Werders Aufschwung und die Folgen

Der Kraftakt nach dem Kraftakt

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Zusammenstehen und Kräfte mobilisieren - wie Franco Di Santo und Alejandro Galvez - mit dem nächsten Ziel vor Augen: Europa.

Bremen - Der Klassenerhalt ist geschafft, und das schon am 29. Spieltag auch noch mit einem Sieg gegen den Hamburger SV – beim SV Werder müsste es also nur Strahlemänner geben. Aber die Gesichter sehen etwas anders aus. Nicht unglücklich, warum auch? Doch die vergangenen Monate haben Spuren hinterlassen. Die unglaubliche Aufholjagd war ein Kraftakt, eine Tortur.

Für Spieler, Trainer und Verantwortliche. Das wird im schnelllebigen Fußball-Geschäft kaum wahrgenommen, denn schon gibt es das nächste Ziel: Europa! Aber ist das Team zu diesem Kraftakt noch fähig? Die Antwort gibt es am Sonntag in Paderborn (15.30 Uhr), es ist ein Schlüsselspiel, aber kein unangenehmes.

„Ich hoffe, die drei Punkte gegen Hamburg bringen wieder Lockerheit. Wir haben zuletzt die Freude am Fußball vermissen lassen“, sagt Viktor Skripnik. Sein Team ist in ein Loch gefallen, als vor Wochen die ganze große Abstiegsgefahr gebannt war. Danach ging spielerisch nicht mehr viel, weil auch läuferisch zu wenig kam. Die Mannschaft ist noch nicht stark genug, um auch mit etwas weniger Einsatz erfolgreich zu sein. Manchmal half die individuelle Klasse eines Franco Di Santo oder ein Standard von Zlatko Junuzovic.

Gegen Hamburg musste ein Elfmeter her, den Junuzovic gut rausgeholt und Di Santo sicher verwandelt hatte. Aber wen man auch fragt, die Antwort ist immer gleich: Es war ein schlechtes Spiel, ein ganz schlechtes Spiel. In dem der HSV allerdings noch eine Spur schlechter war – und so gar nichts für das Spiel getan hatte. „Die standen mit acht Mann hinten drin“, erinnert sich Skripnik: „Da brauchst du gewisse Mittel.“

Durch den Aufstieg in der Tabelle müsse sich Werder immer häufiger mit solchen Gegnern auseinandersetzen. „Die denken, wir stehen über denen, also machen sie hinten dicht. Das macht es schwierig zu gewinnen“, erklärt Skripnik. Für Sonntag hat der Coach da etwas Hoffnung: „Paderborn spielt zu Hause, muss was tun.“ Vor allem, wenn der Tabellenletzte HSV und -vorletzte Stuttgart morgen punkten und dadurch vorbeiziehen sollten.

Auch für Werder ist der Samstag ziemlich interessant. Die Konkurrenz im Kampf um einen Platz in Europa legt vor. Hoffenheim, Dortmund und Frankfurt können Werder von Platz sieben stoßen. Thomas Eichin hat angekündigt, diesen Platz mit allen Mitteln verteidigen zu wollen. Doch als Ziel will er ihn auch nicht ausgeben. Der Sportchef weiß nur zu gut, wie angeschlagen sein Personal gerade ist. Da bleibt die verbale Keule stecken, da gibt es eher sanfte Worte: „Wenn wir Platz sechs oder sieben holen, wäre das wunderbar. Aber wenn wir am Ende Platz acht oder neun belegen, sterben wir auch nicht. Wir wissen, wo wir herkommen.“ Von ganz unten – letztmalig nachzuprüfen am 16. Spieltag. Eigentlich nicht zu glauben, und einige haben es offenbar vergessen. „Wenn ihr schon keinen Bock auf Europa habt, dann schießt wenigstens den HSV in Liga zwei“, stand auf einem Banner, das Fans vor dem Nordderby auf dem Trainingsplatz angebracht hatten. Zum Ärger der Spieler. „Das fand ich nicht gut, die Erwartungshaltung ist ein bisschen zu hoch. Man muss nicht gleich alles schlecht machen“, kritisierte Zlatko Junuzovic nach dem Sieg gegen den HSV.

Profis wie Verantwortliche empfinden das Erreichte als zu wenig gewürdigt. Gepaart mit der Erschöpfung nach dem Kraftakt der letzten Wochen macht das einen neuerlichen Kraftakt fast unmöglich. Deshalb ist die Partie in Paderborn so wichtig. Dort kann die Mannschaft sich und allen anderen beweisen: Es geht noch was. Die Trainer geben alles, machen ihre Spieler richtig heiß – und Skripnik legt sich fest: „Ich kann versprechen: Wir schenken kein Spiel ab.“

kni/ck

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