Werders Abenteuerreise nach China dauert 28 Stunden / Eichin soll sparen, um reich zu werden

Herr Wu hilft – und die Fans warten

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homas Eichin (oben Mitte) präsentierte sein Peking-Präsent: „Sparsam sein, reich werden“, steht auf den zwei Fächern.

Changchun - Die Erleichterung war allen anzusehen. Nach 28 Stunden hatte der SV Werder gestern Abend um 23 Uhr Ortszeit sein fernes Ziel erreicht: Changchun in China. Wo nur 20 Stunden später schon der erste Test ansteht – gegen Changchun Yatai. Geklagt wird nicht, sondern angepackt. Es ist ein finanziell lukratives Abenteuer – mit einem bisher unbekannten Protagonisten: Herr Wu, der Werder-Praktikant aus der Marketingabteilung.

Herr Wu heißt mit vollem Namen Ychen Wu und ist erst seit fünf Wochen für den Bundesligisten tätig. Gestern war der Chinese so etwas wie der Matchwinner. Denn ohne seine Sprachkenntnisse wäre das Umsteigen samt Gepäck auf dem Flughafen von Peking wohl zum Chaos geworden. Doch mit Wu – und vielen fleißigen Händen – wurde die schwierigste Aufgabe der Anreise gut gemeistert. Und Coach Robin Dutt war begeistert: „Es ist klasse, wie hier jeder anpackt. Das ist wirklich nicht selbstverständlich.“ Bei vielen anderen Mannschaften müssten nur die jungen Spieler ran, aber bei Werder greift jeder zu, wenn das Gepäck auf dem Kofferband heranrollt. Selbst der Clubchef Klaus Filbry machte mit.

„Das ist Teamgeist“, schwärmte Dutt. Und für ihn ist das ein ganz wichtiger Punkt der Reise: „Für fast alle von uns ist das ein neues Land. Dieses gemeinsame Erleben eines Abenteuers kann das Gemeinschaftsgefühl weiter stärken. Wir haben hier auch noch das eine oder andere in diesem Bereich geplant.“

Werder kann aber nicht immer als Team auftreten. Wie zum Beispiel beim sechsstündigen Aufenthalt in Istanbul. In einer riesengroßen Vip-Lounge spielten die einen an der Carrera-Bahn, die anderen am Golf-Simulator, der Franko-Pole Ludovic Obraniak litt vorm TV mit „Les Bleus“ – und Eljero Elia hatte seine eigene tragbare Playstation mitgebracht. So ging die Zeit schnell rum, allerdings auch zu schnell für das deutsche WM-Achtelfinale gegen Algerien. Kurz vor der Pause hieß es: ab in den Flieger! Sollte es das deutsche Ergebnis erst neun Stunden später geben? Nein! Über den Wolken wurde Live-TV auf der Rückenlehne des Vordermannes angeboten. Und mit dem deutschen Viertelfinaleinzug noch vor Augen schlief es sich auch besser – wobei sich einige Offizielle und Profis in der First Class lang machen konnten.

In Peking warteten dann schon die ersten Fans – übrigens nur weibliche. Eine hatte spezielle Fächer als Geschenk für die Spieler mitgebracht. Auf den meisten stand in chinesischer Schrift Werder – nur bei Thomas Eichin stand ein: „Sparsam sein – reich werden.“ Der Sportchef des zurzeit finanziell nicht auf Rosen gebetteten Clubs fand es klasse: „Das passt perfekt!“

In der Millionen-Stadt Changchun warteten später sogar noch mehr Fans – so etwa 25. Ein Hauch von Champions League wehte durch die Ankunftshalle – und draußen zum Glück eine angenehm kühle Brise. Denn in Peking war es noch stickig heiß gewesen.

Das Wetter in Changchun lässt auf ordentliche Bedingungen heute Abend beim Test hoffen. Sorgen, dass sich seine vielleicht übermüdeten Spieler verletzen könnten, macht sich Dutt nicht: „Das Risiko ist nicht größer als sonst auch.“ Wahrscheinlich sei die Belastung mit den 13 1000-Meter-Läufen und den zwei Stunden intensivem Training am Wochenende vor dem Oldenburg-Spiel anstrengender gewesen als die lange Reise, mutmaßte Dutt.

Ankunft und Training in China

Die Rücksichtnahme hält sich beim Chefcoach in diesen Tagen ohnehin in Grenzen. Er ist im Vollgas-Modus: „Ich hatte den Spielern nach der Saison gesagt, dass wir in dieser Vorbereitung eine Schippe drauflegen werden und sie im Urlaub daran denken sollen.“ Der Laktattest habe gezeigt, dass die Profis zugehört haben: „Die Werte sind sehr gut.“

Und sollen noch besser werden. In China wird bei allem kulturellen Programm (Dutt: „Es wäre ja doof, sich nichts anzugucken, wenn man mal da ist“) weiter geknüppelt. „Das Ziel ist es, dass auch die Rückreise kurzweilig wird“, verriet Dutt. Doch an den nächsten Montag mag jetzt noch kein Bremer denken.

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