Werders Neuzugänge

Zwei Problemlöser und ein Talent

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Stürmer Anthony Ujah soll bei Werder die Selke-Lücke schließen.

Bremen - Von Carsten Sander. Heute geht’s wieder los! 39 Tage nach Abpfiff des Saisonfinales bei Borussia Dortmund (2:3) beginnt Werder Bremen um 10.00 Uhr mit der Vorbereitung auf die neue Serie in der Fußball-Bundesliga – wie immer mit einem Laktattest. Mit dabei ist ein Trio, dem eine ganz besondere Aufmerksamkeit zuteil werden wird. Felix Wiedwald, Anthony Ujah und Ulisses Garcia sind die drei frischen Gesichter im Bremer Kader.

Ein Torwart, ein Stürmer, ein Außenverteidigertalent – das sind die bisherigen Erfolgsmeldungen vom Transfermarkt. Mindestens zwei von ihnen spielen in den Personalplanungen von Cheftrainer Viktor Skripnik große Rollen. Und das sind die Neuen:

Ulisses Garcia
Ulisses Alexandre Garcia Lopes – so sein vollständiger Name – ist der große Unbekannte bei Werder. Als Linksverteidiger hat es der 19-Jährige in die Schweizer U-Nationalteams geschafft. Einmal spielte er auch für den Grasshopper Club Zürich in der Schweizer Super League sowie einmal in der Europa League – mehr Profi-Erfahrung bringt Garcia nicht mit. Deshalb soll er bei Werder zwar mit den Profis trainieren, aber vorerst für die U23 spielen.

Keine schlechte Idee, meint einer, der einst ebenfalls aus der Schweiz zu Werder kam und noch genau weiß, wie groß der Sprung damals war. Mit einem Lachen sagt Ludovic Magnin: „Bei der Härte des Trainings ist mir fast der Körper zersprungen. Es war extrem.“ 2002 war er als vielversprechender 21 Jahre alter Linksverteidiger zu Werder gekommen, blieb dreieinhalb Jahre und gewann in dieser Zeit das Double 2004. Heute ist Magnin U18-Trainer beim FC Zürich und kennt natürlich auch die Talente des Konkurrenten Grasshopper. Wie Ulisses Garcia. „Bremen hat ein Riesentalent geholt, eine Investition in die Zukunft“, urteilt Magnin. Aber er warnt auch: „Der Sprung wird für ihn riesengroß, noch größer als für mich damals. Als ich zu Werder kam, hatte ich schon 80 Einsätze in der Super League und Länderspiele hinter mir. Trotzdem habe ich sechs Monate gebraucht, um mich einigermaßen an die Anforderungen zu gewöhnen.“

Magnins Konkurrent bei Werder hieß damals Viktor Skripnik. Dass er nun ausgerechnet einen Schweizer als Linksverteidiger der Zukunft holt, versteht der 36-Jährige als nachträgliches Kompliment: „Ich denke, Viktor hat nicht vergessen, dass die Schweiz gute Linksverteidiger herausbringt.“

Felix Wiedwald
Es müssen keine Bücher geschrieben werden, um zu erklären, welche Erwartungen Werder in den 25 Jahre alten Torhüter setzt. Wiedwald soll schlicht für das Ende der Torwart-Diskussion sorgen. Die wird in Bremen nämlich schon viel zu lange geführt. Seit Tim Wiese den Club vor drei Jahren verlassen hat, ist Werder von einer Torhüter-Verlegenheit in die nächste gestolpert. Erst Sebastian Mielitz, dann Raphael Wolf, dazu ein kürzeres Intermezzo von Richard Strebinger sowie ein längeres von Koen Casteels – von Kontinuität kann da nicht die Rede sein. Mit Wiedwald soll alles anders werden.

„Ich will die Nummer eins werden“, hatte er bei seiner Vorstellung in Bremen Ende Mai gesagt. Und er will nicht nur, er soll auch. Offiziell gilt zwar, dass sich Wiedwald – in Thedinghausen geboren, in Achim aufgewachsen, bei Werder ausgebildet – in einen Zweikampf mit dem derzeit noch verletzten Wolf schmeißen soll. Doch klar ist, dass der ablösefrei von Eintracht Frankfurt gekommene Schlussmann erstmal einen Vorsprung hat. Während Wolf nach Fehlern und schlechten Quoten einen Rucksack voller Altlasten mit sich herumträgt, ist Wiedwald unbelastet. Allerdings: Seine Erstligaerfahrung beschränkt sich auf nur elf Einsätze bei Eintracht Frankfurt – zehn davon am Stück in der vergangenen Saison, als er Stammkeeper Kevin Trapp vertrat. In diesen Partien empfahl sich Wiedwald für einen Stammplatz in der Bundesliga.

Anthony Ujah
Das überraschendste Urlaubserlebnis? Es muss wohl der Augenblick gewesen sein, als Anthony Ujah auf einer staubigen Straße in seiner Heimat Nigeria ein Motorradfahrer im Werder-Trikot entgegenkam. Umgehend schoss der Stürmer ein Handyfoto und twitterte es in die Welt hinaus. Werder in Nigeria, ein Nigerianer bei Werder – das muss doch ein gutes Omen für vier gute gemeinsame Jahre sein. Oder nicht?

Ujah (24) ist schon der zweite Stürmer aus dem westafrikanischen Land, der Werder nach oben schießen soll. Der erste war Joseph Akpala und erwies sich als ziemlich großer Fehlgriff. Im Sommer 2013 wechselte er nach nur einem Tor in einem Jahr zu Karabükspor in die Türkei. Ujah darf dagegen auf keinen Fall floppen – allein wegen der gezahlten Ablöse. 4,5 Millionen Euro hat Werder an den 1. FC Köln überwiesen – das ist zwar nur knapp mehr als die Hälfte der für Davie Selke erhaltenen acht Millionen, aber angesichts des Bremer Sparkurses verflixt viel Geld.

Ujah (zwölf Bundesliga-Treffer in 44 Einsätzen für Mainz 05 und den 1. FC Köln) muss bei Werder funktionieren, Ujah muss Tore schießen und die Lücke, die Selkes Weggang gerissen hat, schließen. Mehr noch: Der fünfmalige Nationalspieler sollte Werder im Idealfall schnell das Gefühl geben, dass auch dann noch Torgefahr im Kader vorhanden ist, wenn Franco Di Santo verkauft werden sollte. Was nach Lage der Dinge nicht auszuschließen ist. Auf Ujah lastet also ein ordentlicher Erfolgsdruck.

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