Wesley will nicht flüchten

Ernste Miene: Vom einst so fröhlichen Wesley ist derzeit nichts zu sehen. ·

Bremen - Der Verein ist unzufrieden, der Spieler auch – normalerweise ist eine Trennung in solchen Fällen unausweichlich. Werder und Wesley wollen die Hoffnung aber noch nicht aufgeben. Der Brasilianer, der sich wochenlang nicht über seine missliche Lage äußerte, brach gestern gegenüber dieser Zeitung sein Schweigen.

Von einer geplanten Flucht im Winter sagte der 24-Jährige aber nichts, stattdessen verkündete er: „Mein Vertrag läuft noch zweieinhalb Jahre – und den möchte ich erfüllen. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich nicht mehr hier sein soll. Ich bin glücklich in Bremen und sehe hier meine Zukunft.“

Das sind Aussagen, die fraglos verwundern. Denn der einst so fröhliche und fast immer breit grinsende Wesley wirkt momentan alles andere als glücklich – und hat eigentlich auch keinen Grund, an ein Happy End in Bremen zu glauben. Nur ein Einsatz in der Startelf (in Leverkusen), dazu drei Einwechslungen – eine gruselige Saisonbilanz für den im Sommer 2010 mit großen Erwartungen und für satte 7,5 Millionen Euro vom FC Santos geholten Brasilianer.

„Das ist eine schwierige Situation für mich“, sagt Wesley über seine Reservistenrolle, „aber ich bleibe ruhig. Ich habe Vertrauen zum Trainer und das Gefühl, dass er auch Vertrauen in mich hat. Ich muss zusehen, dass ich zu alter Stärke zurückfinde. Da fehlen mir noch zehn Prozent.“

Eher ein paar mehr – denn Wesley kam nicht mal zum Zug, als die Mittelfeldspieler-Not am Samstag gegen Wolfsburg groß war. Der Brasilianer saß 90 Minuten auf der Bank – mal wieder. „Er ist offensichtlich noch nicht soweit, wie es sich der Trainer vorstellt“, urteilt Sportchef Klaus Allofs und fordert: „Wesley sollte nicht darauf warten, dass wir ihn in die richtige Verfassung bringen. Er muss selbst dafür sorgen, dass er für Werder wichtig ist, muss mehr zeigen.“ Immerhin hat Allofs in den letzten Wochen „positive Veränderungen“ beim Südamerikaner beobachtet: „Es ist nicht alles schlecht. Ich denke, wir werden Wesley in absehbarer Zeit noch benötigen. Dass die Zeichen auf Abschied stehen, ist absolut falsch. Wir haben ihn nicht auf die Verkaufsliste gesetzt.“

Und wenn Wesley draufstünde? Würde nach dieser Hinrunde wohl kaum ein Verein zugreifen. Das weiß Allofs: „Die Wahrscheinlichkeit, dass jetzt ein adäquates Angebot kommt, ist nicht besonders hoch.“ Sollte aber doch ein Club ernsthaftes Interesse bekunden, wäre Werder (wie sonst auch) gesprächsbereit. Solange bleibt Wesley – und bei Allofs der Glaube an Besserung: „Ich traue ihm zu, hier die Kurve zu kriegen.“ · mr/csa/iv

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