Werders Keeper hat einen Personalcoach, einen Mentaltrainer – und isst anders

So geht Profi heute: Wolf und seine Helfer

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Gut gebrüllt, Löwe! In seinen ersten Interviews als Werders neuer Stammkeeper war Raphael Wolf noch zurückhaltend. Nun sagt der 26-Jährige klipp und klar: „Ich bin die Nummer eins! Ich werde spielen!“

Peking - Es ist in China einfach nicht zu übersehen. Raphael Wolf tritt in seiner ersten Vorbereitung als Werders Nummer eins so selbstbewusst auf wie noch nie in seinen zwei Jahren beim Bundesligisten. Und er hält richtig gut. In beiden Testspielen konnte sich der 26-Jährige gleich mehrfach auszeichnen. Wolf ist schon in Topform. Das hat seine Gründe: Er hat im Urlaub hart gearbeitet – und er hat seine Helfer, einen Personalcoach, einen Mentaltrainer und natürlich seinen Berater.

„Dahin geht der Trend. Als Profi darfst du dich nicht nur auf den Vereinstrainer verlassen, um alles aus dir herauszuholen“, begrüßt Robin Dutt das mit ihm abgesprochene Zusatzprogramm seines Keepers. Und der Werder-Coach ist überzeugt: „In zehn Jahren wird es nicht mehr möglich sein, ohne privat etwas zu machen, zu bestehen.“

Nicht nur Wolf lässt sich helfen. Sebastian Prödl zum Beispiel setzt auf einen Mentalcoach und auf einen Medienberater. Denn die Außendarstellung wird im Profisport immer wichtiger. Selbstbewusstes Auftreten ist ein Muss.

Bei Wolf hat sich das in den letzten Monaten langsam entwickelt. In seinen ersten Interviews, nachdem er Sebastian Mielitz als Nummer eins abgelöst hatte, sprach der Keeper sehr leise und bediente sich vieler Phrasen. „Es ist nicht einfach für einen Torwart, weil du ja weißt, dass der andere jetzt für dich draußen sitzt. Da willst du nichts Falsches sagen“, erklärt Dutt und fügt noch an: „Raphael Wolf ist ein total korrekter Mensch, der nicht so viel Werbung für sich machen will.“

Der aber inzwischen klar und deutlich sagt, als was er sich fühlt: „Ich bin die Nummer eins! Ich werde spielen!“ Daran lässt auch Dutt keinen Zweifel, der Coach macht es sogar noch deutlicher: „Raphael ist die klare Nummer eins.“ Und damit hat Dutt schon vor einem Jahr gerechnet: „Wir haben sofort gesehen, dass Raphael ein herausragender Torhüter ist.“ Ins Tor hat er trotzdem Sebastian Mielitz gestellt. Weil der die Nummer eins der Vorsaison war – und Wolf gerade erst nach längerer Verletzungspause wieder Fuß gefasst hatte. Der Wechsel zwischen den Pfosten bahnte sich damals aber schon an – und nach den beiden Mielitz-Patzern gegen Mainz war Wolfs Zeit gekommen.

Sie dauert an. Die Ersatzkeeper Richard Strebinger und Raif Husic können sich erst einmal keine Hoffnungen machen. Denn Dutt sieht Wolf auf „unabsehbare Zeit“ vorne, prophezeit ihm eine große Karriere: „Er hat nicht nur gute Reflexe, sondern auch ein ganz starkes Stellungsspiel. Und dann diese Ausstrahlung. Raphael ist einfach ein Typ.“ Großes Lob, aber vor einem Jahr hatte Dutt auch Mielitz in den Himmel gehoben. Wolf darf sich also nicht ausruhen.

Das wird er auch nicht. Dafür sorgen seine Helferlein – wie zum Beispiel der Personalcoach. Der schickte ihn vor einem Jahr zum Arzt, um mal zu checken, welche Dinge sein Schützling verträgt und welche nicht. „Ich war zwischendurch immer so müde“, erinnert sich Wolf. Der Test ergab eine Unverträglichkeit von Getreide. Der Keeper stellte seine Ernährung um, isst kaum noch Brot: „Ich fühle mich viel besser.“ Auch seinen Tagesablauf hat er besser durchgeplant, Ruhepausen eingefügt. „Er sieht seinen Körper als Produkt, das er hegt und pflegt. Das ist clever“, urteilt Dutt.

Aus Wolfs Sicht ist der Erfolg schon deutlich zu sehen. „Ich denke, dass ich mich in vielen Sachen verbessert habe“, sagt der 26-Jährige und kündigt an: „Ich werde noch besser. Ich will auf keinen Fall auf diesem Level stehen bleiben. Dann werden wir sehen, wohin die Reise geht.“ Möglicherweise sogar weg von Werder? In einem Jahr läuft sein Vertrag aus. Die Gespräche laufen – und auch dafür hat Wolf einen Helfer: seinen Berater. Einen Abschluss gibt es noch nicht. „Ich hätte schon gerne Klarheit bis zum Saisonstart“, sagt Wolf – will das aber keineswegs als Drohung verstanden wissen. Und offenbar scheint alles auf einem guten Weg, denn Sportchef Thomas Eichin glaubt, „dass wir uns schon einigen werden“.

kni

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