Vorreiter mit viel Tradition

Das Weserstadion: Reliquie und Festung

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Mythos Weserstadion: Die Bremer Spielstätte blickt auf eine lange Tradition zurück. (Oktober 2015)

Bremen – Der 4:1-Erfolg gegen Hannover 96 war für Werder Bremen der erst zweite Heimsieg der Bundesligasaison. Eine historische Negativserie, die, so hoffen die Werder-Fans, nun endlich der Vergangenheit angehören soll. Dort konnte sich Bremen eigentlich stets auf den Mythos Weserstadion verlassen.

Trotz der aktuellen Heimschwäche ist die Spielstätte des SV Werder Bremen in vielerlei Hinsicht einzigartig und sowohl Festung wie auch moderne Reliquie. Seit 1930 trägt das Stadion, mit einer Unterbrechung im Dritten Reich, wo es „Bremer Kampfbahn“ hieß, seinen heutigen Namen. Kein anderer Bundesligist kann das von seiner Spielstätte behaupten. Das Berliner Olympiastadion wurde seit der Eröffnung 1936 zwar auch nie umbenannt, befindet sich aber nicht in privatem Besitz. Alle seine Bundesliga-Heimspiele bestritt Werder im Weserstadion, ganze 502 Siege sprangen dabei heraus. Nur Rekordmeister Bayern München war noch erfolgreicher vor heimischer Kulisse. Auch in den schwierigen Phasen der letzten Jahre konnten sich die Grün-Weißen stets auf ihre Heimstärke verlassen: Durchschnittlich holte Werder in den letzten fünf Jahren zu Hause knapp zehn Punkte mehr als in der Fremde. Die eigenen Fans und das vertraute Spielfeld waren so ein Garant für den Klassenverbleib.

Das Weserstadion hat aber weit mehr zu bieten als einen traditionellen Namen. Zweimal setzte es Maßstäbe der Stadion-Entwicklung. 1978 wurde die seinerzeit stärkste Beleuchtung eines europäischen Fußballplatzes verbaut. 1992 erhielt das Weserstadion sogar die ersten VIP-Logen in Deutschland. In diesem Jahrtausend fanden nahezu ununterbrochen Modernisierungsarbeiten am Stadion statt. Eine Absenkung des Innenraums ermöglichte 2002 die Erweiterung um 8000 Plätze. 2004 wurde die Fassade komplett überarbeitet, neben neuen Bürotürmen und Logen wurde auch das Werder-Museum „Wuseum“ eröffnet. Im Jahr 2008 begann die Umwandlung in eine reine Fußball-Arena. Das neue Dach enthält die größte Photovoltaik-Anlage Deutschlands, auch in der Fassade ist die Technik von Sponsor EWE verbaut. Dazu wurden die Ost- und Westkurven näher ans Spielfeld herangezogen.

Das Weserstadion in Bildern

Dabei ist jede Modernisierung mit erheblichen Mehrkosten und einem riesigen bürokratischen Aufwand verbunden. Der Standort am Weser-Ufer ist so eindrucksvoll wie problematisch. Einerseits ist das Stadion zwar per Fähre erreichbar, andererseits macht die Lage im Überflutungsgebiet Pauliner Marsch aber einen kostspieligen Hochwasserschutz nötig. Das Naherholungsgebiet zur einen und das urbane Wohngebiet zur anderen Seite sorgen dazu für anhaltende Proteste von Anliegern, die die Umbaupläne erschweren. Spieltage bedeuten zudem eine immense Verkehrsbelastungen, Parkplätze sind stets Mangelware. Auch deswegen trägt der Deutsche Fußball-Bund seine Heimspiele selten in Bremen aus. Ein Umzug in eine zentrumsferne Lage, wie ihn andere Bundesligisten mit Stadionneubauten vollzogen, kommt für Werder Bremen aber nicht infrage. Die deutschlandweit einmalige Lage am Flussufer der Weser ist Teil der Vereinsidentität. Denn Werder Bremen ist, so heißt es in einem Fan-Song, zu Haus, „wo die Weser einen großen Bogen macht“. Das Weserstadion ist mehr als die Spielstätte des Vereins, es ist die Heimat der grün-weißen Seele.

ch

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