Werders Aufsichtsratsvorsitzender wird in zwei Jahren nicht mehr kandidieren

Der Anfang vom Ende: Willi Lemke tritt 2016 ab

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Zwei Jahre bleibt Willi Lemke noch an der Spitze des Werder-Aufsichtsrates, dann ist Schluss für ihn. Seinen Nachfolger – vielleicht Marco Bode? – will er selbst aussuchen.

Bremen - Willi Lemke steht bei den Neuwahlen in zwei Jahren nicht mehr als Vorsitzender des Aufsichtsrates von Werder Bremen zur Verfügung. Das ist ein Ergebnis des Treffens zwischen Lemke, seinem möglichen Nachfolger Marco Bode sowie der kompletten Geschäftsführung des Clubs gestern Vormittag.

Nach der Gesprächsrunde, in der laut Pressemitteilung „sehr konstruktiv über aktuelle Themen“ des SV Werder gesprochen worden war, erklärte der zuletzt auch intern immer stärker in die Kritik geratene Lemke: „Ich werde die verbleibende Zeit meiner Amtsperode nutzen, um aktiv den Prozess einzuleiten, eine verantwortungsvolle Nachfolgerregelung für mich als Aufsichtsratsvorsitzenden zu finden.“ Das heißt übersetzt: Wenn der Aufsichtsrat im Herbst 2016 neu gewählt wird, steht der 68-Jährige nicht mehr bereit – jedenfalls nicht für das Amt des Vorsitzenden. Allerdings ist dann auch nur schwer vorstellbar, dass er – nicht zuletzt aus Altersgründen – in untergeordneter Funktion in dem Gremium verbleibt.

Der Anfang vom Ende einer langen Werder-Zeit ist also gemacht. Willi Lemke war 1981 Manager des Vereins geworden und blieb es bis 1999. 2003 wurde er zum ersten Mal in den Aufsichtsrat gewählt, seit 2005 ist er dessen Vorsitzender.

Dass er nun seinen Rückzug vorbereitet, kommt nicht unbedingt überraschend. Lemkes Beliebtheitswerte in der Öffentlichkeit gehen seit geraumer Zeit stetig zurück. Immer lauter waren in den vergangenen Tagen die Stimmen geworden, die von dem UN-Sonderbeauftragten für Sport einen Kurswechsel in der Vereinspolitik verlangten, ihn gar indirekt zum sofortigen Rücktritt aufforderten. So soll eine Gruppe potenzieller Investoren ihr Engagement an eine Demission Lemkes geknüpft haben. Werder dementierte allerdings, dass es eine Forderung dieser Art tatsächlich gibt.

Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer, der sich am Jahresende im Alter von 74 Jahren aus dem operativen Geschäft zurückziehen wird, war im Interview mit dieser Zeitung von seinem langjährigen Wegbegleiter abgerückt. Und Günter Netzer, einflussreicher Director bei Werders Sportrechtevermarkter Infront, hatte unverblümt Aufsichtsratsmitglied Marco Bode für noch höhere Vereinsweihen empfohlen – sprich den Vorsitz.

Bei der Sitzung gestern ging es aber nicht nur um die Zukunft Willi Lemkes, sondern auch um die Ausrichtung des Vereins. Schulden machen – ja oder nein: Das war das Thema, das die Geschäftsführung in den Tagen vor dem Treffen bewusst und gezielt in die Öffentlichkeit getragen hatte. Von Lemke wurde gefordert, die strikte Null-Schulden-Linie zu verlassen, damit das aktuelle Bundesliga-Schlusslicht im Winter in die Mannschaft investieren kann – zum Beispiel in den Costa Ricaner Bryan Ruiz (siehe Text links). Mit Erfolg. Lemke signalisierte gestern Bereitschaft, finanziell ins Risiko zu gehen. „Unternehmerische Verantwortung ist immer ein Kennzeichen des Handelns bei Werder gewesen und ich sehe keinen Gegensatz darin, sich dabei auch über sinnvolle Modelle zu unterhalten, wenn die Risiken beherrschbar sind“, erklärte Lemke. Er werde sich diesem zukunftsorientierten Prozess nicht verschließen, heißt es in der Mitteilung.

Die Geschäftsführer Klaus Filbry, Fischer und Thomas Eichin verbreiteten in dem Schreiben zwar keine Seufzer der Erleichterung, doch klar ist, dass nun der Weg für gezielte, aber fremdfinanzierte Transfers in der Winterpause geebnet ist. Sportchef Eichin: „Wichtig ist, dass es eine Richtung gibt. Wir werden mit der Situation verantwortungsbewusst umgehen und auf dem Transfermarkt nur dann agieren, wenn wir die absolute Notwendigkeit sehen und mit voller Überzeugung handeln können.“

csa

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