Werders harte Arbeit nach schwacher erster Hälfte bei Hertha / „Geben nie auf“

Eine Frage der Ehre

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Ulkiger Torjubel: Franco Di Santo mit abgespreiztem Finger.

Bremen - Werder am Limit: Am Tag nach dem hart erarbeiteten 2:2 (0:1) bei Hertha BSC hatte Bremens medizinische Abteilung gestern gut zu tun. Eljero Elia ließ sich wegen Oberschenkelproblemen behandeln, bei Clemens Fritz schmerzte der Rücken, Santiago Garcia hatte was am rechten Sprunggelenk abbekommen. Alles nichts Ernstes, hieß es während des Auslaufens am Vormittag. Schon heute soll das Trio wieder zum Team zurückkehren, das am Samstag nach erschreckenden 45 Minuten einen großen Kampf abgeliefert und noch einen Punkt erzwungen hatte. Doch reicht Fußball-Maloche allein für die Existenz in der Bundesliga?

Das Positive vorweg: Wie sich die Mannschaft von Robin Dutt nach den zwei Gegentoren zum 0:2 durch den beide Male viel zu frei stehenden Julian Schieber (16./47.) aufbäumte, verdient Respekt. „Es passierte das, was uns immer auszeichnet: Wir geben nie auf“, fasste Dutt die furiose Aufholjagd zusammen, die Assani Lukimya (53.) nach Freistoß von Zlatko Junuzovic im Rückwärtsflug zum Anschlusstor einleitete. Nur 126 Sekunden später bejubelten die 8000 Bremer Fans bereits das 2:2 durch Franco Di Santos Kopfball. Der SVW war wieder da!

Darauf hätte bis zu jener 55. Minute wohl niemand der 59672 Zuschauer einen Cent gewettet. Werders Sportchef Thomas Eichin meinte zwar, in der Anfangsphase „total überlegene zwölf, 13 Minuten“ seiner Profis gesehen zu haben, „in denen wir gut den Ball laufen ließen“. Doch Dutt relativierte: „Vielleicht hat Hertha unsere Bälle auch laufen lassen.“ Trotz dieses Vorteils „haben wir so gut wie keine Gefahr entwickelt“, monierte der Coach. Das klingt bedenklich für eine Mannschaft in fast kompletter Besetzung, die angesichts klammer Kassen wohl keine Verstärkungen mehr bekommt. Doch Izet Hajrovic, im ersten Durchgang „Zehner“ in der Bremer Mittelfeld-Raute, sieht da gar keinen Bedarf – und nannte als Beispiel den Angriff: „Wir haben jetzt vier oder fünf Stürmer, von denen jeder die Qualität hat, ein Spiel zu entscheiden. Ich weiß nicht, ob es eine gute Idee wäre, noch einen Stürmer zu holen. Daran liegt es nicht, sondern daran, dass wir uns noch besser kennenlernen müssen.“ Der Neuzugang bittet um Geduld – mit sich selbst als Mittelfeld-Antreiber („Ich brauche noch Spielpraxis“) und dem Team: „In ein paar Wochen sieht das schon besser aus.“

Dann, hofft Torwart Raphael Wolf, finden sich auch die so schmerzlich vermissten Anspielstationen wieder: „Viele Abläufe müssen noch automatisiert werden – offensiv und defensiv“, hatte der Torwart von hinten beobachtet. Immerhin bescherte dem Keeper diese fehlende Feinjustierung noch die Gelegenheiten, sich auszuzeichnen. „Ich bin froh, dass ich zweimal helfen konnte“, lautete Wolfs persönliches Fazit.

Nach der Pause bekam er weniger zu tun. Auch, weil Dutt in der Kabine die Rauten-Taktik gegen ein 4-2-2-2 eintauschte: Makiadi und Zlatko Junuzovic bildeten die Doppel-Sechs vor der Abwehr, Hajrovic und Eljero Elia operierten als Außenspieler, und der eingewechselte Davie Selke unterstützte Franco Di Santo im Sturm. „Dass wir dann sofort das 0:2 bekommen haben, war natürlich nicht optimal“, meinte der Werder-Coach. Oder doch? Makiadi jedenfalls resümierte: „Wenn man so zurückliegt, macht man mehr, um das Ding noch umzubiegen.“

Eine Einstellung, die Kapitän Clemens Fritz gar nicht gefiel: „Wir dürfen nicht denken: Jetzt mal drauf, es gibt nichts mehr zu verlieren. Wir müssen von Anfang an so wach sein!“

Doch diesen Biss zeigten die Gäste erst nach dem 0:2 – mit deutlich mehr gewonnenen Bällen und besserem Umschaltspiel. „Fußball mit Herz“ nannte Dutt das später: „Und dazu gehört auch, die Zweikämpfe zu suchen.“

Aber bitte nicht mit den Händen – wie in Minute 52: Santiago Garcias Schubser gegen Hajime Hosogai, weil der den Ball nicht hergeben wollte. Der Linksverteidiger traf den Japaner im Gesicht, doch Schiri Thorsten Kinhöfer zog nur Gelb. Glück für Garcia – oder wie es Dutt süffisant formulierte: „Der Schiedsrichter hat es gut gelöst.“ Werder am Limit – wenn nötig, auch am Rande der Legalität.

Werder-Einzelkritik

ck

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