Wettkampf um die „10“ immer interessanter

Yildirim: Wie beim ersten Mal…

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Wie es jetzt mit ihm weitergeht? „Ich kann es ehrlich nicht sagen“, meint Özkan Yildirim nach seinem Überraschungsauftritt in der Werder-Startelf.

Bremen - Ob er glücklich war am Sonntagabend? Aber klar war er das. Sehr glücklich sogar. Beinahe 15 Monate lang hatte Özkan Yildirim wegen einer Leistenoperation und anschließender Schambeinentzündung kein Bundesliga-Spiel mehr bestritten. Bis Werder-Coach Viktor Skripnik den 22-Jährigen überraschend in die Startelf für das Nordderby gegen den Hamburger SV stellte. „Es war, als ob ich mein erstes Spiel überhaupt absolvieren würde. Ich war viel nervöser als sonst“, berichtete Yildirim.

Das Comeback, die besondere Kulisse, seine Rolle als Spielmacher – es war ganz schön viel, was auf den Langzeitverletzten einprasselte. Es soll schon Spieler gegeben haben, die nach langer Pause sachter an ihre Rückkehr herangeführt worden sind. Aber Skripnik ist eben Skripnik und schmeißt seine Spieler schon mal ins kalte Wasser. So auch Yildirim, der sich dafür allerdings herzlichst bedankte. „In der Startelf zu stehen, hat mich sehr gefreut. Nach nur zwei Wochen im Mannschaftstraining ist das nicht selbstverständlich. Ich bin dem Trainer sehr dankbar für das Vertrauen“, sagt der gebürtige Sulinger.

60 Minuten hielt er gegen den HSV durch. 60 Minuten, in denen er auf nur 18 Ballkontakte kam. Das ist – bei aller Rücksicht auf Yildirims spezielle Situation – natürlich kein Wert, der zu beklatschen wäre. Und man sollte tunlichst nicht davon reden, dass es die alternativlos richtige Entscheidung war, den Mittelfeldspieler in dieser Partie und nach nur 27 Minuten Spielpraxis in der Regionalliga von Anfang an zu bringen. Aber gut: Werder hat gewonnen, alle sind happy. Auch Yildirim. „Ich habe 60 Minuten gespielt, darüber freue ich mich sehr. Aber natürlich ist klar, dass ich noch nicht wieder bei 100 Prozent sein kann. Die Luft hat noch ein bisschen gefehlt, und spielerisch gibt es auch noch Verbesserungsbedarf“, sagte er. Immerhin: „Der Trainer war zufrieden mit mir.“

Der Geschäftsführer auch. „Normalerweise spielt Özkan sehr auffällig, aber darum ging es gegen den HSV nicht. Nicht darum, dass er einen Trick mit der Hacke macht und die Zuschauer jubeln. Sondern darum, Räume zuzumachen. Das hat er gut gelöst“, urteilte Thomas Eichin über Yildirims Comeback.

Der Kreis derer, die sich bei Werder um die Rolle der zentralen Kraft im Mittelfeld bewerben, ist somit wieder angewachsen. Platzhirsch Fin Bartels hat sich, weil verletzt, aktuell zwar ausgeklinkt. Doch es bleiben noch Levent Aycicek (21) und Levin Öztunali (19), mit denen sich Yildirim messen muss. Drei Burschen mit türkischen Wurzeln und viel Talent – das könnte ein spannender Wettstreit werden. „Auf dieser Position habe ich keine Angst. Wir sind da sehr variabel“, meint Eichin.

Wer sich letztlich durchsetzen wird? Niemand weiß es. Yildirim habe echte Chancen, glaubt Sportchef Eichin: „Er ist klasse, ein hoch veranlagter Spieler. Wir halten alle sehr viel von ihm.“ Yildirim selbst ist vorsichtig mit Prognosen. „Wie es jetzt weitergeht, kann ich ehrlich nicht sagen“, erklärt er. Seine Hoffnung ist natürlich, dass er am Sonntag beim SC Paderborn wieder spielt. Und dass er bis zum Saisonende gesund bleibt. Um dann in der Vorbereitung auf die neue Spielzeit durchzustarten.

Am Sonntagabend dachte Özkan Yildirim aber noch nicht an das, was kommen wird. Sondern an das, was war. An die schwere Verletzung. Und an all die Leute, die ihm geholfen hatten, nicht den Glauben an wieder bessere Zeiten zu verlieren. „Meine Familie und der Verein haben mich immer unterstützt.“ Zum Dank lud er Familie und gute Freunde nach dem 1:0 im Nordderby zum Essen ein. Die vielen Anrufe und Nachrichten, die zeitgleich auf seinem Handy eingingen, ignorierte er irgendwann: „Ich wollte einfach meine Ruhe haben.“

csa/mr

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