Für Wiedwald geht am Samstag ein Traum in Erfüllung

„Ich will die Fans begeistern“

+
Es war ein langer und harter Weg, bis Felix Wiedwald im Tor der Werder-Profis gelandet ist. Der 25-Jährige absolviert am Samstag sein erstes Pflichtspiel im Weserstadion und gesteht, dass es schon ein bisschen kribbelt.

Bremen - Er ist der große Hoffnungsträger: Rückkehrer Felix Wiedwald, der von 1999 bis 2011 grün-weiß trug, soll endlich die Torhüter-Diskussion in Bremen beenden. Am Samstag feiert der 25-Jährige, der ablösefrei von Eintracht Frankfurt kam, seine Pflichtspiel-Premiere im Weserstadion. „Das wird ein super Erlebnis“, prophezeit Wiedwald. Im Interview spricht er auch über die Stärken von Gegner Schalke, den besonderen Typen Tim Wiese und einen möglichen Auftritt in der Ostkurve.

Herr Wiedwald, kribbelt es schon?

Felix Wiedwald: Na klar – erstes Heimspiel. Die Vorfreude ist da.

Es ist ja für Sie nicht irgendein Heimspiel. Sie sind in Achim bei Bremen aufgewachsen, haben bei Werder in der Jugend gespielt und sind nun zurückgekehrt. Geht am Samstag für Sie ein Traum in Erfüllung?

Wiedwald: Ich habe tatsächlich früher davon geträumt, hier mal aufzulaufen. Jetzt klappt es, das wird ein super Erlebnis.

Mussten Sie viele Karten für Familie und Freunde besorgen?

Wiedwald: Es gibt wirklich viele Anfragen, aber ich kann ja nicht alle Wünsche erfüllen. Die engsten Verwandten sind da – also meine Eltern, meine künftigen Schwiegereltern – und natürlich meine Freundin. Es ist wichtig, dass sie mich unterstützen.

Tim Wiese hat mal über seinen Nachfolger Sebastian Mielitz gesagt: Es sei ein riesengroßer Unterschied, ob man als Ersatzmann mal zum Einsatz kommt oder ob man als Nummer eins eines Clubs in die Saison geht. Der Druck als Nummer eins sei viel, viel größer. Hat Wiese Recht?

Wiedwald: Na klar ist der Druck größer. Als Ersatzmann erwartet man nicht so viel von dir. Als Nummer eins musst du von Woche zu Woche deine Leistung bestätigen, da stehst du im Fokus.

Wie gehen Sie mit diesem Druck um?

Wiedwald: Ich mache mir selbst nicht so viel Druck. Ich war ja schon beim MSV Duisburg die Nummer eins. Ich kann mit der Situation sehr gut umgehen.

In den Medien heißt es oft, dass Werder den neuen Wiese sucht, weil er quasi die letzte unumstrittene Nummer eins war. Sind Sie der neue Wiese?

Wiedwald: Ich bin Felix Wiedwald und will einfach meine Leistungen bringen. Und wenn es geht, würde ich natürlich gerne noch lange bei Werder im Tor stehen.

Ihren Vorgängern ist das nicht gelungen. Anders als noch bei Wiese wurde fast jeder Gegentreffer diskutiert.

Wiedwald: Jeder Torwart macht Fehler. Tim Wiese war halt ein Typ, der spektakulär gehalten hat – auch mal Unhaltbare. Er hat sicher auch Tore bekommen, über die man hätte diskutieren können, aber darüber wurde dann hinweggesehen. Auch ich werde Fehler machen. Die Zahl muss ich minimieren. Ich möchte Rückhalt und Führungsspieler sein.

Wird echten Typen mehr verziehen?

Wiedwald: Verzeihen weiß ich nicht. Wieses Nachfolger hatten es schon schwer, weil er hier so eine super Zeit hatte. Tim ist hier Nationalspieler geworden. Ich werde versuchen, meine Leistung zu bringen, die Fans zu begeistern. Sie sollen sehen, dass einer im Tor steht, auf den sie sich verlassen können.

Tim Wiese hat sich nach Siegen gerne mal ein Megaphone geschnappt und dann mit der Ostkurve gefeiert – werden wir Sie auch auf dem Zaun sehen?

Wiedwald: Wenn die Fans einen Spieler fordern, dann ist das doch ein tolles Ritual. Ich habe damit schon in Duisburg meine Erfahrungen gemacht. Das ist schon eine schöne Sache.

Klappt das schon gegen Schalke?

Wiedwald: Es ist ein Heimspiel. Jeder aus der Mannschaft wird alles daran setzen, zu gewinnen.

Der Pokalauftritt in Würzburg war allerdings eher eine Qual – ist Werder trotzdem bereit für die Bundesliga und für Schalke?

