Werders Sportchef erhöht Druck auf Trainer Dutt – und der glaubt an die Wende

Eichin: „Wir werden alle an Ergebnissen gemessen“

Bremen - Robin Dutt ließ gestern Mittag ein wenig auf sich warten. Wahrscheinlich saß er vor seinem Mixed-Zonen-Besuch noch in seiner Trainerkabine vor dem Fernseher und schaute sich an, was der Bremer Sportchef Thomas Eichin in der Sport1-Talksendung „Doppelpass“ über Werders Krise und Dutts Zukunft sagte. Nun, der Geschäftsführer Sport stärkte seinem Coach erneut den Rücken – er erhöhte vor dem Heimspiel gegen Köln am Freitag (20.30 Uhr) aber auch erstmals öffentlich den Druck. „Wir werden alle an Ergebnissen gemessen, das weiß auch Robin. Das sind die Mechanismen des Geschäfts.“ Klingt bedrohlich für Dutt.

Der Coach selbst wähnt sich aber auch nach dem 0:6-Desaster beim FC Bayern offenbar fest im Sattel. Eichin und er „ziehen an einem Strang“, meinte Dutt und schwärmte: „Einen besseren Geschäftsführer Sport kann man sich als Trainer in so einer Krisensituation nicht wünschen. Wir haben fast einen stündlichen Austausch. Es ist sehr angenehm, so einen starken Mann an meiner Seite zu haben.“

Nette Worte. Aber eine Jobgarantie über den Freitag hinaus bekommt Dutt trotzdem nicht. Eichin sieht ihn ihm zwar „nicht den Sündenbock unserer augenblicklichen Misere“ – was jedoch passiert, wenn der Tabellenletzte auch gegen Köln keinen Sieg einfährt, ließ der Sportchef offen. Nur so viel: Er will sich nicht von Emotionen leiten lassen: „Ich versuche, das Ganze rational zu bewerten.“

Selbst nüchtern betrachtet ist die Lage aber höchst alarmierend – noch kein Sieg in acht Spielen und jetzt der Tiefpunkt in München. Und das fällt natürlich auf den Trainer zurück. Es wirkt nicht so, als könne er bei Werder noch die Wende schaffen. Am Samstag war Dutt anfangs viel unterwegs in seiner Coaching-Zone. Er pfiff, gestikulierte, brüllte. Mit jedem Gegentor wurden die Emotionen dann aber weniger. Am Ende stand der 49-Jährige fast regungslos da. Geschockt und hilflos. „Die Art und Weise der Niederlage geht nicht spurlos an einem vorbei. So etwas war nicht zu erwarten“, gab Dutt gestern zu.

Die Mannschaft hatte ihren Trainer mit ihrem Angsthasen-Auftritt beim deutschen Rekordmeister ziemlich hängenlassen. Zwar betonten Kapitän Clemens Fritz und Co. hinterher, dass Dutt nicht der Schuldige sei, man hinter ihm stehe und er das Team immer gut vorbereite – offenbar aber nicht gut genug. Werder wirkte nicht heiß, hatte überhaupt keine Courage und ging deshalb gnadenlos unter. Für Einstellung und Motivation ist in hohem Maß der Trainer verantwortlich – beides war bei Werder ungenügend.

Nach Bayern-Debakel: Werder in der Einzelkritik

Dutt kündigte an, hinter verschlossenen Türen „Klartext reden“ zu wollen. Ob das Aufrütteln etwas bringt? Es drängt sich mittlerweile der Eindruck auf, als wenn die Mannschaft ihren Coach nicht mehr richtig versteht oder zumindest dessen Vorgaben nicht umsetzen kann. Beides wäre fatal. Nach dem München-Spiel erklärte Keeper Raphael Wolf, was Dutt vorab gefordert hatte: „Wir sollten mutig sein und früh stören. Aber dann haben sich die Bayern den Ball in unserer Hälfte hin- und hergeschoben.“ Da kann eine Taktik noch so gut sein...

Zudem hatte Dutt ein unglückliches Händchen bei der einen oder anderen Personalentscheidung. Clemens Fritz als Rechtsverteidiger wieder reinzunehmen und Marnon Busch dafür auf die Bank zu setzen, zahlte sich nicht aus. Und es ist auch verwunderlich, dass der Coach seit Wochen an Eljero Elia festhält, obwohl der Niederländer keine Argumente dafür liefert. Und für die Defensivtaktik in München war Elia total ungeeignet.

Möglicherweise wird Dutt nun gegen Köln ein paar Änderungen vornehmen. Eine gibt es bereits. Der 49-Jährige hat den freien Tag gestrichen und kündigte an: „Wir werden viel trainieren und auch sehr viel miteinander sprechen. Das ist normale Handwerksarbeit in Krisensituationen.“ Und die wird sich auszahlen, glaubt Dutt: „Wir werden zurückkommen – hundertprozentig.“ Vor knapp einem Jahr ist es Werder nach dem 0:7 gegen die Bayern tatsächlich gelungen.

8. Spieltag: Bayern München siegt 6:0 gegen Werder Bremen

mr/csa

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