Wesley irrt durch die Bundesliga

+
Mund abputzen und weitermachen? Wenn‘s doch nur so einfach wäre bei Wesley.

Bremen - Am Samstag ist erster Hochzeitstag – doch zum Feiern dürfte den Eheleuten Werder/Wesley kaum zu Mute sein. Denn die nicht ganz billige Verbindung ist alles andere als eine Erfolgsgeschichte, nach zwölf Monaten kriselt es sogar gewaltig.

Werder-Boss Klaus Allofs war am Sonntagabend nach der 0:1-Pleite in Leverkusen alles andere als gut zu sprechen auf den Brasilianer. Der wiederum war sich keiner Schuld bewusst, ließ die Kritik der Journalisten einfach abprallen und behauptete tatsächlich: „Eigentlich haben wir doch ganz gut gespielt.“

Vor einem Jahr hatte sich Werder mächtig ins Zeug gelegt, um Wesley zu bekommen. Nach zähem Ringen und einem tiefen Griff in die Vereinskasse (7,5 Millionen Euro Ablösesumme) durfte der Auserwählte vom FC Santos endlich anreisen. „Wir haben viel Geld aufbringen müssen. Doch mit seiner Handlungsschnelligkeit, seiner Vielseitigkeit und seiner Dynamik wird er unser Spiel bereichern“, frohlockte Allofs damals.

Zeitweise sah das in der Hinrunde auch ganz ordentlich aus. Dieser wuselige Wesley sorgte wirklich für Belebung, aber oftmals auch für Verwirrung. Denn den Kollegen fiel es schwer, die ungewöhnlichen Laufwege des Brasilianers zu verstehen. Wesley war mal hier, dann dort – und schließlich wieder woanders. Ein Mittelfeldspieler auf ständiger Wanderschaft. Allerdings wurde er auch von Trainer Thomas Schaaf hin- und hergeschickt, auf verschiedenen Positionen im Mittelfeld ausprobiert und in größter Personalnot sogar als rechter Verteidiger eingesetzt. Schließlich stoppte ihn Ende November eine schwere Verletzung: Sehnenriss im Oberschenkel. Erst Mitte März war er wieder zurück – aber nie mehr richtig gut.

Als Erklärung diente immer wieder die lange Verletzungspause. Doch die ist Vergangenheit. Und die Vorbereitung hat Wesley komplett absolviert – allerdings wenig erfolgreich. Der 24-Jährige wirkte im Training und in den Tests wie ein Fremdkörper. Die taktischen Fehler waren noch größer als in der Vorsaison. Deshalb saß er im Pokal und beim Bundesliga-Auftakt auch auf der Bank. Weil er aber als Einwechselspieler gegen Kaiserslautern überzeugte, durfte Wesley in Leverkusen von Beginn an ran – und enttäuschte maßlos. Vor allem Allofs: „Einige können es besser machen, einige müssen es auch besser machen.“ Was ganz allgemein klang, zielte voll auf Wesley ab. „Er spielt nicht so, wie er es kann oder wie er es schon mal bei uns gezeigt hat“, legte Allofs noch nach – und erwiderte bei der Frage nach den Gründen für Wesleys Leistungstief ziemlich schroff: „Fragen Sie ihn doch selbst, er muss es wissen!“

Gesagt, getan. Wenige Minuten später stand Wesley vor den Notizblöcken. Von Selbstkritik keine Spur. „Es ist das Recht der Journalisten Kritik zu äußern, aber ich spüre das Vertrauen der Mannschaft und des Trainers und lasse mich nicht verrückt machen“, behauptete der Brasilianer und fügte noch – etwas genervt – an: „Von außen sieht es einfacher aus, als es auf dem Platz tatsächlich ist.“ Damit bestätigte er indirekt: Es fällt ihm schwer, sich mit der Spielweise in der Bundesliga anzufreunden. In Brasilien mag langes Ballhalten genauso „in“ sein wie ein Slalom durch die gegnerische Mannschaft. In Deutschland wird dagegen ein schnelles Spiel gefordert und kein ständiges Einfädeln beim dritten oder vierten Gegenspieler. So tobte Schaaf in der BayArena am Spielfeldrand, als es Wesley mal wieder im Alleingang versuchte, den Zeitpunkt des Abspiels verpasste und schließlich die Kugel verlor. So ist der Mittelfeldspieler nicht nur ein Spielzerstörer, sondern auch ein Türöffner für gegnerische Konter.

Nach einem Jahr Bundesliga müsste Wesley weiter sein. Offenbar fehlt ihm aber die Lernfähigkeit. Sein „Ich weiß, dass ich noch viel arbeiten muss“ kommt zu sehr als Phrase daher. Zu oft hat er das schon gesagt, zu gelangweilt wirkt er dabei. So kommt er nicht aus der Krise. · kni

Familientag beim TV-Jubiläum

Familientag beim TV-Jubiläum

Feuerwehr-Wettkämpfe in Rechtern

Feuerwehr-Wettkämpfe in Rechtern

Gefahrgut-Unfall auf der Autobahn 1

Gefahrgut-Unfall auf der Autobahn 1

Amri-U-Ausschuss soll Fehler aufklären

Amri-U-Ausschuss soll Fehler aufklären

Meistgelesene Artikel

Nouri im Interview: „Es fühlt sich bitter an“

Nouri im Interview: „Es fühlt sich bitter an“

Wiedwalds Rolle unklar

Wiedwalds Rolle unklar

Werder geht am Ende die Puste aus

Werder geht am Ende die Puste aus

Baumann dementiert Ausleih-Pläne mit Eilers

Baumann dementiert Ausleih-Pläne mit Eilers

Kommentare