WhatsApp-Interview 

Schulz bittet 96 für Werder um Hilfe

1 von 16
2 von 16
3 von 16
4 von 16
5 von 16
6 von 16
7 von 16
8 von 16

Werder Bremen gegen Hannover 96 – für Christian Schulz kein Spiel wie jedes andere. Der 34-Jährige wurde in Bassum – unweit von Bremen – geboren, in der Werder-Jugend ausgebildet und kickte eine halbe Dekade als Profi für die Grün-Weißen, ehe er neun Jahre für Hannover 96 auflief.

Heute, zum Ende seiner aktiven Karriere, steht der Verteidiger in Österreich bei Sturm Graz unter Vertrag. Vor Werders Heimspiel gegen die 96er hat sich die DeichStube mit „Schulle“ zum WhatsApp-Chat verabredet.

Hi Schulle, passt es gerade?

Christian Schulz: Passt. Ich bin zu Hause. Es kommt nur gleich noch einer von der Heizung vorbei. Nur damit du Bescheid weißt, wenn es etwas länger dauert mit der Antwort.

Kein Problem. Wobei erwischen wir Dich gerade?

Schulz: Workout!

Fleißig! Wie geht's Dir in Österreich?

Schulz: Wir fühlen uns super wohl. Sportlich passt es auch. Man kann hier wirklich gut leben und die Sonne scheint auch ein bißchen häufiger als in Norddeutschland.

Wo nicht?!

Schulz: Wie Recht Du hast.

Am Sonntag treffen Deine beiden Ex-Clubs aufeinander. Besondere Vorfreude auf das Spiel?

Schulz: Auf jeden Fall. Mit beiden Stationen verbinde ich tolle Momente. Es wird sicher ein spannendes Spiel.

Und wem drückst Du die Daumen?

Schulz: Puh, das ist 'ne schwierige Frage. Hannover ist super in die Saison gestartet und könnte auch mal eine Partie ohne Punkte auskommen. Bremen braucht die Punkte zur Zeit sicher dringender.

Absolut!

Schulz: Das obere Ziel für beide ist sicher der Klassenerhalt.

Bist Du denn mehr Werderaner oder eher 96er?

Schulz: Puh, die jüngere Vergangenheit geht natürlich mehr in Richtung 96, aber in Bremen habe ich das Fußballspielen erlernt und Werder hat mir die Chance gegeben, in der Bundesliga zu spielen. Ich bin beiden Vereinen sehr dankbar. Ich würde es als 50/50 ausdrücken.

Sehr diplomatisch. Wie sehr verfolgst Du die Geschehnisse bei Werder noch?

Schulz: Ich bekomme natürlich vieles aus den Medien mit. Intern dann nach zehn Jahren doch nicht mehr so viel. Aber Werder ist 'ne riesige Marke, die immer interessant sein wird.

Du hast es zwar schon andedeutet, aber was bedeutet Werder heute noch für Dich?

Schulz: Ich bin ja im Werder-Umfeld groß geworden. Es war immer mein großer Traum, für den Verein zu spielen. Mit 14 Jahren habe ich dort angefangen und bis 24 dort gespielt. Das sind entscheidende Jahre in einer Karriere. Viele super Momente: Meister, Pokalsieger, Champions League. Alles super Erfahrungen und Erinnerungen!

Du sagst es: Als Du Werder verlassen hast, war der SVW noch ein Champions-League-Club, nun schon seit Jahren ein Abstiegskandidat. Eine Idee, was falsch gelaufen ist?

Schulz: Oh man, da kommen sicher viele Punkte zusammen. Aber man muss schon sagen, das früher fast jeder Transfer gefruchtet hat. Da gehört sicher auch eine Portion Glück dazu.

Aber man muss auch sagen, dass früher alles gepasst hast, sonst spielst du nicht sechs, sieben Jahre hintereinander Champions League. Der einzige Verein, der das dauerhaft schafft, ist Bayern München. Und nach der Ära Thomas Schaaf haben sie nie mehr Kontinuität auf der Position reinbekommen.

Leidest Du mit Werder?

Schulz: Schon ein wenig, weil ich auch weiß, wie sich die Jungs fühlen auf dem Platz. Abstiegskampf ist extrem kräfteraubend. Es ist vieles Kopfsache, aber da kann man den Jungs leider nicht helfen. Auf dem Platz können Sie es nur selber regeln.

