Werders Co-Trainer hofft auf ein Wunder und erklärt sein Borussen-Fieber

Frings: „Wir werden Bremen unsicher machen“

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Klarer Blick, klares Ziel – Co-Trainer Torsten Frings will in Dortmund gewinnen und mit Werder in die Europa League einziehen: „Wenn man sich dafür qualifiziert, dann ist das verdient und auf keinen Fall zu früh.“

Bremen - Torsten Frings gehört zur Kategorie Fußballer, die ohnehin nichts fürchtet – und die Mega-Kulisse von 80000 Zuschauern in Dortmund schon mal gar nicht. Schließlich hat er dort selbst zwei Jahre lang gespielt.

Und mit Werder hat er im Signal Iduna Park eine durchaus bemerkenswerte, weil ausgeglichene Bundesliga-Bilanz (drei Siege, zwei Unentschieden, drei Niederlagen). „Die Jungs sollen es einfach genießen“, sagt Werders-Co-Trainer vor dem Endspiel um Platz sieben am Samstag in Dortmund. Im Interview spricht der 38-Jährige auch über sein Borussen-Fieber, eine verdiente Europa-League-Teilnahme und eine mögliche Party nach dem Wunder.

Herr Frings, Sie haben von 2002 bis 2004 beim BVB gespielt – wie viel Dortmund steckt noch in Ihnen?

Torsten Frings: Gar nichts. Ich hatte eine wirklich tolle Zeit dort, zwei super Jahre – mit Matthias Sammer als Trainer, das war überragend. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Ich musste dann zu Bayern wechseln, weil der BVB finanzielle Probleme hatte. Ohne meine Ablöse hätten sie die Lizenz nicht bekommen. Ich weiß noch, ich habe damals einen Anruf bekommen und musste mich innerhalb von wenigen Stunden entscheiden.

Haben Sie noch Verbindungen nach Dortmund?

Frings: Ich habe hin und wieder mal Kontakt zu Roman Weidenfeller und Sebastian Kehl.

Was ist das Besondere an der Borussia?

Frings: Das Stadion und die Fans – das ist einfach überragend. Als ich dort gespielt habe, hat mich sofort das Borussen-Fieber gepackt. Es ist wie hier in Bremen: Die ganze Stadt lebt diesen Verein.

Sie waren Gastgeber und Gast in diesem Mega-Stadion mit 80000 Zuschauern – wie unterschiedlich fühlt sich das an?

Frings: Als Borusse ist das super, als Nicht-Borusse etwas Besonderes, weil so eine Kulisse eher selten ist. Aber da sind dann auch 75000 Fans gegen dich, und deine 5000 Fans kannst du kaum hören.

Das wird am Samstag vor allem für die jungen Spieler nicht einfach.

Frings: Die Jungs sollen es einfach genießen, vor so einer Kulisse zu spielen. Sie können ganz vielen zeigen, was sie drauf haben. Das kann auch beflügeln.

Es wird durch den Endspiel-Charakter, den Klopp- und den Kehl-Abschied ein ganz besonderes Spiel. Mit was für einer Stimmung rechnen Sie?

Frings: Das wird sehr emotional – auch für ,Kehli’ (Sebastian Kehl, d. Red.). Ich habe da 2002 noch mit ihm zusammengespielt. Na ja und Jürgen Klopp – den lieben sie da. Fans und Spieler werden alles tun, um ihm zum Abschied einen Sieg zu schenken. Das macht es für uns natürlich schwerer, etwas mitzunehmen. Andersherum steht das Pokalfinale vor der Tür, das ist auch in den Köpfen der Dortmunder. Wir fahren dahin und glauben an unsere Chance. Unsere Jungs sollen Spaß haben, noch einmal alles rauspowern und das Unmögliche wahr machen.

Vor 80000 in Dortmund um Europa zu kämpfen – ist das Ihr bisheriger Höhepunkt als Trainer?

Frings: Durchaus, aber es geht nicht um mich. Als wir hier angefangen haben, waren wir mit vier Punkten aus neun Spielen total am Ende. Dass wir jetzt noch die Möglichkeit haben, um die Europa League zu spielen, das ist ein Wunder für uns. Wenn es klappt, dann setzen wir uns die Krone auf, und wenn nicht, haben wir trotzdem ein überragendes Jahr hinter uns.

Ärgert es Sie, dass in Bremen fast nur noch von der Europa League gesprochen wird und dabei der Klassenerhalt etwas in Vergessenheit geraten ist?

