Werders U23 startet heute bei Hansa Rostock in die Saison

Nouri: „Wir wollen diese Liga endlich hautnah spüren“

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Rein in die Saison: Coach Alexander Nouri tritt heute mit Werders U23 bei Hansa Rostock an.

Bremen - Jetzt geht’s los: Gestern Nachmittag machte sich Werders U23 auf den Weg nach Rostock, heute (14 Uhr) startet der Aufsteiger gegen Hansa im Ostseestadion in die Drittliga-Saison. Die Vorfreude auf das Abenteuer ist dem Regionalliga-Meister deutlich anzumerken – auch Trainer Alexander Nouri (35), der im Interview über den Start spricht.

Aber auch über die Bremer Chancen, die hohen Anforderungen, seinen Kapitän Rafael Kazior und die Doppelbelastung als Coach und Absolvent des Fußball-Lehrer-Lehrgangs.

Heute wird es ernst in Rostock. Scharren bei Werder schon alle mit den Hufen?

Alexander Nouri: Das kann man so sagen. Wir wollen jetzt einfach wissen, wie sich die Dritte Liga anfühlt, wollen sie endlich hautnah spüren und uns in den Wettkampf stürzen. Es warten spannende Aufgaben und interessante Erfahrungen auf uns, der ganze Verein fiebert mit. Ich habe noch mit Viktor Skripnik, Torsten Frings und den anderen Trainern von den Profis gesprochen. Alle wünschen uns Glück und sind mit den Gedanken dabei. Das gibt uns Kraft.

Sie selbst sind auch richtig heiß?

Nouri: Absolut, klar. Für uns Trainer ist die Liga auch eine sehr große Herausforderung. Ich freue mich auf die fantastischen Gegner, auf die Stadien, einfach auf den Profifußball. Das erste Spiel ist gleich ein großartiger Einstieg – bei so einem renommierten, traditionsreichen Verein. Wir fahren da hin und wollen mutig auftreten. Das ist unsere Art, die wollen wir auf den Platz bringen.

Die Profis haben vor zweieinhalb Wochen ein Testspiel im Rostocker Ostseestadion absolviert und am Ende ein recht schmeichelhaftes 1:1 geholt. Haben Sie Viktor Skripnik schon über den Gegner ausgefragt?

Nouri: Natürlich haben wir uns darüber unterhalten. Aber Rückschlüsse sind schwierig, denn es wird ein komplett anderes Spiel sein – diesmal unter Wettkampfbedingungen.

Energie Cottbus, Holstein Kiel, 1. FC Magdeburg – das sind die Gegner nach Rostock. Wie beurteilen Sie das Auftaktprogramm?

Nouri: Man taucht direkt ein in die Liga und kann sie in allen Facetten erleben. Man muss gleich permanent auf hohem Niveau takten, physisch und psychisch voll da sein. Da musst du die Mentalität des Profifußballs einfach leben. Insgesamt ist es ein tolles Opening für uns.

Wie fällt Ihr Resümee nach der Vorbereitung aus?

Nouri: Man konnte vom ersten Tag an spüren, dass dieser Reiz der neuen Liga bei jedem präsent war. Wir hatten eine unheimlich hohe Trainingsqualität. Ich bin sehr zufrieden, wie sich die Mannschaft gezeigt hat. Es herrscht eine gute Atmosphäre. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung: Es gibt Vorbereitungen, die super laufen, die Ergebnisse sind klasse – aber dann ist der Start holprig. Deshalb ist das alles zu relativieren.

Was hat Ihnen in den vergangenen Wochen besonders gefallen?

Nouri: Die neuen Spieler sind super aufgenommen worden. Die Mannschaft ist schon homogen und eine Einheit. Trotz aller Egoismen, die auch da sein müssen und sollen.

Worauf sind Sie besonders gespannt?

Nouri: Mich interessiert vor allem, wie sich die Spieler entwickeln, wie sie die neue Liga annehmen. Dafür sind sie selbst verantwortlich, das habe ich ihnen zu Beginn der Vorbereitung gesagt. Wer ist schon so weit, das Selbstverständnis zu haben, jetzt Teil dieser Liga zu sein? Je eher man das hat, desto besser – umso eher findet man sich auf dem höheren Niveau zurecht. Ich möchte nicht solche Phrasen hören wie ,Wir müssen erst mal ankommen‘. Man muss direkt da sein.