Wie bewertest Du denn die letzten Werder-Wochen rund um den Trainer-Wechsel?

Schulz: Fußball-Bundesliga ist natürlich auch eine Ergebnissportart und die stimmten leider in der Saison nicht mehr. Dann greift die älteste Regel. Ich wünsche dem neuen Trainer ein glückliches Händchen.

Frank Baumann war ein Mitspieler von Dir. Er wurde zuletzt viel kritisiert...

Schulz: Ich habe Frank noch vor ein paar Wochen im Flieger getroffen. Er hat einen sehr unaufgeregten Eindruck gemacht (wie ich ihn als Kapitän auch kannte). Er weiß sicher, dass die Situation nicht einfach ist, aber er hat einen großen Fußballsachverstand. Ich habe großes Vertrauen zu Baumi.

Hat er mit der Personalie Kohfeldt die richtige Entscheidung getroffen?

Schulz: Das wird man sehen. Klar kann man sagen, dass jetzt ein Mann, der schon Erfahrung mit solch einer Situation hat, besser geeignet wäre, aber in Bremen haben sie sich sicher viele Gedanken gemacht und sind einen anderen Weg gegangen. Ich hoffe, es wird sich auszahlen.

Hast Du eigentlich noch Kontakt zu alten Werder-Kollegen?

Schulz: Mit ein paar habe ich noch Kontakt. Peter Niemeyer ist noch immer einer meiner besten Freunde. Aber auch mit Nelson Valdez, Boro, Clemens, Merte, Owo, Fabian Ernst hab ich noch Kontakt. Bei dem jährlichen Benefizspiel von Merte und Clemens trifft man sich ja immer wieder.

Leider ist von der aktuellen Mannschaft (nach dem Karriereende von Clemens) keiner mehr dabei, den ich persönlich kenne. Nach zehn Jahren ist das aber auch fast normal.

Wahrscheinlich ist der Draht zu 96 etwas enger...

Schulz: Na klar. Da habe ich ja auch erst noch vor kurzem gespielt. Auch wenn sich da die Reihen auch verändern, aber da kenne ich sicher noch zehn, zwölf Spieler persönlich.

Hannover steht als Aufsteiger überraschend gut da. Eine Erklärung dafür?

Schulz: Ich glaube, dass sie wissen, dass sie als Mannschaft überzeugen müssen. Und das bekommen sie super hin. Sie sind hinten sehr stabil. Jeder arbeitet mit und nach vorne haben sie noch an Qualität dazugewonnen. Es macht Spaß, der Mannschaft bei der Arbeit zuzuschauen.

Martin Harnik ist Hannovers bester Torschütze. Auch ihn kennst Du noch aus der gemeinsamen Werder-Zeit...

Schulz: Ja, mit Martin ist das 'ne besondere Sache. Wir haben uns sicher viermal im Urlaub getroffen (nicht abgesprochen). Und wir verstehen uns immer super. Er wohnt jetzt in Hannover nur ein paar Häuser weiter. Er hat einen unheimlichen Wert für die Mannschaft. Sportlich wie privat.

Du bist doch Verteidiger. Wie kann Werder ihn stoppen?

Schulz: Vielleicht spielt er ja nicht von Anfang an. Martin ist ein sehr schlauer Spieler. Er bewegt sich gut in vorderster Reihe und weiß natürlich, wo das Tor steht. Über 90 Minuten kannst du ihn nicht aus dem Spiel nehmen. Aber ein bisschen Härte mag auch er nicht.

Wo schaust Du das Spiel am Sonntag? Wäre doch eigentlich eine Top-Gelegenheit, um mal wieder in Bremen vorbeizuschauen...

Schulz: Eigentlich ja, aber wir spielen leider auch am Sonntag in Salzburg.

Du hast in Österreich noch Vertrag bis 2018. Schon Pläne für die Zeit danach?

Schulz: Noch nicht wirklich. Ich werde mal gucken, wie ich mich in den nächsten Monaten so körperlich fühle. Bis zum Sommer ist ja noch ein bisschen Zeit. Aber sicher ist, dass wir, wenn überhaupt, nur von einem extra Jahr reden.

Viele Ex-Werder-Profis sind heute in den unterschiedlichsten Positionen für den SVW tätig. Für Dich auch vorstellbar?

