Werders Österreicher will sich vom Muskelfaserriss nicht stoppen lassen

Grillitsch: „Ich blicke nach vorne“

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Erst mal zum Zuschauen verdammt – aber nach seiner Genesung will Florian Grillitsch die gute Entwicklung fortsetzen.

Bremen - Startelf in Mainz, Startelf gegen Köln, Startelf gegen Dortmund: In Werders englischer Woche gab es einen großen Gewinner. Florian Grillitsch war so etwas wie der Shootingstar – und dann das!

Mit einem Muskelfaserriss im linken Oberschenkel fällt der 20-jährige Österreicher zehn bis 14 Tage und damit auch für das Auswärtsspiel am Sonntag (17.30 Uhr) beim FC Augsburg aus. Die Diagnose gab es gestern Abend, nachdem er im Interview über seine Entwicklung gesprochen und gesagt hatte, warum er Trainer Viktor Skripnik so dankbar ist. Dann kam die Verletzung – ein herber Rückschlag, doch Grillitsch will sich davon nicht entmutigen lassen.

Herr Grillitsch, Sie waren drin im Team und müssen nun erst mal zuschauen. Was war Ihre erste Reaktion?

Florian Grillitsch: Das ist natürlich sehr ärgerlich, aber leider nicht zu ändern. Ich blicke nach vorne und hoffe, so schnell wie möglich wieder dabei zu sein.

Vor Ihrer Verletzung standen Sie drei Mal hinterein-ander in der Startelf. Eine rasante Entwicklung?

Grillitisch: Ja, klar. Es ging richtig schnell, in einer Woche gleich drei Spiele. Ich freue mich, dass ich das Vertrauen vom Trainer bekommen habe. Ich hoffe, das wird wieder so sein, wenn ich zurück bin.

Von den vielen jungen Spielern waren Sie zuletzt so etwas wie der Shootingstar. Wie fühlt sich das an?

Grillitsch: Shootingstar? Das würde ich nicht sagen. Ich habe erst ein paar Spiele gemacht. Aber die Erwartungen werden immer höher. Ich hoffe, dass ich denen auch gerecht werden kann. Meine Entwicklung ist ganz gut, die will ich nach der Verletzung fortsetzen.

Bei den Talenten war es bisher oft so: Mal bei den Profis, dann wieder in der U23. Auch Sie kennen dieses Wechselspiel, waren erst drin, dann draußen, dann wieder drin. Ist das schwer zu verstehen?

Grillitsch: Natürlich denkt man oft darüber nach. Wieso? Weshalb? Aber man muss einfach weitermachen, darf den Kopf nicht in den Sand stecken. Ich bin ein Typ, der hakt Rückschläge schnell ab. Ich weiß, wie schnelllebig der Fußball ist – und dann ist man wieder oben dabei.

Interview in der Schiedsrichterkabine des Weserstadions: Florian Grillitsch (r.) und Kreiszeitung-Sportredakteur Malte Rehnert.

Bleiben Sie nach Ihrer Genesung auf Dauer „oben“, sind Sie bei den Profis richtig angekommen?

Grillitsch: Es waren erst ein paar Spiele. Ich hoffe, dass ich viele weitere machen kann. Ich fühle mich wohl in der Mannschaft, wir haben ein gutes Klima in der Kabine und auf dem Platz. Das wollen wir in Siege ummünzen.

Bislang hat das nicht allzu oft geklappt, Werder steckt mal wieder im Abstiegskampf. Wie hart ist es für einen jungen, unerfahrenen Spieler, damit umzugehen?

Grillitsch: Ich mache mir darüber nicht so viele Gedanken. Denn wenn man das macht, klappt es vielleicht nicht mehr so mit der Leistung.

Was wünschen Sie sich – außer Gesundheit – für den weiteren Saisonverlauf?

Grillitsch: Dass ich so viele Spiele wie möglich mache und wir am Ende im gesicherten Mittelfeld stehen.

Das ist ein realistisches Ziel?

Grillitsch: Ich denke schon.

Drei Torvorlagen haben Sie geliefert, aber selbst noch nicht getroffen. Ungeduldig?

Grillitsch: Nein. Klar macht man als Offensivspieler immer gerne Tore und wird auch ein bisschen daran gemessen. Aber ich denke, das kommt von alleine – gegen Dortmund hätte es ja fast schon geklappt.

Trainer Viktor Skripnik findet Sie leichtfüßig und technisch fast perfekt. Sie wüssten schon eine Lösung, bevor Sie den Ball bekommen. Und Sportdirektor Rouven Schröder nannte Sie einen „schönen Schleicher“, der weiß, wo er stehen muss. Fühlen Sie sich gut getroffen?

Grillitsch: Ich denke schon. Was Rouven mit ,schöner Schleicher‘ genau meint, weiß ich aber nicht. Da muss ich ihn mal fragen (lacht). Es klingt ganz gut, wenn es denn positiv gemeint ist...

