Marko Marin: „Es bringt nichts, Angst zu haben“

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Marko Marin ist fassungslos: In Mainz gibt’s nach einem Foul an ihm keinen Elfmeter. Die Schiedsrichter scheinen ihn auf den Kieker zu haben, doch davon will der Werder-Profi nichts wissen.

Von Björn Knips - Im Sommer 2009 kam er nach Bremen, um nicht mehr gegen den Abstieg (wie mit Gladbach), sondern um Titel zu spielen. Doch nun findet sich Marko Marin auch mit seinem neuen Club im Tabellenkeller wieder.

Und gleichzeitig wurde der 21-Jährige nicht mehr zur Nationalmannschaft eingeladen. Keine angenehme Situation. Aber Marin nimmt’s locker, macht sich und Werder im Interview ganz viel Mut.

Herr Marin, wurden Sie von Ihren Werder-Kollegen schon gefragt, wie Abstiegskampf geht?

Nein, warum sollten sie das machen?

Weil Sie vor zwei Jahren mit Gladbach das Abstiegsgespenst gerade noch so verscheucht haben. Werder musste sich dagegen schon ewig nicht mehr um den Klassenerhalt sorgen.

Mit Gladbach war das damals ganz anders als nun mit Werder. Wir waren nach der Hinrunde abgeschlagen Letzter. Da war die Lage aussichtslos – trotzdem haben wir es irgendwie noch geschafft. Mit Werder stehen wir nun besser da, haben auch eine Mannschaft mit viel mehr Potenzial und werden deshalb da unten rauskommen.

So klingt das, wenn ein Champions-League-Teilnehmer plötzlich gegen den Abstieg spielt . . .

Quatsch! Jeder von uns weiß, worum es geht. Natürlich würden wir alle lieber nächste Woche im Achtelfinale der Champions League spielen. Aber die Situation ist nun einmal eine völlig andere, und vor der haben wir auch Respekt.

"Wenn ich falle, dann war auch was"

Marko Marin bei Werder Bremen

Haben Sie Angst vor dem Abstieg?

Nein, denn dazu wird es nicht kommen. Das Köln-Spiel war wirklich schlimm. Aber gegen Bayern und in Mainz war es schon besser. Das merkt man auch im Training – und das werden wir auch auf dem Platz zeigen. Am besten schon am Sonntag gegen Hannover. Wir brauchen diese drei Punkte unbedingt.

Das klingt sehr verbissen. Wie gehen Sie als eigentlich sehr fröhlicher Mensch mit dieser Situation um? Lachen Sie noch in der Kabine?

Sie werden es nicht glauben, aber es werden trotzdem noch Witze gemacht. Alles andere wäre doch auch Unsinn. Es bringt doch nichts, nur mit gesenktem Kopf herumzulaufen und ständig Angst zu haben, einen Fehler zu machen. Da hilft uns auch der Trainer. Er gibt uns ein gutes Gefühl.

Aber warum haben Sie dann als Mannschaft einen Motivationstrainer engagiert?

Es ging nicht um Motivation, sondern wir als Mannschaft wollten unseren inneren Zusammenhalt stärken – und der Trainer war darüber informiert.

Auf dem Trainingsplatz ist Thomas Schaaf viel lauter und energischer als früher. Hat sich der Trainer im Vergleich zu den erfolgreichen Zeiten verändert?

Das finde ich nicht. Natürlich gibt es mehr Video-Analysen und es wird noch intensiver gearbeitet. Aber der Trainer wirft nicht alles um. Das wäre doch auch ein Zeichen von Planlosigkeit. Thomas Schaaf hat eine ganz klare Linie, er hat ein Konzept, das zieht er durch – und das bringt uns weiter.

Sie auch? Vor einem Jahr haben Sie die Leser dieser Zeitung zum „Magic Marin“ gemacht. So viel Zauber gab’s in dieser Saison von Ihnen nicht mehr zu sehen.

So etwas wird schnell gesagt. Jeder, der sich im Fußball auskennt, weiß doch: Ist eine Mannschaft nicht erfolgreich, dann fällt auch die Bewertung der einzelnen Spieler nicht gut aus. Ich will gar nicht mehr über „Magic“ reden, das ist im Moment völlig unwichtig. Es zählt nur der Erfolg der Mannschaft.

Ist es im Abstiegskampf für einen Dribbler wie Sie schwieriger, etwas auf eigene Faust zu probieren, weil das Risiko eigentlich minimiert werden soll?

Da ist was dran. Aber wir dürfen auch unsere Stärken nicht vernachlässigen, denn sonst haben wir keine mehr. Deshalb gehe ich auch weiter in die Zweikämpfe und überlege nicht zu lange, denn sonst geht’s sowieso schief.

Oder Sie werden gefoult, und es wird nicht gepfiffen . . . Wären Sie eigentlich ein guter Schiedsrichter?

Ich glaube nicht. Ich will es auch gar nicht ausprobieren, weil es sehr schwierig sein muss. Ich habe einen Freund, der sehr hoch pfeift. Und bei dem merke ich, wie viele Gedanken er sich nach einem Spiel macht und wie lange er über einzelne Szenen noch nachdenkt.

Hätte er bei der Aktion im Spiel in Mainz auf Strafstoß für Sie entschieden?

(lacht) Natürlich, er ist ja mein Freund. Aber er hat tatsächlich gesagt, dass man da pfeifen muss.

Böse Zungen behaupten, Schiedsrichter würden bei Ihnen zweimal überlegen, ob sie pfeifen, weil Sie so schnell fallen würden.

Das hat doch nichts mit mir zu tun, dass es da keinen Elfmeter gegeben hat. Kein Schiedsrichter schießt sich auf einen einzelnen Spieler ein. Und was mich betrifft: Wenn ich falle, dann war da auch was. Ich habe jedenfalls noch nie eine Gelbe Karte wegen einer Schwalbe bekommen.

Dafür offenbar die Rote Karte von Joachim Löw. Der Bundestrainer hat Sie nicht zum Test gegen Italien eingeladen . . .

. . . und es mir vorher im Gespräch erklärt. Das war nachvollziehbar für mich. Natürlich bin ich traurig, weil es immer schön ist, bei der Nationalmannschaft zu sein. Joachim Löw hat mir gesagt, dass ich weiter wichtig für die Nationalmannschaft bleibe. Also gehe ich davon aus, dass ich bei entsprechender Leistung bei den Quali-Spielen wieder dabei bin.

Aber es ist schon auffällig, dass in Per Mertesacker nur noch ein Bremer bei der DFB-Auswahl ist. Das passt zur Werder-Krise. Tabellenführer Dortmund stellt dagegen fünf Nationalspieler.

Natürlich ist die Situation bei uns nicht einfach. Aber das wird sich ändern – ganz bestimmt. Und ich finde es klasse, wie unsere Fans uns weiter unterstützen. Das ist auch am Sonntag gegen Hannover ganz wichtig. Ich weiß, dass es für unsere Fans im Moment nicht leicht ist, weil sie viel mehr von uns erwartet haben. Aber das wird wieder, ganz sicher.

Die Zweite Liga ist also kein Thema?

Auf keinen Fall!

Und schafft Ihr Ex-Club Gladbach auch diesmal wieder den Sprung von der Klinge?

Ich hoffe es, aber es wird sehr, sehr schwer.

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