Wiedwald strahlt viel Souveränität aus – und dann explodiert der Keeper plötzlich

Der wilde Ruhepol

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Auf dem Weg zur nächsten Parade: Werder-Keeper Felix Wiedwald hat bislang eine gute Hinrunde gespielt.  Foto: imago

Bremen - Von Björn Knips und Malte Rehnert. Alle 57 Bundesliga-Minuten klingelt es hinter Felix Wiedwald. Ganz schön oft, möchte man meinen. Doch es gibt immerhin sechs Stammkeeper in der Liga, den es genauso oder noch schlechter erging als dem Werder-Keeper.

Darunter so geschätzte Schlussmänner wie Oliver Baumann, Yann Sommer oder Ron-Robert Zieler. Und fernab aller Statistik hat sich ohnehin ein Eindruck verfestigt: Wiedwald tut Werder richtig gut. Vorbei sind die Zeiten, als Torwart-Diskussionen in Bremen zum Alltag gehörten. Sowohl Sebastian Mielitz als auch dessen Nachfolger Raphael Wolf gerieten sofort in die Kritik, wenn ein Gegentreffer nur ansatzweise haltbar erschien. Sie hatten keinen Bonus – auch, weil ihnen die schützende Ausstrahlung fehlte.

Bei Wiedwald ist das anders. Der 25-Jährige strahlt Sicherheit aus, ohne dafür posen zu müssen. So wie es einst Tim Wiese in Perfektion gemacht hatte. Der Ex-Nationalspieler wählte den extrovertierten Weg, bot auch immer ein bisschen Show – vor, während und nach den Spielen. Vermeintliche Fehler wurden da auch mal übersehen.

Wiedwald ist dagegen ein sachlicher, aber kein langweiliger Torwart. Ein Ruhepol, der manchmal ziemlich wild werden kann. So wie bei seinen waghalsigen Ausflügen bis hin zur Mittellinie. Oder wie gegen Augsburg, als er Teamkollege Theodor Gebre Selassie unfreiwillig ins Krankenhaus beförderte. „Ich musste raus“, sagt Wiedwald: „Und wenn der Torwart rauskommt, muss er auch den Ball haben und voll durchziehen.“

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Wiedwald steckt nie zurück. Gegen Darmstadt ist ihm das mal zum Verhängnis geworden. Da hat er den Gastgebern einen Elfmeter und damit den Ausgleich geschenkt. Am Ende verlor Werder. „Da habe ich kein gutes Spiel gemacht. Aber aus Fehlern lernt man. Man muss versuchen, dass sie kein zweites Mal passieren“, sagt der 25-Jährige und fügt durchaus stolz an: „Ich habe seitdem keinen Elfmeter mehr verschuldet und bin beim Rauskommen auch nicht mehr am Ball vorbeigelaufen.“ Das war sein zweiter verhängnisvoller Fehler in Darmstadt gewesen.

Es gehört zu Wiedwalds großen Stärken, dass er Fehler einsieht, sich davon aber nicht schwächen lässt. Ganz so einfach wie es sich anhört, ist es aber ganz gewiss nicht. Vor allem nicht für Wiedwald bei Werder. Der Club ist nämlich eine Herzensangelegenheit für ihn. In der Nähe von Bremen in Achim ist er aufgewachsen, schon in der Jugend trug er Grün-Weiß. Für ein paar Jahre suchte Wiedwald sein Glück woanders, aber er wollte immer zurück. Jetzt ist er da – und nicht mehr wegzudenken.

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„Ein super Gefühl“ sei es, die Nummer eins zu sein. Noch besser würde es ihm gehen, wenn endlich mal die Null in der Bundesliga stehen würde. In Augsburg war er ganz dicht dran, bis es in der Nachspielzeit einen Elfmeter für die Gastgeber gab. „Wenn wir weiter punkten und es kein Zu-Null-Spiel gibt, ist es eben so“, sagt Wiedwald ein bisschen trotzig. Natürlich will er hinten dicht halten. Dafür tut er alles. Manchmal auch ein bisschen zu viel. In Augsburg spielte er so offensichtlich auf Zeit, dass er sich die Gelbe Karte einhandelte. Seine dritte in dieser Saison, nach der fünften muss er ein Mal zuschauen.

Das wäre nicht gut für Werder. Auf seine Nummer eins kann das Team nicht verzichten. Sicher, Wiedwald ist fußballerisch kein Manuel Neuer. Aber seine Reflexe sind gut, im Eins-gegen-Eins bleibt er lange stehen und den Titel „Herr der Lüfte“ trägt er aktuell auch noch (siehe Flanken-Statistik). Außerdem ist da dieser Siegeswille gepaart mit einer realistischen Einschätzung: „Wir sind unten dabei und dürfen nie zufrieden sein. Wir müssen jetzt anfangen, auch zu Hause zu punkten. Dann geht es vielleicht noch weiter nach oben.“  kni/mr

Abgefangene Flanken

1. Wiedwald (Werder) 22
2. Hradecky (Frankfurt 18
3. Benaglio (Wolfsburg) 17
Horn (Köln) 17
Fährmann (Schalke) 17
6. Baumann (Hoffenh.) 16
7. Sommer (Gladbach) 15
Bürki (Dortmund) 15
Zieler (Hannover) 15
10. Hitz (Augsburg) 12
11. Özcan (Ingolstadt) 11
Leno (Leverkusen) 11
13. Mathenia (Darmstadt) 8
14. Karius (Mainz) 7
15. Tyton (Stuttgart) 6
Neuer (FC Bayern) 6
Jarstein (Hertha) 6
18. Adler (HSV) 4

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