Werder kämpft im Nordderby um Vertrauen

Besser machen ist das Ziel

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Bremer Torjubel im Nordderby – vergleichbare Motive will Werder morgen wieder liefern. ·

Bremen - Wiedergutmachung ist ein blödes Wort, findet Thomas Schaaf. Erst recht, wenn es im Zusammenhang mit der blamablen Bremer 0:5-Pleite gegen Borussia Dortmund benutzt wird. „Da gibt es nichts mehr gutzumachen. Das Spiel ist vorbei, diese 90 Minuten sind um“, sagt der Werder-Trainer.

Es waren fürchterliche 90 Minuten, ein schrecklicher Start in die Bundesliga-Rückrunde, ein fußballerischer Horror. Der lastet nun schwer auf Werder und hat die Bremer ins Licht der Peinlichkeit gerückt. Es lässt sich nicht mehr ausradieren. „Wir können es nur im nächsten Spiel besser machen. Das ist es, was ich erwarte“, meint Schaaf.

Das nächste Spiel ist das Nordderby beim Hamburger SV. Morgen um 15.30 Uhr wird es angepfiffen, zum 98. Mal treffen die beiden sportlichen Erzrivalen aufeinander. Immer ging es dabei um lokalen Ruhm, um Prestige, oft um den Ehrentitel „Nr. 1 im Norden“. Natürlich spielt diese spezielle Derby-Brisanz auch diesmal eine Rolle, selbst Rechenspiele um die „1“ sind möglich. Aber ehrlich: Das ist alles nur Beiwerk. Für den HSV (25 Punkte, Platz 9) lautet der Auftrag: Kontakt zu den internationalen Plätzen herstellen. Für Werder (22 Punkte, Platz 12) heißt es: (Selbst)Vertrauen zurückgewinnen.

Das desolate Auftreten und die fünf Gegentore gegen Dortmund haben eine Welle der Kritik und Häme ausgelöst. Trainer Schaaf kann’s nicht mehr, die Mannschaft ist schlecht zusammengestellt, die Personalpolitik war mies, der Umbruch wird als Ausrede überstrapaziert. Sky-Kommentator Marcel Reif hat sich sinngemäß so über Werder ausgelassen. Vielleicht hat er Recht. Werder muss beweisen, dass er danebenliegt – und zwar morgen in Hamburg.

Thomas Schaaf sagt, die Mannschaft habe sich in der Trainingswoche „intensiv gerieben“. Sie habe die Bereitschaft gezeigt, an den gegen Dortmund gemachten Fehlern zu arbeiten. Der Trainer hat zudem den Kampf um die Positionen angeheizt. Eljero Elia ist dabei durch das Raster gefallen.Er wird morgen wohl auch dann draußen bleiben, wenn die kranken Aaron Hunt und Marko Arnautovic ausfallen sollten. Schaaf tendiert dazu, Kevin De Bruyne auf den linken Flügel zu verschieben.

Werder bereitet sich auf das Nordderby vor

Das ist das eine Ergebnis der „intensiven Reibung“ im Training. Das andere ist so etwas wie Zufriedenheit beim Trainer. „Man hat gesehen, dass die Spieler etwas verändern wollen. Sie geben sich der Situation nicht hin. Die Reaktion stimmt mich erstmal sehr positiv“, erklärt Schaaf

Es soll jetzt aber bitte niemand auf die Idee kommen, den Willen zur Verbesserung übermäßig zu beklatschen. Auch vor dem Dortmund-Debakel war alles prima gewesen bei den Grün-Weißen. Fleißig in der Vorbereitung, erfolgreich in den Testspielen – aber als es ernst wurde, ging nichts. „Das Spiel“, sagt Werder-Kapitän Clemens Fritz deshalb, „hat uns hoffentlich allen die Augen geöffnet, war vielleicht ein Hallo-Wach-Effekt.“

Hoffentlich, vielleicht – Überzeugung geht sicherlich anders. Werder, das ist unverkennbar, nimmt einen prallgefüllten Rucksack Unsicherheit mit ins Nordderby. „Ein bisschen breit“ sollte die Brust aber trotzdem sein, mahnt Nils Petersen, Torschütze beim 2:0-Hinspielsieg über den HSV, an: „Wir dürfen nicht verzweifeln und glauben, dass wir jetzt nicht mehr bundesliga-tauglich sind, sondern müssen als Team wieder zusammenfinden.“ Dazu gehören Kommunikation und Körpersprache – „das hat gegen Dortmund extrem gefehlt“, sagt der Stürmer: „Wir müssen dem Gegner zeigen, dass wir heiß sind.“

Bitte sehr, sollen sie doch, denkt sich Thorsten Fink, Trainer des Hamburger SV, und hat schon die Antwort parat: „Wir sind heißer.“ · csa

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