in der Außenseiterrolle. Das hat die Zeit vor und während der WM bewiesen. Erst wurde Adler zur Nummer eins gemacht, und nach dessen Verletzung wurde Neuer und eben nicht Wiese befördert. Der gibt dennoch nicht auf: „Ich versuche weiter, meine Leistung zu bringen. Und dann werden wir sehen, wie entschieden wird.“

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