Werders Hoffnung gegen die Bayern: Bitte keine „Ketchup-Flasche“

„Kämpfen, kratzen, beißen“

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Ein bisschen sorgenvoll sieht die Miene von Werder-Coach Viktor Skripnik vor dem Heimspiel gegen den FC Bayern schon aus.

Bremen - Wie bereitet man eine Mannschaft auf einen Gegner vor, den man eigentlich gar nicht bezwingen kann? Gewiss keine leichte Aufgabe – auch nicht in der Öffentlichkeit. Tönt man im Vorfeld zu laut und geht dann unter, setzt es Spott und Häme.

Ist man vorsichtig und demütig, wirkt es schnell so, als gibt man sich schon geschlagen und kann bei seinem eigenen Team kein Feuer mehr entfachen. Die verbale Taktik von Werder-Coach Viktor Skripnik: Er versucht es vor dem Heimspiel morgen (15.30 Uhr) gegen den FC Bayern vor allem mit Appellen. Als Heißmacher glänzt er dabei jedoch nicht.

„Wir müssen kämpfen, kratzen und beißen, haben keine andere Wahl“, sagt Skripnik. Oder: „Wir dürfen nicht mit Angst auftreten oder uns nur verstecken. Wir müssen Willen und Mut zeigen.“ Oder: „Wir müssen alles rausholen, was in unseren Körpern drinsteckt.“ Oder: „Wir wollen uns gut und teuer verkaufen und am Ende stolz darauf sein, alles getan zu haben.“

Alles so oder ähnlich schon mal gehört. Mit solchen Hoffnungen und Wünschen sind in dieser Bundesliga-Saison acht andere Mannschaften in die Duelle mit dem Rekordmeister gegangen – es half nichts. Sie kassierten gegen den Tabellenführer mehr oder weniger klare Niederlagen.

Wie schmerzhaft es ist, wenn die Bayern mal in einem Rausch sind und richtig große Lust auf Tricks und Tore haben, weiß Werder aus eigener Erfahrung. Die vergangenen neun Partien gingen allesamt verloren. 0:6 und 0:4 – das waren die letzten zwei Resultate. Sportchef Thomas Eichin, der in seiner Bremer Amtszeit fünf Spiele gegen die Münchner erlebt hat, erinnert sich aber nicht nur an die überwiegend ernüchternden Endergebnisse: „Wir haben gegen Bayern viel versucht, teilweise die ersten 20, 25 Minuten sehr gut gespielt.“ Aber dann, ergänzt der 49-Jährige, „war es wie mit einer Ketchup-Flasche“. Tor für Bayern, Plopp – „und dann ging es los. Da konnte man uns keinen Vorwurf machen“, findet Eichin, „da war der Gegner eben übermächtig“.

Auch morgen sind die Bayern turmhoher Favorit. Eichin plant deshalb „keine Punkte ein“. Und auch Skripnik ist nicht so vermessen, öffentlich einen Heimsieg anzupeilen. Er spricht stattdessen von einem „Bonusspiel“. Damit seine Profis nicht schon vorher in Ehrfurcht erstarren, versucht der Ukrainer, ihnen das Spiel schmackhaft zu machen: „Meistens guckt man die Bayern doch nur in der Champions League, jetzt ist man selbst dran und kann dagegenhalten.“ Genau das erwartet Eichin: „Dass sich die Mannschaft stellt und den Fans zeigt, dass wir noch da sind.“

Weil Einsatz und Leidenschaft zuletzt eben nicht immer stimmten (Skripnik nannte vor allem die zweite Halbzeit beim 0:3 gegen Leverkusen), hat Werder nach vier Niederlagen in Folge und dem Absturz auf Platz 14 die Zügel angezogen. Die Trainingseinheiten dauerten in dieser Woche fast immer 90 Minuten, üblich war bisher rund eine Stunde. „Wir wollen intensiver sein und wieder eine gute Körpersprache haben. Das ist das Wichtigste, laufen kann jeder“, sagt Skripnik.

Trotz all der guten Vorsätze besteht gegen die Bayern – inzwischen für alle Bundesligisten – immer die Gefahr, plattgewalzt und vorgeführt zu werden. „Auch in diesem Spiel kannst du versagen. Und dann ist das Gejammer groß“, ahnt Eichin: „Das weiß die Mannschaft.“ Und das weiß auch Skripnik, der – obwohl am Wochenende der Sturz auf einen Abstiegsplatz droht – in Ruhe arbeiten kann. Bei einem Offenbarungseid gegen Bayern würde der Druck aber schlagartig steigen.

mr/csa

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