Werders neuer Co-Trainer bricht sein Schweigen / Kein Lehrling von Skripnik, eher ein zweiter Rolff

„Einen Frings hätte ich gerne dabei“

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Für Torsten Frings ist es „ein Traum“, dass er schon nach so kurzer Zeit im Trainergeschäft mitverantwortlich für Werders Bundesliga-Mannschaft ist.

Bremen - Torsten Frings blieb kurz stehen, schaute auf den Pulk von Journalisten im Bauch des Weserstadions und wunderte sich: „Was ist denn hier los?“ Mit so viel Interesse an seiner Person hatte der Ex-Profi nicht gerechnet. Doch durch sein bewusstes Wegducken nach seiner Beförderung zum Co-Trainer der Bundesliga-Mannschaft hatte er den Spannungsbogen selbst gespannt. Jeder will nun einmal wissen, wie der Vize-Weltmeister von 2002 seine Rolle als Assistent von Viktor Skripnik versteht, wie er Werder da unten rausholen will und wann er Chefcoach wird.

Nach der ersten Verwunderung über die vier Kamerateams, 15 Journalisten und zwei Fotografen präsentierte sich Frings ganz cool und selbstbewusst. Eigentlich gar kein Unterschied zum Profi Frings. Und genau so soll es auch sein. „Immer offen und ehrlich“, lautet das Motto des 37-Jährigen. So redete Frings auch Klartext. Er sei kein Lehrling von Skripnik, sondern er fühle sich als Mitglied des Trainerteams – mit Skripnik als Chef: „Ich habe kein Problem mit meiner untergeordneten Rolle. Ich kenne Viktor seit 20 Jahren, wir verstehen uns blind.“ Sein Vorbild sei auch nicht Thomas Schaaf: „Als Trainer muss du deinen eigenen Weg finden.“ Kontakt zu seinem langjährigen Trainer und aktuellen Coach von Eintracht Frankfurt habe es bislang nur per SMS gegeben. „Ich konnte ihn ja schlecht anrufen und fragen, wie man gegen Stuttgart spielt, nachdem er fünf Dinger gegen die kassiert hat“, scherzte Frings.

Frankfurt hatte gegen den VfB 4:5 verloren, Werder bezwang die Schwaben mit 2:0 – und machte damit den Start des Trainerteams perfekt. Drei Pflichtspiele, drei Siege – besser hätte es nicht laufen können, doch Frings ist nach erst anderthalb Jahren auf der Trainerbank schon der typische Mahner: „Wir sind immer noch 16., haben also nicht viel erreicht. Die Lage wird bis zum Saisonende heikel bleiben.“

Das heißt: arbeiten, arbeiten, arbeiten. „Als Spieler kommst du eine halbe Stunde vor dem Training, als Trainer bist du schon fünf Stunden vorher da“, berichtete Frings von seinem neuen Leben. Er muss auch noch mit einer Doppelbelastung klarkommen: Von montags bis mittwochs ist er in Hennef und macht seinen Fußball-Lehrer. „Das ist schon anstrengend.“ Aber der Ex-Nationalspieler will nicht klagen, denn dass sich seine Trainerkarriere so rasant entwickelt, sei „ein Traum – und das auch noch in Bremen, bei meinem Verein“.

Diese besondere Bindung zum SV Werder, für den er 326 Mal in der Bundesliga gespielt hat, hat großen Einfluss auf sein Handeln. „Jeder Spieler sollte ganz bewusst dieses Trikot tragen, denn es ist ein besonderes Trikot“, sagte er fast schon pathetisch. Doch bei ihm ist es authentisch, denn er hat es vorgelebt – und eben diesen Einsatz erwartet er nun auch von seinen Nachfolgern. „Ich wäre froh, wenn ich einen Frings im Team hätte, denn bei dem wüsste ich, dass er immer 100 Prozent gibt. Auch wenn er im Umgang vielleicht ein bisschen schwierig ist“, merkte er halb scherzhaft, halb ernsthaft an. Für Frings ist es kein Problem, sich in die Lage seiner Spieler zu versetzen – schließlich hat er seine Karriere erst vor zwei Jahren beendet. Deswegen sei er auch „näher an den Jungs dran als Viktor“ und als Co-Trainer durchaus ein Bindeglied zwischen Chef und Personal. Er erinnerte dabei an Wolfgang Rolff: „Wolfgang war total loyal, offen und ehrlich. Hat dich gelobt und kritisiert. und wenn dich Thomas Schaaf mal runtergebuttert hat, dann hat er dich wieder aufgerichtet.“ Das sei eine wichtige Aufgabe des Co-Trainers.

Werder-Training am Mittwoch

Aber reicht es ihm, der Assistent zu sein? Im Moment ja, „aber natürlich will ich irgendwann mal Cheftrainer werden“. Doch das ist weit weg. Nun wird er erst einmal das Angebot von Sportchef Thomas Eichin zur Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrags annehmen: „Und ich unterschreibe sicher nicht nur für ein Jahr. Ich will hier noch länger bleiben.“ Aber nicht weiter sprechen. Der gestrige Auftritt in der Interviewzone des Weserstadions soll eine Ausnahme bleiben. Frings lässt Skripnik den Vortritt, „ich möchte mich da öffentlich raushalten“.

kni

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