Was sind die größten Unterschiede zwischen Regionalliga und Dritter Liga?

Nouri: Die volleren Stadien auf jeden Fall. Außerdem die Qualität der Gegner, bei denen doch einige erfahrene Profis spielen. Die haben eine andere Routine, eine andere Cleverness, eine andere Physis.

Haben Sie besonders darauf geachtet, dass Ihre Mannschaft robuster wird?

Nouri: Wir haben das im Training oft thematisiert und gut daran gearbeitet. In dem Bereich werden wir keine Probleme haben. Denn es ist eine Grundvoraussetzung, um in dieser Liga zu bestehen. Du musst als Spieler eine Widerstands- und Leidensfähigkeit an den Tag legen. Da werden viele Luftduelle kommen – und beim dritten oder vierten musst du auch noch die Rübe hinhalten. Du darfst auch nicht lange auf dem Boden liegenbleiben, wenn du mal eine Blessur davongetragen hast.

Abstiegskampf als Aufsteiger – oder nicht: Kann Werder eine sorgenfreie Saison spielen?

Nouri: Wir werden alles daran setzen, die Spieler zu inspirieren. Was daraus dann wird, vermag ich jetzt noch nicht zu sagen.

Aber Sie können schon mal ein Saisonziel formulieren.

Nouri: Wir wollen so viele Spieler wie möglich im Weserstadion ankommen sehen, die Talente auf den Bundesliga-Fußball vorbereiten. Das ist eine tolle, spannende Aufgabe. Und die Spieler profitieren alle von der derzeitigen Konstellation. Es gibt eine unheimlich hohe Transparenz und Durchlässigkeit zwischen Profis und U23 – und zwischen den Trainern eine offene Kommunikation ohne Eitelkeiten. Wir wollen diesen Werder-Weg, den Viktor Skripnik mit seinem Trainer-Team schon erfolgreich eingeschlagen hat, weitergehen.

Wie wichtig ist es, dies eine Liga höher tun zu können?

Nouri: Absolut wichtig. Spieler, die sonst vielleicht ausgeliehen worden wären, um den nächsten Schritt zu machen, können bei uns bleiben. In ihrer Heimat und dem Umfeld, in dem sie sich wohlfühlen. Wir haben tolle Spieler. Und der Sprung in die Bundesliga ist jetzt nicht mehr so groß, wie er vorher war. Das kann vielen helfen.

Solche Hilfe braucht Ihr neuer Kapitän Rafael Kazior nicht mehr – er hat mit seinen 32 Jahren reichlich Erfahrung, auch in der Zweiten Liga. Wo planen Sie ihn ein?

Nouri: Vor allem im Offensivbereich. Es ist sehr flexibel. Ich sehe ihn vor allem als Führungsspieler, der mit seiner Persönlichkeit vorwegmarschiert. Fast egal, auf welcher Position.

Möglicherweise haben Sie bald zwei Trainingsgäste. Sportchef Thomas Eichin hat angedeutet, dass Eljero Elia und Ludovic Obraniak in Ihrem Team und nicht mehr bei den Profis mitmachen könnten. Wie wäre das für Sie – ungewöhnlich, problematisch?

Nouri: Nein. Ich bin Trainer und sehe die sportliche Seite. Wenn sie sich vernünftig verhalten, wäre alles okay. Bisher habe ich noch nichts davon gehört. Und solange das so ist, beschäftige ich mich auch nicht damit.

Zum Abschluss zu Ihnen: Sie sind Trainer bei Werder und besuchen parallel, an mehreren Tagen der Woche, den Fußball-Lehrer-Lehrgang in Hennef – genau wie zuletzt Skripniks Co-Trainer Torsten Frings und Florian Kohfeldt. Und das noch bis März 2016. Zudem sind Sie zweifacher Familienvater. Wie empfinden Sie die hohe Belastung?

Nouri: Das Leben ist gerade geprägt von vielen Kompromissen, eine harte Zeit. Da gilt meiner Frau ein Riesendank, wie sie das alles managt, obwohl sie selbst berufstätig ist. Mit meinem Trainerteam bin ich im täglichen Austausch und gebe Schwerpunkte vor. Und es wird auch Phasen geben, in denen ich länger hier bei Werder bin. Ich will gar nicht rumjammern wegen des Stresses, sondern bin froh und dankbar, dass ich drin bin in diesem Lehrgang. Ich gehe das Ganze mit sehr viel Energie und Enthusiasmus an.

mr

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