Keeper Mielitz schwärmt: „Ich genieße jeden Tag“

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Problem gelöst: Sebastian Mielitz (Bild) war in der Hinrunde ein sicherer Werder-Rückhalt und hat Vorgänger Tim Wiese fast schon vergessen gemacht.

Bremen - Ob er noch in den Urlaub fährt, „das entscheide ich spontan“, sagt Sebastian Mielitz. Werders neue Nummer eins kann auch daheim gut abschalten. Und das habe er auch nötig, verrät der 23-Jährige nach seiner ersten Hinrunde als Stammkeeper eines Bundesligisten. Etwas geschafft, aber auch glücklich blickt Mielitz im Interview zurück.

Herr Mielitz, was würden Sie sich selbst für Haltungsnoten geben?

Sebastian Mielitz: Ich denke, insgesamt ist es ganz gut gelaufen. Natürlich wächst man von Spiel zu Spiel mehr rein. Die letzten Partien waren alle in Ordnung. Natürlich will man immer noch mehr, will man es immer noch besser machen. Aber man darf auch mal mit dem zufrieden sein, was man geleistet hat. Darauf kann ich aufbauen. Ich freue mich schon auf die Rückrunde.

Wie sehr schauen Sie auf Statistiken?

Mielitz: Statistiken interessieren mich nicht.

Interessiert es Sie also auch nicht, dass Sie bei den gehaltenen Bälle nur auf Rang 17 der Bundesliga-Torhüter liegen?

Mielitz: Ich kann mir ja nicht aussuchen, welche Schüsse ich halten möchte und welche nicht. Diese Statistik sagt nichts aus, weil sie die Qualität der Schüsse nicht berücksichtigt. Es gibt eben auch Bälle, die kann man als Torwart schön halten. Davon hatte ich nicht so viele. Aber das ist auch egal. Der Trainer war mit mir zufrieden – das ist das Wichtigste.

Wie gehen Sie damit um, wenn Sie sich im Spiel nicht auszeichnen können und bei den Gegentoren machtlos sind?

Mielitz: Das ist gar nicht so einfach und für das Selbstvertrauen nicht gut. Aber man muss – wie heißt es so schön – immer weitermachen.

Kreiden Sie sich Gegentore an?

Mielitz: Ja, der Freistoß in Augsburg. Da habe ich mich für die falsche Ecke entschieden. Das ist anderen auch schon passiert. Für mich ist da keine Welt zusammengebrochen, ich bin gestärkt aus dieser

Situation hervorgegangen. Ich kann so etwas ganz gut verkraften.

Obwohl es Ihr erster großer Fehler in der Bundesliga war?

Mielitz: Ich habe das gar nicht so hoch gehängt, das ist mehr von den Medien aufgebauscht worden. In der Zeit habe ich dann weniger Zeitung gelesen und mir nur die Bilder angeguckt.

Es gab aber auch sehr viel Positives – welcher war Ihr schönster Moment?

Mielitz: Das Spiel gegen den Hamburger SV – mein erstes Nordderby als Nummer eins. An diesen Sieg werde ich mich noch lange erinnern.

Es gab zu Beginn auch kritische Stimmen, Sie würden zu nervös auftreten. Können Sie das nachvollziehen?

Mielitz: Ich war nicht nervös. Vielleicht sah es etwas hektisch aus, wenn ich das Spiel schnell machen wollte. Vielleicht habe ich da auch ein bisschen überdreht. Aber das hat sich von Spiel zu Spiel verbessert. Ich habe die Mitte langsam gefunden.

Sie haben alle Spiele absolviert – wie wichtig ist für Sie die Winterpause?

Mielitz: Sehr wichtig. Ich war schon relativ kaputt. Das war ja auch neu für mich, jedes Spiel zu machen. Das ist gar nicht so sehr eine körperliche Geschichte, eher eine mentale. Das spürt man. Da ist es mal ganz schön, wenn man ein paar Tage abschalten kann und einfach mal Dinge macht, wo man sich nicht so konzentrieren muss.

Was hat sich in Ihrem Leben verändert?

Mielitz: Dass ich öfter spielen durfte.

Werden Sie auf der Straße nicht häufiger angesprochen?

Mielitz: Natürlich hat das zugenommen. Das ist ja normal, wenn man mehr im Fokus steht. Aber bis jetzt war das immer ganz positiv und menschlich. Ich habe das immer genossen, was von den Leuten kam. Es freut mich, dass es den Fans gefällt, was ich mache. Das hilft mir auch bei meiner täglichen Trainingsarbeit.