Schulz: Na klar. Ich hatte auch schon mit Baumi Kontakt. Aber wir haben abgesprochen, dass ich erstmal meine aktive Karriere zu Ende machen soll. Mal sehen, was noch passiert.

Was könntest Du Dir denn vorstellen? Und was kann Baumann sich vorstellen?

Schulz: Das war ein vertrauliches Gespräch. Wenn es passieren sollte, sage ich Dir als erstes Bescheid (lacht).

Schulle, besten Dank für Deine Zeit! Alles Gute und viele Grüße aus der DeichStube!

Christian Schulz: Seine Karriere in Bildern

Christian Schulz
Christian Schulz ist ein Bremer Eigengewächs, spielte ab 1998 in allen Jugendmannschaften. Im Sommer 2002 folgte dann der Sprung zu den Profis. © imago
Christian Schulz
In der Saison 2003/04 wurde er in der Rückrunde zum Stammspieler und holte mit Werder schließlich die Meisterschaft. © imago
Christian Schulz
Auch im Pokalfinale stand Schulz auf dem Platz und durfte am Ende mit Fabian Ernst (links) das Double feiern.  © imago
Christian Schulz
In der folgenden Saison 2004/05 war der Verteidiger meist gesetzt, traf sogar zwei Mal in der Liga.  © imago
Christian Schulz
Schulz war mit Werder in dieser Zeit Dauergast in der Champions League, wie hier 2006 gegen den FC Barcelona. © nordphoto
Christian Schulz
Zu Saisonbeginn 2007/08 wechselte er jedoch zum Ligakonkurrenten Hannover 96 - und traf 2008 gegen seinen Ex-Club. © nordphoto
Christian Schulz
Bei Hannover war er absoluter Stammspieler, führte die Mannschaft schon 2010 und 2011 zeitweise als Kapitän aufs Feld. In der Saison 2011/12 erreichte Hannover das Viertelfinale der Europa League. © nordphoto
Christian Schulz
Ab Sommer 2015 war Schulz schließlich dauerhaft Kapitän, musste den Verein zu Saisonende aber nach neun Jahren verlassen.  © imago
Christian Schulz
Eine neue fußballerische Heimat fand er in Österreich, beim SK Sturm Graz. Seit der Saison 2016/17 läuft er für die Steirer auf und ist dort Kapitän.   © imago
Christian Schulz
Für die deutsche U21-Nationalmannschaft absolvierte er zwölf Spiele, traf vier Mal und nahm 2006 an der Europameisterschaft teil. Bei der A-Nationalmannschaft stand er immerhin in vier Partien auf dem Platz. © imago

Quelle: DeichStube

Das könnte Sie auch interessieren

Ranzenparty in Twistringen

Mit einem Besucherrekord ging am Sonnabend die inzwischen achte Ranzenparty in der Volksbank über die Bühne. Kleine und große Besucher erfreuten sich …
Ranzenparty in Twistringen

Kirchengemeinde St. Annen weiht Gemeindehaus ein

Gleich zwei Ereignisse wurden am Sonntag in der St. Annen-Kirchengemeinde in Westen gefeiert. Zum einem der Invokavit Gottesdienst in der langjährig …
Kirchengemeinde St. Annen weiht Gemeindehaus ein

Sportlerwahl-Gala in Diepholz

Bei der Sportlerwahl-Gala in der Diepholzer Kreissparkasse gab es mal wieder nur strahlende Gesichter. Bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres lag wie …
Sportlerwahl-Gala in Diepholz

Diese Profis spielten für Werder und den HSV

Kein Spiel gab es in der bisherigen Bundesliga-Geschichte häufiger: Werder Bremen gegen den Hamburger SV ist das Nordderby schlechthin. Schwer …
Diese Profis spielten für Werder und den HSV

Meistgelesene Artikel

Bremen „aufmischen“? Baumann kritisiert Hoffmanns Wortwahl

Bremen „aufmischen“? Baumann kritisiert Hoffmanns Wortwahl

Werders Ärger mit dem Videobeweis

Werders Ärger mit dem Videobeweis

Sane: Zuflucht USA?

Sane: Zuflucht USA?

Kohfeldt nimmt Johannsson in Schutz

Kohfeldt nimmt Johannsson in Schutz