Ist es wohl. Doch wie sehen Sie sich selbst?

Grillitsch: Puh, aus sportlicher Sicht ist das immer schwer. Das sollen andere beurteilen. Neben dem Platz bin ich eher ein ruhiger Typ, gerne mit Freunden unterwegs. Und Familie ist mir ganz wichtig.

Ihre kommt aus Grafenbach, eine kleine Gemeinde mit knapp 2500 Einwohnern in Niederösterreich. Was haben Sie da früher so gemacht außer Fußballspielen?

Grillitsch: Fußballspielen (lacht). Nein, ich war mal ein Jahr im Skiverein, bin mit meinem Vater früher oft gefahren. Aber dann ging es richtig los mit Fußball. Ich war zuerst in Pottschach im Verein, das ist zwei Minuten entfernt. Ein sehr familiärer Club. Auch jetzt, wenn ich mal zu Hause bin, bin ich noch gerne da, habe dort noch viele Freunde. So guter Fußball wie in Bremen wird dort nicht gespielt. Aber ich bin trotzdem gerne da, wo meine Wurzeln liegen.

Mit 13 Jahren zogen Sie ins Internat nach St. Pölten, 2013 folgte der Wechsel nach Bremen. Wie kam der zustande?

Grillitsch: Werder hat mich bei der Jugendnationalmannschaft beobachtet. Bei einem Freundschaftsspiel in St. Pölten haben Bremer Scouts und Viktor Skripnik (damals noch U 17-Trainer, d. Red.) zugeguckt. Dann gab es ein Gespräch, das hat mich überzeugt. Und dann habe ich den Schritt an die Weser gemacht.

Skripnik ist also nicht nur Ihr aktueller Förderer, sondern auch Ihr Entdecker.

Grillitsch: Das kann man so sagen. Ich kenne ihn schon lange, auch aus der U23. Er hat mir meine ersten Bundesliga-Spiele geschenkt, dafür bin ich ihm sehr dankbar. Und ich hoffe, dass ich jetzt ihm mit meinen Leistungen weiterhelfen kann. Er ist menschlich richtig okay und sportlich natürlich auch – mit der Erfahrung und dem großen Wissen. Und er ist auch der richtige Trainer für Werder.

Marko Arnautovic, Sebastian Prödl, Richard Strebinger. Vor nicht allzu langer Zeit gab es bei Werder einige Österreicher. Nun sind nur noch Zlatko Junuzovic und Sie übrig. Wie wichtig ist er für Sie als Bezugsperson?

Grillitsch: Man hat immer gerne Leute aus der Heimat im Verein. Wir verstehen uns sehr gut, auf dem Platz und außerhalb. Er hat zuletzt links gespielt, ich halblinks. Das hat gut geklappt.

Ein ganz wichtiges Vorbild für die jungen Spieler soll Rückkehrer Claudio Pizarro (37) sein. Wie hilft er speziell Ihnen?

Grillitsch: Claudio hat eine tolle Karriere hingelegt. Bayern, Chelsea und Werder. Das sind Stationen, wo man nur den Hut ziehen kann. Im Training kann man sich einige Dinge abschauen. Er ist total abgezockt. Ein Klassetyp, sehr sympathisch. Und ein Weltklassestürmer. Wenn man zu ihm geht, gibt er einem auch Tipps.

Sie sind U21-Nationalspieler Österreichs, Ihre A-Mannschaft hat sich für Frankreich 2016 qualifiziert. Ist die EM bei Ihnen irgendwo im Hinterkopf?

Grillitsch: Nein. Ich konzentriere mich auf die U21. Da haben wir eine schwere Quali vor uns, spielen jetzt im November gegen Deutschland. Wir wollen unbedingt bei der EM in Polen dabei sein.

Aber wenn Sie bald vielleicht wieder Stammspieler in der Bundesliga sind...

Grillitsch: ...dann kann es sein, dass ich ein Thema für die A-Mannschaft werde. Das wünscht sich jeder, aber darüber mache ich mir aktuell keine Gedanken.

Zum Abschluss noch mal weg vom Fußball: Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade auf dem Platz stehen?

Grillitsch: Ich spiele gerne Golf und habe mit Lukas Fröde in Bremen die Platzreife gemacht. Handicap 54, glaube ich. Einem Club sind wir noch nicht beigetreten. Wir schauen uns jetzt einige Plätze an.

Was mögen Sie am Golfen?

Grillitsch: Es ist ein ruhiger Sport. Man ist in der Natur und kann ein bisschen abschalten. Aber natürlich ist auch Ehrgeiz dabei, man will immer besser spielen als der andere.

Und wer spielt besser: Fröde oder Sie?

Grillitsch: Ich muss sagen, eigentlich ich (lacht). Aber ich glaube, das hört Lukas nicht so gerne.

mr

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