Bissige Talente mit Bodenhaftung

Werders fleißiges Eigenkapital

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Daumen hoch für eine goldene Zukunft bei Werder Bremen: Julian von Haacke (li.) und Martin Kobylanski (re.) sind gerade frisch mit dem ersten Profi-Vertrag ausgestattet worden. Der Weyher Luca Zander (Mitte) hofft, dass es auch bei ihm irgendwann mit dem Sprung ins Bundesliga-Team klappt.

Jerez - Er muss so um die vier Jahre alt gewesen sein, als Julian von Haacke erstmals gegen den Ball trat. „Auf einem stink normalen Spielplatz mit Erde in der Mitte und zwei Bäumen als Tor“, erinnert sich der Junge aus dem Bremer Viertel.

Sein Kumpel Martin Kobylanski hört amüsiert zu. Beide haben gut lachen, denn jetzt, mit ihren 19 Jahren, zählen sie zu Werders großen Hoffnungen, zum Kapital eines Clubs mit knapper Kasse. Am Tag vor dem Abflug mit dem Bundesliga-Team ins Trainingslager hatten sie ihren ersten Profivertrag unterschrieben. Das will Luca Zander, mit 18 Jahren derzeit jüngster Bremer in Jerez, auch schaffen. Aber alle drei Gewinner der Winter-Vorbereitung wissen, dass noch viel Arbeit vor ihnen liegt.

Erstaunlich erwachsen schätzen sie ihren „kleinen Schritt“ ein, wie Offensivmann Kobylanski (neun Tore in acht Regionalliga-Einsätzen) die Entwicklung nennt: Als Jung-Profi jedenfalls „hat sich nichts geändert“, relativiert Kobylanski: „Wir tragen nach dem Training immer noch die Bälle vom Platz – und das wird auch so bleiben“. Vorerst. Zunächst „wollen wir uns step by step in den 18er-Kader kämpfen“, erklärt der Stürmer. Sieben Mal hat „Koby“ das unter Chefcoach Robin Dutt schon geschafft, in drei Bundesliga-Spielen durfte er ran – bei seinem Debüt im Nordderby beim HSV sogar in der Startelf. „Danach habe ich mich beim Trainer bedankt.“ Vor dem Auftritt jedoch war er natürlich nervös und „hat mich in unserem Zimmer die ganze Zeit vollgetextet“, frotzelt von Haacke: „Da hatte ich dann auch keine Ruhe mehr…“

Nach diesem Abenteuer kehrte bei beiden aber erstmal wieder der Alltag in der U 23 ein. Als Degradierung sehen sie beide das regelmäßige Pendeln zwischen Bundesliga und Regionalliga nicht: „Wir freuen uns, wenn wir wieder 90 Minuten spielen können.“ Gleichzeitig nutzt der beidfüßige von Haacke dann die Gelegenheit für Zusatzschichten: „Ich weiß, dass ich körperlich noch zulegen muss“, nennt der trotz nur 1,81 Meter Körpergröße schlaksig wirkende Mittelfeldspieler eines seiner von Dutt angesprochenen Defizite. „Aber dann geht man eben immer schön pumpen im Fitness-Studio. Schlimmer wäre, wenn man keinen Ball stoppen könnte!“

Allerdings spricht Dutt nicht nur die Defizite an, und das gefällt Kobylanski. Sein Vater, Ex-Profi Andrzej Kobylanski, habe in dem einen Jahr als sein Jugendtrainer zwar „auch gelobt, aber es war nicht einfach als Sohn, wenn ich mal ein schlechtes Spiel hatte“. Trotzdem stellt der Junior klar: „Papa ist mein Vorbild. Deshalb war es auch mein Wunsch, Profi zu werden wie er – oder ein bisschen besser.“ Da muss ihn sein Freund „Jule“ dann aber doch bremsen: „Jeder von uns weiß, dass es schnell wieder nach unten gehen kann.“

Luca Zander gibt ihm Recht: „Es kann immer mal was dazwischen kommen. Deshalb ist die Schule wichtig, damit man die Möglichkeit hat, sich in eine andere Richtung zu bewegen. Man muss einen Plan B haben.“

Dass etwas dazwischen kam, bedeutete Zanders Chance: Am Montag vor der Jerez-Reise hatte ihn Werders Fitness-Coach Reinhard Schnittker angerufen und dem Rechtsverteidiger die Nachnominierung für die Jerez-Reise ausgerichtet. „Meine Eltern haben nicht so viel mit Fußball am Hut und waren ziemlich konfus“, verrät der U 19-Kapitän. Der Weyher weiß allerdings, welchem Umstand er dieses Ticket verdankt: „Dass sich Clemens Fritz verletzt hat, ist natürlich traurig.“ Daraus will der 18-Jährige „das Beste machen“ – und das funktioniert bisher klasse. Der zur zweiten Halbzeit im Testspiel gegen Nijmegen eingewechselte Defensivspieler freut sich über das Feedback von Dutt: „Er hat gesagt, dass das gute 45 Minuten waren, ich daran anknüpfen und mich auf keinen Fall ausruhen soll.“

Tag 7 im Trainingslager von Werder Bremen

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Da muss sich Dutt keine Sorgen machen, denn Zander steht auf die „Kämpfertypen, die immer 100 Prozent geben“ – und denen eifert er nach: „Der Druck ist zwar groß, weil hier alles viel schneller läuft, jedes Training gefilmt wird und man da erst recht keine Fehler machen will. Aber ich probiere einfach, mich nicht verrückt zu machen und alles so anzugehen wie in der U 23.“

Vielleicht führt ihn diese Marschroute ja auch zum Profi-Vertrag. Doch Kobylanski muss ihm nicht erklären, dass damit noch gar nichts erreicht ist: „Bei über 90 Prozent der Spieler geht ihr Plan gar nicht auf“, warnt der Angreifer. Julian von Haacke ist da entspannter: „Manchmal führen Umwege genauso zum Ziel. Max Kruse ist ja auch erst mit 25 Jahren Nationalspieler geworden.“ Der spielte auch mal in Bremen. Wie heute Luca, „Jule“ und „Koby“. · ck

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