Frings: Damit müssen wir leben. Wenn du erfolgreich bist, dann wollen Fans und Medien eben das nächsthöhere Ziel erreichen. Wir wissen das schon sehr gut einzuschätzen – und wir sind super happy mit unserer Saison.

Wie ist das eigentlich für Sie, sich im Fernsehen nun als Co-Trainer mit einem Hefter in der Hand zu sehen?

Frings: Das ist ganz normal für mich. Ich wollte ja immer Trainer werden. Umso schöner, dass wir hier in Bremen die Chance dazu bekommen haben. Und wir durften auch noch helfen, als der Verein wirklich am Ende war. Deswegen sind wir auch stolz darauf, dass wir den Klassenerhalt zusammen mit dieser tollen Mannschaft so früh geschafft haben.

Zuletzt lief es ein bisschen holprig. Hat die Mannschaft mit den starken Leistungen zu Beginn des Jahres die Messlatte zu hoch gelegt?

Frings: Wir haben da sicher am Limit gespielt und von einer großen Euphorie gelebt. Als dann klar war, wir sind gerettet, da war bei den Jungs die Luft etwas raus. Das ist doch absolut menschlich. Es war von der Psyche her eine harte Saison für die Jungs.

Käme es für diese Mannschaft nicht zu früh, nächste Saison schon international zu spielen?

Frings: Wenn du dich nach einer langen Saison für die Europa League qualifiziert hast, dann ist das verdient und auf keinen Fall zu früh. Dann hast du auch die Qualität dazu. Für unsere jungen Spieler wäre es toll, sie könnten sich weiterentwickeln. Und für den Verein wäre es sowieso super.

Zurück zum Dortmund-Spiel: Bekommt Jürgen Klopp ein Geschenk zum Abschied?

Frings: Ich weiß nicht, ob sich unser Verein da etwas ausgedacht hat.

Und Ihr Kumpel ,Kehli’?

Frings: Der kriegt eine Umarmung von mir, das reicht ihm.

Was kann man von Jürgen Klopp als Trainer lernen?

Frings: Seine Arbeit kann ich schwer beurteilen, weil ich nie bei ihm war. Aber er hat es einfach geschafft, die ganze Mannschaft, den ganzen Verein hinter sich zu bringen. Alle sind ihm blind gefolgt. Das ist sein Schlüssel zum Erfolg. Und dafür hat er vom Vorstand die Rückendeckung und vor allem die nötige Zeit bekommen.

Jürgen Klopp ist sehr impulsiv am Spielfeldrand – wie schwierig ist es, dort als Ex-Profi seine Emotionen im Griff zu haben?

Frings: Sehr schwierig. Vor allem wenn man glaubt, man wird benachteiligt. Natürlich machen das die Schiedsrichter nicht extra, aber es ist sehr schwer, sich zusammenzureißen. Ich musste ja schon eine Geldstrafe bezahlen (3000 Euro für einen Vorfall bei der Partie in Frankfurt, d. Red.) . Seitdem bin ich etwas ruhiger geworden.

Es ist auffällig, dass weder Viktor Skripnik noch Sie wild gestikulierend Anweisungen am Spielfeldrand geben.

Frings: Wir sind eben Ex-Profis und wissen, dass die Mannschaft auf dem Platz nicht viel mitkriegt. Es macht keinen Sinn rumzuhampeln. Es ist viel wichtiger, mal einen Spieler an die Seite zu holen und ihm etwas mitzugeben.

Und wie ist es in der Halbzeit?

Frings: Da sprechen wir ganz klar an, was gemacht werden muss. Mal kriegen sie einen Anpfiff, wenn sie nicht mutig genug waren, mal müssen wir sie bremsen, weil sie zu viel wollten.

Wie sehr freuen Sie sich auf Ihren Urlaub?

Frings: Ich freue mich total, denn letztes Jahr hatte ich nur vier Tage Urlaub, weil nach der Saison direkt der Lehrgang zum Fußball-Lehrer begann. Es war ein echt hartes Jahr.

Wenn es am Samstag mit einem Sieg klappt, haben Sie dann einen Tipp für Ihr Team, wo in Dortmund gut gefeiert werden kann?

Frings: Wir werden nicht in Dortmund bleiben, sondern wir werden dann Bremen unsicher machen.

Torsten Frings (38): spielte für Alemannia Aachen (1994 - 1997), Werder Bremen (1997 - 2002 und 2005 - 2011), Bayern München (2004 - 2005), FC Toronto (2011 - 2013); 79 Länderspiele; Co-Trainer bei Werder Bremen II (2013 - 2014), Co-Trainer bei Werder Bremen (seit Oktober 2014).

kni

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