Werders Italiener ist heiß auf die neue Saison und freut sich schon auf ein großes Familienfest

Caldirola: „Wir sind bereit“

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Stadion-Gespräch: Luca Caldirola und Kreiszeitung-Sportredakteur Malte Rehnert gestern auf der Südtribüne.

Bremen - In ungewohnter Atmosphäre traut Luca Caldirola sich was. Werders Dauerbrenner der vergangenen Saison hat es sich im Weserstadion auf einem der grünen Schalensitze der Südtribüne bequem gemacht. Und dort, wo sonst die Fans den Italiener und seine Teamkollegen anfeuern, gibt der 23-Jährige dieses Interview – komplett in ordentlichem Deutsch. Bemerkenswert, nach erst einem Jahr in Bremen. Caldirola spricht über seinen Lernfleiß, sein deutsches Lieblingswort, ein großes Familienfest 2015 und natürlich ausführlich über die neue Saison mit Werder.

Nach einem Jahr in Bremen: Wie beurteilen Sie selbst Ihr Deutsch?

Luca Caldirola: Es geht inzwischen ganz gut. Aber es ist schwer, besonders die Grammatik. Man hat so viele Formen. Dativ, Genitiv, Akkusativ – da ständig zu wechseln, ist echt nicht einfach.

Wie oft haben Sie Unterricht pro Woche?

Caldirola: Zwei oder drei Mal.

Und sind Sie auch immer da?

Caldirola: Ja, natürlich. Ich mag es, Deutsch zu lernen.

Welche Wörter bereiten noch Probleme?

Caldirola: Oh, einige. ,Wahrscheinlich‘ ist zum Beispiel ein schweres Wort für mich. Je länger die Wörter sind, umso schwieriger werden sie. Oder ,experience‘.

Erfahrung.

Caldirola: Ja, genau. Das muss ich mir auch besser merken.

Haben Sie ein deutsches Lieblingswort?

Caldirola: Tor! (lacht). Aber die anderen Fußballbegriffe kann ich auch schon alle.

Viele ausländische Profis beschränken sich auf die nötigsten deutschen Begriffe. Woher kommt Ihr Ehrgeiz, so schnell und so viel wie möglich lernen zu wollen?

Caldirola: Sprachen machen mir einfach Spaß. Und ich glaube, ich habe ein gewisses Talent dafür. Egal, ob Deutsch, Englisch oder Spanisch. Mein Englisch ist auch ganz in Ordnung – und Spanisch lerne ich ein bisschen durch Santi (Santiago Garcia, Anm. d. Red.), Franco (Di Santo) und Alex (Alejandro Galvez). Die Sprache ähnelt dem Italienischen, deshalb ist sie nicht so schwer wie Deutsch. Die Sprache in dem Land, in dem ich lebe, zu können, ist für mich sehr wichtig. Um auf dem Platz kommunizieren zu können – aber auch im normalen Leben, zum Beispiel im Supermarkt.

Lernt Ihre Freundin Marija auch so fleißig Deutsch?

Caldirola: Ja, aber nicht mit mir zusammen. Sie ist in einer Schule, hat vier, fünf Mal pro Woche Unterricht. Momentan spreche ich noch etwas besser, weil ich hier jeden Tag Deutsch rede.

Wie wohl fühlen Sie sich in Bremen?

Caldirola: Sehr wohl. Ich mag die Ruhe in der Stadt, gehe gerne mal ins Zentrum, in Cafes. Und ein gutes italienisches Restaurant habe ich auch gefunden. Da bin ich gerne und oft. Bremen ist schon so etwas wie meine zweite Heimat geworden.

Vermissen Sie manchmal Ihre richtige Heimat Italien?

Caldirola: Nein, gar nicht. Bis auf die Familie, die ich aber besuche, wenn ich mal ein, zwei Tage Zeit habe.

Was macht Ihre Familienplanung? Hochzeit? Kinder?

Caldirola: Mit Kindern warten wir noch ein bisschen, schließlich sind wir noch jung. Aber nächstes Jahr im Juni werden wir heiraten, in meiner Heimatstadt Mailand. Da ist die Familie, da sind die meisten Freunde. Das wird ein großes Fest.

Vorher steht noch eine Saison mit Werder an. Die Vorbereitung ist nun fast vorbei. Ihr Urteil?

Caldirola: Sie war sehr gut. Wir haben viele überzeugende Testspiele gehabt, das letzte gegen Hannover mal ausgenommen. Aber davor gegen Bilbao und Chelsea haben wir gegen starke Gegner stark gespielt. Wir sind bereit und warten jetzt auf das Pokalspiel gegen Illertissen. Das müssen wir gewinnen, damit wir nach drei Jahren endlich mal die erste Runde überstehen. Ich bin heiß und habe richtig Lust auf die neue Saison.

Gegen Bilbao und Hannover sind Ihnen zwei dicke Fehler unterlaufen, die zu Gegentoren führten. Woran lag’s?

Caldirola: Selbst die Superspieler auf der Welt machen mal Fehler. Besser jetzt als während der Saison. Vielleicht war ich ein bisschen müde von der harten Vorbereitung – und dann hat etwas die Konzentration gefehlt.

Sie haben schon mit Sebastian Prödl, Assani Lukimya und Neuzugang Alejandro Galvez in der Innenverteidigung gespielt. Wer ist Ihr Favorit als Nebenmann?

Caldirola: Da habe ich keinen. Alle drei sind sehr gute Spieler.

Der Verein will Prödls Vertrag, der bis kommenden Sommer gilt, vorzeitig verlängern. Bisher gab es keine Einigung, es droht der Abschied 2015.

Caldirola: Das wäre sehr schade, denn wir brauchen ihn. Ich hoffe sehr, dass ,Basti‘ noch lange bleibt.

Sportchef Thomas Eichin traut Werder zu, eine Überraschungsmannschaft zu werden. Sie auch?

Caldirola: Ja. Wir kennen uns als Mannschaft jetzt noch besser, kennen die Vorstellungen des Trainers genau. Die Vorbereitung war besser als im vergangenen Jahr. Und wir haben sehr gute Spieler wie Izet (Hajrovic), Fin (Bartels) und Alex (Alejandro Galvez) geholt. Ich habe ein sehr gutes Gefühl.

Was genau ist möglich mit Werder?

Caldirola: Mein Traum bleibt die Europa League. Mit Mainz haben am Anfang der vergangenen Saison auch nicht viele gerechnet – und am Ende haben sie es in die Qualifikation geschafft. Warum sollte uns das nicht gelingen? Ich denke, das ist realistisch.

Sie haben in Ihrer ersten Bundesliga-Saison 33 von 34 Partien in der Bundesliga absolviert. Was ist Ihr persönliches Ziel für die zweite – ein Spiel mehr?

Caldirola: Warum nicht? 34 Spiele, das hätte schon was.

Werden Sie in der neuen Saison noch stärker?

Caldirola: Das hoffe ich. Ich habe jetzt ein Jahr Erfahrung in der Bundesliga und spreche Deutsch. Da kann ich meinen Mitspielern viel besser helfen. Insgesamt fühle ich mich einfach richtig wohl hier – und das soll sich auch auf die Leistungen auswirken.

mr

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