Wesley geht – zurück bleibt auch ein bisschen Traurigkeit

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Auf dem Beifahrersitz seines bronzefarbenen Dienstwagens verließ Wesley die Tiefgarage des Weserstadions.

Bremen - Um 15.04 Uhr wurde Werder für Wesley gestern Geschichte. Auf dem Beifahrersitz seines bronzefarbenen Dienstwagens verließ er die Tiefgarage des Weserstadions, am Steuer sein Berater Hugo Garcia. Letzterer verkündete fröhlich, dass nun alle zufrieden seien. Werder, Palmeiras, Wesley. Denn der Transfer, der in den vergangenen Tagen von einigen Irritationen und Problemen begleitet war, ist so gut wie perfekt.

Gut zweieinhalb Stunden zuvor hatte Werder-Chef Klaus Allofs den Durchbruch in den Verhandlungen mit Palmeiras verkündet: „Wir sind ein ganzes Stück vorangekommen. Die Transferverträge sind unterschrieben.“ Somit ist der Weg zurück in die Heimat für Wesley frei. Heute wird er nach Sao Paulo fliegen, den Medizincheck absolvieren und letzte Details in der zuletzt heiß diskutierten Gehaltsfrage klären. Doch da sehe er keine schwerwiegenden Probleme mehr, gab der an der Thematik eigentlich nicht mehr beteiligte Allofs sein Insiderwissen preis: „Die Vorzeichen sind gut.“

Was dann noch fehlt, ist das Autogramm unter den Dreijahresvertrag bei Palmeiras. Wesley wird es leisten. Aus dem Seitenfenster seines Wagens heraus teilte er gestern mit: „Ich bin glücklich, dass es klappt.“ Sein Gesichtsausdruck unterstützte allerdings nicht das gesprochene Wort. Wesley sah auch im Moment des Abschieds aus wie in den vergangenen Monaten: irgendwie missmutig. „Ich muss hier ja auch einige Freunde zurücklassen“, erklärte er. Dann ging das Fenster hoch, der Berater gab Gas. Und tschüss…

Die nur wenig leidenschaftliche Liaison zwischen Werder und Wesley ist damit zu Ende. Sechs Millionen Euro Ablöse, die der brasilianische Erstligist Palmeiras in drei jährlichen Raten zahlen wird, trennen, was nie richtig zusammengefunden hatte. Große Erwartungen hatten den heute 24-Jährigen im August 2010 begleitet, als er für 7,5 Millionen Euro vom FC Santos zu Werder Bremen wechselte. „Wir waren von seiner Qualität absolut überzeugt“, erinnert sich Chefcoach Thomas Schaaf. Gestern artikulierte er aber eine Erkenntnis, die sicher kein Produkt des Augenblicks war, sondern zu der er schon vor längerer Zeit gekommen ist: „Es hat nicht funktioniert.“

Darüber sind die Werder-Verantwortlichen ehrlich traurig. Denn von den Fähigkeiten Wesleys sind sie nach wie vor überzeugt. „Wenn er jetzt aber geht, steht als Ergebnis, dass wir einen sehr talentierten Spieler nicht dahin führen konnten, sich an die Bundesliga, unsere Spielweise und die deutsche Kultur zu gewöhnen. Das ist bedauerlich“, erklärte Sportchef Allofs.

In Wesleys Vita stehen nur 26 Bundesliga-Spiele und zwei Tore für Werder. Dass es nicht mehr waren, mag am Sehnenriss im Oberschenkel liegen, den sich der zweifache brasilianische Nationalspieler im November 2010 zugezogen hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt war er gut drauf, danach nicht mehr. Doch die Verletzung allein reicht nicht als Erklärung, warum bei Werder nach Gustavo Nery und Carlos Alberto schon der dritte Hoffnungsträger aus Brasilien grandios gefloppt ist. Was macht vielleicht auch der Club falsch? „Ich will nicht alle Schuld von uns weisen“, antwortete Allofs, „aber ich glaube, dass es in erster Linie an den Spielern selbst liegt.“ Konkret für Wesley gelte: „Die Verletzung war sicher der Knackpunkt. Danach hat er sich nicht mehr zurechtgefunden. Aber dann darf man auch nicht immer nur sagen, dass man alles Nötige tut, sondern man muss es auch machen.“

Eine klare Kritik an dem Mann, dessen positivster Aspekt rückblickend sein wird, dass er für Werder nicht zu einem Millionengrab geworden ist. „Er hat eine Menge gekostet, bringt aber auch eine Menge“, bilanzierte Allofs die geschäftliche Seite. Sportlich bewegte sich die Zusammenarbeit am Rande des Fiaskos. Mehrfach schaffte es Wesley trotz verfügbarer Plätze nicht in den Kader, Schaaf arbeitete an ihm den ganzen Maßnahmenkatalog zur Läuterung unmotivierter Spieler ab. Nichts half. Dennoch gratuliert Allofs Palmeiras aufrichtig zur Verpflichtung eines überdurchschnittlichen Fußballers: „Wesley hat großartige Fähigkeiten. Wenn er wieder mit sich im Reinen ist, wird er auch wieder gute Spiele abliefern. Leider nicht mehr für Werder.“ · csa/kni

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