Power-Paket Marko Arnautovic

Der Mann fürs Schöne

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Nils Petersen herzt Marko Arnautovic nach seinen drei Treffern.

Sinsheim / Bremen - Wieso er nach seinem Freistoß im Sprint den Weg zu Trainer Thomas Schaaf gesucht hatte, konnte Marko Arnautovic hinterher auch nicht mehr genau erklären. „Weil wir doch zusammen verlieren und zusammen gewinnen – deswegen“, sagte der Dreifach-Torschütze beim 4:1 (2:0)-Sieg Werder Bremens bei 1899 Hoffenheim.

Nach seinem zweiten Treffer, einem Freistoß, der das 3:1 und damit die Entscheidung gebracht hatte, war Arnautovic schnurstracks zu Schaaf gelaufen, hatte den Trainer fast umgeschmissen vor Freude. Coach und Torschütze lagen sich in den Armen, trommelten sich gegenseitig auf den Rücken. Eine Explosion der gemeinsamen Freude – aber was steckt dahinter?

Arnautovic erzählte von den Besprechungen vor den Spielen. In denen ergeht jedesmal der Schaafsche Hinweis, „die Freistöße mit Überzeugung zu schießen“, verriet der Österreicher. „Diesmal“, fügte er an, „ist es mir gut gelungen.“

Den Stolz darauf konnte Arnautovic nur mit Mühe unterdrücken. Denn er hatte es diesmal ganz anders gemacht als bei vielen erfolglosen Versuchen zuvor. Überzeugung – das war diesmal nicht Kraft, sondern Präzision. Power-Paket Arnautovic hatte nicht draufgehauen, nein, er hatte den Ball über die Mauer ins Tor gestreichelt. „Das kann er eben auch. Er muss nicht immer nur volle Kanne draufhalten. Wenn er noch genauer zielt, kann auch so etwas Schönes dabei herauskommen“, sagte Schaaf.

Allerdings hatte nicht er, sondern Kevin De Bruyne den entscheidenden Tipp gegeben. „Er ist zu mir gekommen, hat gesagt: Nur Kleine in der Mauer, versuch mal, den Ball drüberzuheben“, berichtete Arnautovic. Plan perfekt, Umsetzung perfekt – und für Hoffenheim, das nach dem Anschlusstreffer durch Sejad Salihovic (50.) 20 Minuten lang Hoffnung auf ein Remis gehabt hatte, war das Bremer 3:1 (73.) „der Todesstoß“, sagte Stürmer Nils Petersen. Und Arnautovic der Totengräber.

Spiele gegen Hoffenheim sind eben seine Lieblingsspiele. Schon in der Vorsaison hatte er zwei seiner sechs Saisontore gegen die 1899er geschossen. Am Sonntag waren es gleich drei. Nach dem 1:0 durch Sebastian Prödl (21.) traf er zum 2:0 (29.), 3:1 und 4:1 (79.). Der Titel Held des Tages war ihm damit sicher. Jedoch wurde Arnautovic von den Kollegen nicht nur gefeiert. Allen ging es darum, bei dem Exzentriker erst gar keine Selbstzufriedenheit aufkommen zu lassen. Dessen Understatement-Tour nach dem Spiel („Ich liebe es nicht, mich selbst zu loben. Das Lob gehört allen“) kauften die Mitspieler ihrem (früher?) zu großen Posen und großen Worten neigenden Kollegen offenbar nicht ab. „Heute hat er endlich mal das gezeigt, was in ihm steckt. Aber er muss seine Stärken, das Tempo-Dribbling, die Eins-gegen-eins-Situationen, noch viel öfter ausspielen“, meinte Petersen: „Mit seinen Fähigkeiten hätte er schon das eine oder andere Tor mehr machen können.“ Auch Schaaf wollte Arnautovic nach dem gemeinsamen Freudentänzchen nicht in den Himmel loben. „Bei Marko gab es auch immer den Punkt, dass wir uns gefragt haben: Bei seinem guten Spiel, wie viele Tore hat er denn gemacht?“ Bis zum zwölften Spieltag war es nur eins, dann traf Arnautovic beim 1:1 in Wolfsburg, setzte gegen Leverkusen krank aus und explodierte in Hoffenheim. „Diesmal“, so Schaaf, „hat er sich seine Belohnung abgeholt.“

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Bleibt‘s dabei? Das ist die Frage, die sich Arnautovic ob des Tor-Geizes im ersten Saisondrittel gefallen lassen muss. „Man kann nicht immer einen guten Tag haben, kann nicht immer die Tore schießen“, sagte er. Aber die anderen erwarten schon mehr als nur alle 15 Spiele eine Torflut. Kapitän Clemens Fritz: „Ich hoffe, dass es in den nächsten Wochen und Monaten so weitergeht bei ihm. Er ist in dieser Saison schon sehr gefestigt, das macht er sehr gut. Er hat jetzt auch das Selbstvertrauen, davon lebt er ja auch. Solche Spiele bringen ihn dann noch weiter nach vorne.“ · csa

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