Werders enttäuschendes 1:1 hat viele Gründe

Erst zu schläfrig, dann nicht konsequent genug

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Abklatschen nach einem enttäuschenden 1:1: Dem Gesicht von Vikor Skripnik ist deutlich anzusehen, dass diese Geste gegenüber Santiago Garcia nur eine Pflichtaufgabe ist.

Bremen - Klar, es war der Nachmittag der vergebenen Chancen. Und die Profis des SV Werder Bremen ärgerten sich auch maßlos darüber. Aber sie vergaßen nach dem enttäuschenden 1:1 (1:1) gegen Hoffenheim nicht, dass es weitere Probleme gegeben hatte. Probleme, die im Abstiegskampf richtig gefährlich werden können.

„Es war nicht unser bestes Spiel“, gestand Jannik Vestergaard. Und es war ihm sichtlich unangenehm, so etwas nach einer so wichtigen Partie sagen zu müssen. Denn so kam zwangsläufig die Frage auf: Warum läuft es im Pokal gegen einen Topfavoriten wie Leverkusen gut und dann ausgerechnet in einem Kellerduell schlecht?

Denn Werder kann es sich doch gar nicht erlauben, ausgerechnet gegen einen Tabellenvorletzten Punkte zu verschenken. Und trotzdem werden „die ersten zehn Minuten verschlafen“, wie Clemens Fritz kritisch anmerkte. Hoffenheim nutzte das zum 1:0 durch Andrej Kramaric (10.). Es war Werders siebter Gegentreffer in der ersten Viertelstunde. Eine Gruselbilanz, die Trainer Viktor Skripnik ratlos macht: „Ich habe keine Erklärung dafür.“

Vielleicht lag es gegen Hoffenheim an der Aufstellung – der eigenen und der des Gegners. Während Skripnik der eher defensiven 4:1:4:1-Variante aus dem Pokalspiel in Leverkusen vertraute, schickte Hoffenheims Julian Nagelsmann eine ungewöhnlich offensive 3:5:2-Formation aufs Feld. Die bot den Gastgebern eigentlich genug Spielräume, doch die Bremer agierten zu vorsichtig und zu fehlerhaft. Offenbar schlottern ihnen inzwischen im eigenen Stadion die Knie, weil der letzte Heimsieg schon ein halbes Jahr zurückliegt. „Nein, wir haben keinen Fluch“, behauptete Fritz zwar, fügte aber vorsorglich schon mal an: „Ganz ehrlich, wenn wir auswärts die Klasse sichern, fragt danach hinterher auch keiner mehr.“

Djilobodji hinten abgezockt, vorne torgefährlich

Das stimmt sicher, verdient hätten es die Besucher im Weserstadion allerdings nicht. Direkt nach dem schockierenden 0:1 dröhnte ein „Steht auf, wenn ihr Bremer seid“ durch die mit 38454 Zuschauern überraschend nicht ausverkaufte Arena. Die Profis gehorchten, schüttelten sich kurz – und kamen nur drei Minuten später durch Papy Djilobodji zum 1:1.

Und das war tatsächlich schon das Endergebnis. Das lag auf den ersten Blick vor allem an Werders mangelhafter Chancenverwertung. Anthony Ujah (60. und 70.), Claudio Pizarro (68.) und Djilobodji (78./Pfosten) ließen beste Gelegenheiten aus. Doch der zweite Blick entlarvte: Vor und nach den Chancen war Werder viel zu harmlos. Das lag auch an Skripnik, der in der Pause diverse Umstellungen vorgenommen hatte. Er holte Innenverteidiger Alejandro Galvez vom Platz, für ihn kehrte Sechser Vestergaard auf seine alte Position zurück. Den Job des Dänen vor der Abwehr übernahm Fritz – und Levin Öztunali sollte als neuer Mann die rechte Seite aufmischen. Doch er brachte mit seinen sinnlosen und erfolglosen Alleingängen sein ganzes Team durcheinander.

Djilobodji-Treffer reicht nicht für drei Punkte

Immerhin ging es dann doch noch ordentlich vorwärts, allerdings ohne Torerfolg und auch nur bis zehn Minuten vor Schluss. Denn ausgerechnet in Überzahl, Kramaric hatte Gelb-Rot gesehen (77.), fiel den Bremern nicht mehr viel ein. Skripnik schob es auf schwindende Kräfte im dritten Spiel in neun Tagen. „Es ist menschlich, dass dann etwas fehlt“, meinte der Coach. Allerdings hatte er es selbst versäumt, mehr Frische auf den Platz zu bringen. Zlatko Junuzovic kam erst in der 73. Minute, den möglichen dritten Wechsel gab es gar nicht mehr. Außerdem sahen eher die Gäste mit ständigen Krampfattacken wie müde Krieger aus.

Die Bremer kämpften dagegen bis zum Schluss verbissen, aber eben etwas zu planlos. Ersteres machte Skripnik „glücklich“ und letztlich auch optimistisch, dass es beim nächsten Abstiegskampf am Samstag in Ingolstadt besser läuft und der Relegationsplatz endlich verlassen wird. Sportchef Thomas Eichin empfiehlt ohnehin „positiv zu sein. Wir haben einen Punkt zum rettenden Ufer aufgeholt und den Abstand nach hinten gehalten.“ Die Chance auf den Klassenerhalt ist da, sie muss aber auch genutzt werden. kni

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