Wiedwald: Ach, der Pokal, das ist doch eine ganz andere Geschichte. Wir sind für die Bundesliga gerüstet, auch für Schalke.

Ist es ein Vorteil für Sie als Torwart, dass Sie Schalkes neuen Stürmer Franco Di Santo sehr gut kennen?

Wiedwald: Vielleicht ein kleiner Vorteil. Schalke hat eine große Qualität, hat gut eingekauft, das ist nicht die leichteste Aufgabe.

Wie bereiten Sie sich auf die gegnerischen Stürmer vor? Schauen Sie Videos?

Wiedwald: Nein. Ich analysiere das ganze Team, schaue, ob und wie ich angelaufen werde. Natürlich gucke ich mir die Standards an. Schalke hat da mit Johannes Geis einen richtig guten Spezialisten dazubekommen, da müssen wir höllisch aufpassen.

Sie führen nicht Buch, welcher Stürmer mit welchem Bein wohin am liebsten schießt?

Wiedwald: Im Spielfluss muss ich spontan entscheiden. Wenn ich jetzt die Information habe, der schießt immer in die gleiche Ecke, und ich spekuliere darauf, dann sieht das doch ziemlich doof aus, wenn ich in der falschen Ecke liege.

Für Franco Di Santo wird es in Bremen sicherlich keinen netten Empfang geben, tut er Ihnen leid?

Wiedwald: Nein, Mitleid will er sicher nicht und braucht er nicht. So ist das Geschäft. Er hat sich für diesen Schritt entschieden. Die Fans waren natürlich enttäuscht, genauso wie wir. Aber wir müssen es nicht dramatisieren.

Wie sehr hat dieser überraschende Wechsel die Mannschaft geschwächt und die Ziele gefährdet?

Wiedwald: Wir sind immer noch gut aufgestellt, die Ziele sind nicht gefährdet. Wir haben doch mit Aron Johannsson einen guten Stürmer dazubekommen. Er hat auch eine hohe Qualität, er wird Di Santo gut ersetzen.

Hat er Sie schon bezwungen?

Wiedwald: Na klar, in seiner ersten Einheit gab es sehr viele Torschüsse, da hat er die eine oder andere Bude gemacht.

66, 66, 65 – bei diesen Zahlen schaudert’s jedem Werder-Fan, das sind nämlich die Gegentor-Zahlen der vergangenen drei Bundesliga-Spielzeiten. Wie viele werden es denn in dieser Saison?

Wiedwald: Das ist wirklich schwer zu sagen. Ich habe mir da keine Zahl gesetzt. Aber man hat schon in der Vorbereitung gesehen, dass wir stabiler stehen. Im Pokal haben wir auch kein Tor gekriegt.

Sie sind automatisch die neue Nummer eins geworden, weil Ihre Konkurrenten nicht fit waren. Ist das jetzt ein Vor- oder eher ein Nachteil?

Wiedwald: Weder noch. Ich habe von Anfang an meine Leistungen gezeigt.

Sind Sie ein gut mitspielender Torwart, ist das eine Ihrer Stärken?

Wiedwald: Das müssen sie meine Kollegen fragen. Aber ich bin immer anspielbereit. Die Jungs können mich immer suchen, wenn sie eine Lösung brauchen, ich werde da sein. Aber da kann ich mich auch noch verbessern.

Sie haben schon in der Vorbereitung gesagt, dass Sie ein Führungsspieler werden wollen. Wie weit sind Sie da schon?

Wiedwald: Als Torwart musst du vorneweg gehen, die Mannschaft führen und pushen. Bis jetzt sehe ich mich da auf einem guten Weg.

kni

Mehr zum Thema:

G7-Gipfel: Scheitern in letzter Minute verhindert

G7-Gipfel: Scheitern in letzter Minute verhindert

Räikkönen düpiert Vettel mit Fahrt auf die Pole

Räikkönen düpiert Vettel mit Fahrt auf die Pole

Sommerwetter in Deutschland: Ansturm auf Freibäder und Seen

Sommerwetter in Deutschland: Ansturm auf Freibäder und Seen

Wie Jäger mit Drohnen Rehkitze vor dem sicheren Tod retten

Wie Jäger mit Drohnen Rehkitze vor dem sicheren Tod retten

Meistgelesene Artikel

Schierenbeck sucht nach neuem Bruns

Schierenbeck sucht nach neuem Bruns

Franke auf dem Weg zu Werder?

Franke auf dem Weg zu Werder?

"Richtig Lust auf das große Klassentreffen"

"Richtig Lust auf das große Klassentreffen"

Entspannter Entscheider

Entspannter Entscheider

Kommentare