Für die Fans ist die Saison gar nicht so einfach mit dem Auf und Ab. Wie verkraftet die Mannschaft diese Achterbahnfahrt?

Mielitz: Das nagt an einem. Wir nehmen uns immer so viel vor, da tut es natürlich richtig weh, wenn es nicht klappt. Aber wir haben es auch immer wieder geschafft, ein positives Erlebnis hinterherzuschieben. Ich kann die Fans schon verstehen, wenn sie uns als Wundertüte bezeichnen. Das wollen wir ändern. Wir werden uns in der Vorbereitung voll reinknien, um unser großes Ziel zu erreichen.

Sie wollen zurück ins internationale Geschäft?

Mielitz: Natürlich, das steht außer Frage. Da wollen wir hin, die Fans auch und der Verein sowieso. Dafür werden wir Spieler unsere persönlichen Ziele hintanstellen.

Denken Sie da als Torwart manchmal auch: Jungs, rennt nicht alle nach vorne, bleibt auch mal hinten?

Mielitz: Wenn sie nach vorne rennen und ein Tor schießen, ist alles schön. Dann geht es ja mit einem Anstoß in der Mitte weiter und wir sind wieder geordnet.

Klappt leider zu selten – ist Werder zu offensiv?

Mielitz: Nein, wenn alle defensiv mitarbeiten. Dieser offensive Fußball ist die Philosophie von Werder Bremen. Das ist attraktiv. Daran halten wir auch fest. Natürlich müssen die Ergebnisse stimmen. Man spielt Fußball, um zu gewinnen. Also müssen wir uns in diesem Bereich sicher noch verbessern.

Haben Sie sich persönliche Ziele gesetzt – vielleicht auch in Form von Zahlen, was zum Beispiel die Gegentore betrifft?

Mielitz: Ziele sind ganz wichtig, ohne geht es nicht. Man braucht Anhaltspunkte, um nicht vom Weg abzukommen. Aber diese Ziele möchte ich nicht öffentlich thematisieren, die mache ich mit mir selbst aus. Dann gucke ich am Ende, ob es aufgegangen ist.

Sind Sie Ihr größter Kritiker?

Mielitz: Ich weiß, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Das muss mir keiner sagen.

Werden Sie noch oft mit Tim Wiese verglichen?

Mielitz: Das hat nachgelassen. Das war am Anfang schon extrem.

Ist es angenehm, wenn über den Vorgänger nicht mehr gesprochen wird?

Mielitz: Das gibt Selbstvertrauen. Das ist Anerkennung für meine Leistung und meine Person. Dass das alles so gut geklappt hat, war wünschenswert, aber nicht vorhersehbar. Das hätte auch alles schlechter laufen können. Wenn man gleich am Anfang einen Fehler macht, landet man schnell mal in einer Schublade. Ich bin froh, dass es so gekommen ist, wie es jetzt ist. Das genieße ich jeden Tag.

Björn Knips

Das Zeugnis der Torhüter

Torhüter Einsätze zu Null Gegentore Schüsse
Manuel Neuer (Bayern München) 17 11 7 85,1
René Adler (Hamburger SV) 17 6 21 76,9
Fabian Giefer (Fortuna Düsseldorf) 17 7 22 75,0
Sven Ulreich (VfB Stuttgart) 17 5 28 74,1
Christian Wetklo (FSV Mainz 05) 15 4 18 73,9
Oliver Baumann (SC Freiburg) 17 6 18 72,7
Marc-Andre ter Stegen (Gladbach) 17 4 24 71,1
Raphael Schäfer (1. FC Nürnberg) 14 4 19 70,8
Bernd Leno (Bayer Leverkusen) 15 5 17 70,7
Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt) 17 2 27 69,7
Max Grün (Greuther Fürth) 14 2 25 68,4
Diego Benaglio (VfL Wolfsburg) 17 2 27 67,5
Ron-Robert Zieler (Hannover 96) 17 3 31 64,8
Lars Unnerstall (FC Schalke 04) 13 4 16 64,4
Roman Weidenfeller (B. Dortmund) 17 4 20 64,3
Mohamed Amsif (FC Augsburg) 12 3 17 63,8
Sebastian Mielitz (Werder) 17 2 29 60,8
Koen Casteels (1899 Hoffenheim) 9 2 18 52,6
Simon Jentzsch (FC Augsburg) 5 0 12 50,0
Tim Wiese (1899 Hoffenheim) 8 0 23 47,7

Sortiert nach abgewehrten Torschüssen. Aufgeführt nur Torhüter, die mindestens fünf Bundesliga-Spiele bestritten haben. Quelle: impire

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