1:1 – Werders späterAusgleich auf Schalke

Unbesiegbar dank Prödl

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EIN JOKER, der sticht: Sebastian Prödls Kopfballstärke rettete Werder einen Punkt.

Aus Gelsenkirchen - berichtet Björn Knips. Der Werder-Wahnsinn geht weiter! Und es wird immer verrückter. In der Nachspielzeit rettete ausgerechnet Sebastian Prödl den Bremern gestern einen Punkt auf Schalke.

 Nach zweimonatiger Verletzungspause war der Innenverteidiger in der Schlussphase als Stürmer auf die Bundesliga-Bühne zurückgekehrt – und traf auch prompt zum 1:1 (0:0)-Endstand. Werder verpasste zwar den sechsten Sieg in Folge, ist aber in diesem Jahr noch unbesiegt. Und was noch viel wichtiger ist: In dieser Verfassung wird das Team von Trainer Viktor Skripnik nicht mehr in Abstiegsgefahr geraten, sondern tatsächlich um die Europa-League-Plätze mitspielen.

„Natürlich bin ich stolz auf die Jungs“, meinte Skripnik und fügte die Erklärung gleich an: „Wir haben auf Schalke gespielt, beim Tabellenvierten, einem Champions-League-Achtelfinalisten. Wir waren vor zwei Monaten fast abgestiegen, und jetzt können wir mithalten.“

Im Vergleich zum 3:2-Sieg gegen Augsburg vor einer Woche hatte Skripnik in seiner Startelf nichts verändert. Doch auswärts agierte sein Team erst einmal mutlos und konnte froh sein, die erste Viertelstunde schadlos überstanden zu haben. Dann legten die Gäste ihren Respekt ab. Santiago Garcia gab einen ersten Warnschuss ab (13.). Und Franco Di Santo hätte sogar zuschlagen müssen, doch nach feiner Vorarbeit von Clemens Fritz schloss der Argentinier zu schwach ab (19.). Und nach perfekter Garcia-Rückgabe lenkte der starke Joel Matip den Di-Santo-Schuss gerade noch über die Latte (22.).

Werder war nun ein Gegner auf Augenhöhe – allerdings nur zeitweise. Denn Schalke erhöhte wieder das Tempo. Roman Neustädter (38.) und Matip (40.) zielten knapp vorbei – und Benedikt Höwedes zögerte völlig frei nahe des Elfmeterpunkts zu lange, so dass Garcia noch retten konnte (45.).

Werder steckte die brenzligen Szenen gut weg, kam mutig aus der Pause und hatte alles im Griff, ohne selbst zu glänzen. „Das war ein typisches 0:0-Spiel“, urteilte Werder-Sportdirektor Rouven Schröder. Doch Raphael Wolf verhinderte eine Nullnummer. Der Bremer Keeper ließ einen harmlosen Schuss von Max Meyer durchrutschen (61.). Der 26-Jährige hob sofort entschuldigend die Hand und gestand hinterher: „Das war ein grober Schnitzer von mir.“ Schon vor einer Woche gegen Augsburg hatte Wolf gepatzt, trotzdem gewann Werder 3:2.

Auch diesmal gab es ein Happy End. Doch bis dahin sollte es noch lange dauern. Die Gäste mühten sich, waren vor 61973 Zuschauern in der ausverkauften Veltins-Arena aber chancenlos gegen diese wirklich schwer zu knackende Schalker Deckung. Die musste ab der 72. Minute allerdings ohne ihren überragenden Boss Matip (Oberschenkelprobleme) auskommen. Das blieb zunächst folgenlos, doch dann reagierte Skripnik, brachte Prödl als Stürmer ins Spiel und beorderte auch Innenverteidiger Jannik Vestergaard nach vorne. Die langen Kerls, Prödl 1,94 Meter groß, Vestergaard noch fünf Zentimeter länger, sollten die Unbesiegbarkeit retten. Das Problem: Schalkes Nachwuchskeeper Timon Wellenreuther (er misst 1,86 Meter) hatte die absolute Lufthoheit, der erst 19-Jährige schnappte sich jeden Ball. Bis auf einen. In der zweiten Minute der Nachspielzeit schlug Zlatko Junuzovic einen Freistoß in der Strafraum, Prödl schraubte sich direkt vor Wellenreuther in die Luft, köpfte und ließ den jungen Keeper ziemlich alt aussehen. 1:1 – die Werder-Bank explodierte vor Glück und nahm einen jubelnden Prödl in Empfang. „Nach acht Wochen auf der Tribüne ist das Tor eine große Befreiung für mich, denn das war keine leichte Zeit“, gestand der Österreicher.

Schalkes Trainer Roberto Di Matteo lag das späte 1:1 natürlich schwer im Magen: „Wir sind sehr enttäuscht, so ein Tor kassiert zu haben. Natürlich hat uns Joel Matip mit seiner Größe in der Szene gefehlt. Es ist ärgerlich, wenn man in so einem Spiel so spät noch den Ausgleich kriegt.“

Doch nach Prödls Torjubel war ja längst nicht Schluss gewesen. Schiedsrichter Manuel Gräfe gönnte den Gastgebern überraschend viel Zeit, um den Schaden noch zu beheben. Doch ausgerechnet Wolf wurde nun zum Bremer Helden. Erst parierte er einen Schuss von Tranquillo Barnetta, dann reagierte er nach einem Versuch von Eric Choupo-Moting glänzend. „Das war klasse von ihm“, lobte Skripnik und erstickte jegliche Torhüter-Diskussion sofort im Keim: „Ich bin glücklich, so einen Torwart in der Kiste zu haben.“

Genauso glücklich war der Coach über den Punktgewinn. „Wir kämpfen noch gegen den Abstieg, da zählt jeder Punkt“, meinte Skripnik. Als Tabellenachter ist die Abstiegszone allerdings weit entfernt. Und so stellte Sportdirektor Schröder ganz zufrieden fest: „Mit 30 Punkten hat man was erreicht.“

Schalke 04 - Werder Bremen 1:1

Sieben, acht Zähler fehlen noch, um ganz sicher zu gehen. Die nächsten Punkte werden in einer Woche vergeben, am Sonntag (17.30 Uhr) kommt der VfL Wolfsburg ins Weserstadion. Fin Bartels wird dann nur Zuschauer sein; der Mittelfeldspieler sah gestern seine fünfte Gelbe Karte. Aber solche Ausfälle stecken die Bremer momentan bestens weg, das Selbstvertrauen ist riesig. Und deshalb könnte der Werder-Wahnsinn auch gegen den nächsten Topclub weitergehen.

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