Werders neuer Athletik-Coach Jörn Heineke soll Verletzungen minimieren – und „muss nicht der beste Freund der Spieler sein“

Mal Peitsche, mal Zucker, mal Spiderman

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Jörn Heineke ist der Mann, der bei Werder die Profis quälen darf. Mal zu leiden, gehören zum Job eines Berufsfußballers, sagt der neue Bremer Athletikcoach.

Neuruppin - Es begann, wenn man so will, in einem Bremerhavener Park Mitte der 90er Jahre. Jörn Heineke joggte mit einem Teamkollegen. Sommervorbereitung auf die neue Saison mit dem FC Bremerhaven. „Und Vorbereitungen habe ich gehasst, wie jeder Fußballer“, erinnert sich der heute 40-Jährige. Doch an jenem Tag hatte er ein „einschneidendes Erlebnis. Ich habe die ganze Zeit nur geflucht, mein Mitspieler Carsten dagegen hat sich nie beschwert. Als ich ihn fragte, warum, sagte er: ,Der Bruder meiner Freundin sitzt im Rollstuhl, der würde so gerne laufen können.‘ Da habe ich einfach mal die Fresse gehalten“, erzählt Heineke.

Seither war er bereit, sich zu quälen – und heute quält er andere mit seinem Training. Er ist der neue Athletikcoach bei Werder, hat gerade in Neuruppin sein erstes Trainingslager absolviert und die Bremer Mannschaft ordentlich gescheucht. Ein hammerhartes Workout zum Abschluss eine langen Tages. Oder am Ende einer intensiven Trainingseinheit noch Intervall-Läufe, die den Spielern die letzten Körner raubten.

Heineke, ausgebildeter CrossFit-Trainer mit eigenem Studio in Bremen und ehemaliger Student der Sporthochschule Köln, fand all das gar nicht so schlimm. Die Spieler schon. Sie ächzten, sie keuchten – aber sie zogen auch voll durch. „Alle machen super mit, ich kann mich nicht beklagen“, lobt Heineke, der gut damit leben kann, dass der eine oder andere nach den Einheiten sicher nicht allzu gut auf ihn zu sprechen ist: „Ich muss nicht der beste Freund der Spieler sein.“ Immer nur der Drillmeister mag er jedoch auch nicht sein: „Ich kann nicht nur die Peitsche rausholen, es muss auch mal Zucker und Spaß sein.“

Spaß hat er vor allem selbst – und zwar an seinem neuen Job. Geschäftsführer Thomas Eichin hat sich persönlich darum gekümmert, wer der neue Athletiktrainer und damit Nachfolger von Reinhard Schnittker wird. „Ich habe es zur Chefsache erklärt und die meisten Bewerbungsgespräche selbst geführt“, sagt Eichin. Am Ende blieb dann nur noch Heineke übrig. Das Konzept des früheren Werder-Jugendspielers (U19 mit den Trainern Thomas Schaaf und Axel Plaat), der später unter anderem bei Preußen Münster war und „weiß, wie Fußballer ticken“, hatte total überzeugt. „Ich bin mir sicher, dass wir durch ihn noch mehr Power bekommen“, glaubt Eichin.

Wer die Einheiten von Heineke in Neuruppin gesehen hat, kann kaum umhin, da zuzustimmen. Der neue Schleifer hat in einige andere Sportarten (etwa Boxen) reingeschnuppert. Er hat neue Ideen, zum Beispiel den „Spiderman-Lauf“ (eine Abwandlung der Liegestütze). „Den kannte ich überhaupt nicht. Da musste ich erst ein bisschen schmunzeln“, gesteht Stürmer Melvyn Lorenzen. Und Heineke ist unerbittlich – sagt: „Wenn die Spieler nicht ein Stück weit böse auf den Athletiktrainer wären, ein bisschen motzen würden und stattdessen mit einem Lächeln ins Bett gehen, würde irgendetwas schief laufen. Was wir jetzt nicht in die Vorbereitung packen, können wir nie wieder aufholen.“

Alle 24 Bremer, die mit im Trainingslager waren, seien Profis. Auch mal ein bisschen zu leiden, „ist ihr Job“, findet Heineke: Und meiner ist es, sie bis zum Saisonstart topfit zu machen“. Dabei vertraut er auf „kurze, kompakte Einheiten mit hoher Intensität“. Ein Schwerpunkt bei den Übungen liegt auf der Stärkung der Rumpfes. „Die schnellen Abbruchbewegungen, das ist Stress für die Strukturen der Spieler“, weiß Heineke, dessen Arbeit vor allem einem Zweck dient: Dass Werder weniger Verletzte hat – vor allem die Blessuren, die ohne Einwirkung eines Gegners passieren, sollen minimiert werden. Und die jungen Spieler sollen nicht mehr solche Probleme haben, sich an die höhere Belastung in einer Bundesliga-Mannschaft zu gewöhnen. „Darauf“, verspricht Heineke, „haben wir alle eine besonderes Auge.“

mr

"Abschiedstraining" in Neuruppin - Lorenzen dabei

Jörn Heinecke

Werders neuer Athletiktrainer war früher glühender Paul- Breitner-Fan: „Mein erster Fußballschuh hatte sein Konterfei auf der Zunge. Er war immer mein Lieblingsspieler.“

Er spielte mit Ex-Werder-Profi Frank Ordenwitz zusammen – Anfang des neuen Jahrtausends beim VSK Osterholz-Scharmbeck.

Er behält sein Fitness-Studio in Bremen: „Meine Ex-Freundin ist dort Geschäftsführerin, ich habe sechs Coaches. Ich werde da auch weiterhin ein paar Kurse geben. Sport ist eben meine Leidenschaft.“

Er geht gerne bis an seine Grenzen oder darüber hinaus: „Es ist befriedigend, wenn man merkt, andere müssen aufhören – ich kann noch.“

Er hat 1990er-Weltmeister Thomas Häßler getunnelt. Im DFB-Pokal mit dem FC Bremerhaven gegen den Karlsruher SC im August 1996: „Er hat mich dann gleich gefoult, sich zu mir runtergebückt und gesagt: ,Spiel nicht so arrogant.‘“

Er hatte vier Jahre lang massive Rückenprobleme. „Die Ärzte haben mir zur OP geraten. Ich habe stattdessen angefangen, schwere Lasten zu heben und bin so zum CrossFit gekommen. Seitdem hatte ich nie wieder Probleme.“ n mr

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