Zweikampf an drei Fronten bringt Dutt in die Bredouille

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Angespannt: Sebastian Mielitz.

Bremen - So richtig abschalten konnte Robin Dutt am trainingsfreien Wochenende nicht. Werders Chefcoach hatte sich Arbeit mit nach Hause genommen. Heute, spätestens morgen, will er sich auf seine Nummer eins der Rückrunde festlegen. Soll Raphael Wolf weiter das Werder-Tor hüten – oder wieder der Ende November zur Nummer zwei degradierte Sebastian Mielitz?

Im Trainingslager von Jerez wollte Dutt darauf eine Antwort finden. Doch er konnte nicht ahnen, dass dort weder Mielitz noch Wolf entscheidende Pluspunkte in ihrem Konkurrenzkampf sammeln konnten. Auf drei Schauplätzen hatten sich die beiden Schlussmänner duelliert: im Training, im Spiel und abseits des Platzes. Alle Vergleiche endeten unentschieden. Ein Überblick:

Trainingsleistung

Das Wichtigste: Keiner der beiden Kontrahenten verletzte sich, keiner verpasste somit eine Trainingseinheit, so dass sich beide durchgehend von ihrer besten Seite zeigen durften. Dutt meinte allerdings, bei Mielitz eine Veränderung erkannt zu haben. Ihm attestierte er eine „Rückkehr der Angriffslust: Er fightet mehr.“ „Miele“ wiederum sah das etwas anders: „Wer mich kennt, weiß, dass ich mich immer zu 100 Prozent reinhänge.“ Das tat Wolf genauso, „und ich glaube, das sah ganz gut aus“. Die Folge: In puncto Einsatz lieferten sich beide ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Tagelang fiel in den Abschluss-Spielen kein einziges Tor, weder Wolf noch Mielitz leisteten sich einen Lapsus. Allerdings bekamen sie auch wenig auf ihren Kasten, was Dutt zum Abschweifen von diesem spannenden Thema nutzte: „Das zeigt, dass wir unsere Defensivarbeit verbessert haben!“ Dies hatte er zum Hauptziel von Jerez erklärt.

Testspiele

Wie von Dutt vorab versprochen, bekamen beide Bewerber um die Nummer eins dieselben Spielanteile: Wolf stand im ersten Test gegen Nijmegen im Tor, Mielitz im zweiten gegen Steaua Bukarest. Die paradoxe Bilanz: Beide kamen nur zu je einer Parade. Nijmegen kam immerhin zu einigen Flanken, die Wolf sicher abfing. Mielitz fiel gegen Bukarest mehrfach im Herauslaufen und als mitspielender Keeper auf. „Das ist meine Art“, meinte der 24-Jährige dazu. Auf dem Papier sammelte er einen Pluspunkt, weil er beim 0:0 ungeschlagen blieb. Wolf hingegen musste zuvor einmal hinter sich greifen – doch der Ball zum 0:1 schlug in den Winkel ein. In der Torwartfrage „lieferten mir die Spiele keine großartigen Erkenntnisse“, räumte Dutt ein.

Abseits des Platzes

Beide nutzten die starke Medienpräsenz im Trainingslager zur Eigenwerbung. Auffälligster Unterschied: Raphael Wolf strahlte inmitten der Reporter Ruhe aus, Sebastian Mielitz wirkte vor den Mikrofonen angespannt. Cool erkannte Wolf „keinen Grund“, warum er jetzt auf die Bank zurückkehren sollte. Das 1:0 zum Hinrunden-Kehraus gegen Leverkusen spreche für ihn.

Gegen dieses Argument führte Mielitz die Erfahrung seiner bisher eineinhalb Spielzeiten als Werders Nummer eins an – und seine vier Zu-Null-Spiele in dieser Serie. Auffallend ausführlich listete der 24-Jährige seine guten Leistungen auf: „Ich habe Werder schon viele Punkte gerettet.“ Rein statistisch kann Wolf da nicht mithalten – jedenfalls nicht mit seinen vier Bundesliga-Einsätzen und den sieben Regionalliga-Partien in der U 23 in der laufenden Serie. Die Rückserie davor hatte er wegen einer Hüftverletzung und eines Kreuzbandrisses fast komplett verpasst. Doch vor seiner Bremer Zeit, von 2009 bis 2012, war er drei Jahre Stammkeeper – wenn auch „nur“ in Österreichs erster Liga.

Fazit

Robin Dutt ist nicht zu beneiden. Angst vor dem Verkünden seiner Entscheidung hat er nicht, „weil beide einen Super-Charakter haben und damit gut umgehen werden“, meint der Trainer. Heute oder morgen will er ihnen mitteilen, wer die Nummer eins ist. „Das geschieht ganz unbürokratisch am Rande des Trainingsplatzes.“ Für Mielitz oder Wolf wird dieses Terrain dann der vorerst einzige Ort sein, auf dem sie sich zeigen dürfen. n ck

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