Wieder kein Heimsieg – und die Spieler denken schon an den Abstieg

Skripnik kann die Angst nicht verscheuchen

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Den Werder-Fans reißt so langsam der Geduldsfaden, das machten sie schon vor der Partie gegen Darmstadt in der Ostkurve deutlich. Trainer Viktor Skripnik konnte mit seinem Team durch das 2:2 die Stimmung nicht verbessern.

Bremen - Von Björn Knips. Werder Bremens Zlatko Junuzovic war schwer gezeichnet. Die über 90 Minuten gegen Darmstadt hatten dem Profi nicht nur körperlich zugesetzt, sondern auch psychisch: „Natürlich hast du die Angst im Hinterkopf und fragst dich: Was wäre, wenn?“ Elf Spieltage vor Schluss ist das Thema Abstieg endgültig bei den Bremern angekommen.

Denn sie können einfach nicht mehr gewinnen. Auch gegen Darmstadt reichte es nur zu einem 2:2 (1:1). Trainer Viktor Skripnik darf trotzdem weitermachen, obwohl er die Angst der Spieler nicht verscheuchen kann. „Unser Anfang ist momentan nicht optimal“, gesteht Skripnik und fügt den Grund dafür sogleich an: „Jeder von uns hat Angst, ein Tor zu kassieren.“ Deshalb gehe seine Mannschaft so vorsichtig zu Werke, dass selbst ein spielerisch doch eher limitierter Gast wie Darmstadt 98 die Anfangsphase dominieren kann. Es hätte nicht viel gefehlt, und Werder wäre mal wieder früh in Rückstand geraten. Diesmal kam es anders, Anthony Ujah brachte die Gastgeber in Führung (33.), aber damit längst nicht in Sicherheit. Denn die Nervosität blieb – und damit auch die große Anfälligkeit für Fehler. Sandro Wagner tauchte frei vor Felix Wiedwald auf, und der Keeper tauchte ab zum Foulspiel. Elfmeter! Und den verwandelte Wagner (44.).

Ein Seufzer ging durchs weite Rund, das mit knapp 41000 Zuschauern mal wieder keinen Ausverkauft-Status hatte. Die Unterstützung war zumindest quantitativ im Abstiegskampf schon mal größer gewesen. Und bald könnte sich auch die Qualität ändern. Denn schon vor der Partie hatten die Treuesten der Treuen in der Ostkurve ein Banner in die Höhe gereckt: „Unsere Geduld ist nicht grenzenlos.“ Und der Geduldsfaden wurde dann auch ziemlich strapaziert, als Aytac Sulu nach 82 Minuten das 2:1 für die Gäste köpfte. Wer weiß, was passiert wäre, wenn Claudio Pizarro nicht noch zum 2:2 eingenickt hätte (89.). Aber auch mit dem einen Punkt war die grün-weiße Fanseele alles andere als zufrieden. Vereinzelt gab es sogar Pfiffe, eine absolute Seltenheit im Weserstadion. In der Ostkurve herrschte zudem Redebedarf, den die Werder-Profis clevererweise auch befriedigten. „Die Fans waren enttäuscht und sauer“, erinnert sich Pizarro: „Sie haben aber auch gesehen, dass wir gekämpft haben. Leider war es nicht genug. Wir müssen jetzt alle für Werder kämpfen.“

Die Noten für die Werder-Profis

Pizarro macht das auf seine ganz eigene Weise und betont wie immer: „Ich bin Optimist. Wenn man negativ ist, geht sowieso alles schief.“ Und mit dem Thema Angst kann ein Pizarro schon mal gar nichts anfangen. „Angst? Wir haben keine Angst“, behauptet der 37-Jährige. Er hat wohl schon länger nicht mehr mit Zlatko Junuzovic („Der Kopf ist blockiert“) gesprochen. Da passt Pizarros Ankündigung ganz gut, dass er nun viel mit seinen Kollegen reden will. Er möchte ihnen Mut machen, als positives Beispiel vorangehen.

Das ist auch der Ansatz von Skripnik. „Ich habe keine Angst“, stellt der 46-Jährige klar. Er fürchte weder den Rauswurf noch den Abstieg. Es sei legitim, dass in der Öffentlichkeit über seine Zukunft diskutiert werde: „Das gehört zu meinem Job. Ich bin seit über 20 Jahren bei Werder unter Vertrag, und ich mache meinen Job, so gut ich kann.“

Vor einem Jahr führte er Werder so aus der Abstiegszone, nun gelingt ihm das nicht mehr. Die Sorgen werden immer größer. Das nächste Spiel am Mittwoch in Leverkusen gilt als Endspiel für den Coach. „Das hieß es doch vor den Spielen davor auch schon und damals nach den fünf Niederlagen in Folge auch“, kontert Skripnik und verweist auf die Rückendeckung im Verein. So hatte Sportchef Thomas Eichin nach der Partie einen Trainerwechsel ausgeschlossen, und Pizarro macht für die Mannschaft klar: „Wir stehen hinter Viktor.“

Die Angst besiegt das noch nicht. Die muss der Trainer seinen Spielern nun unbedingt nehmen.

Werder Bremen - Darmstadt 98

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