Lange Tage, wenig Freizeit / Die Spieler schweigen statt „im Nebel zu stochern“

Werder zieht die Zügel an

Betreten der Baustelle verboten: Claudio Pizarro und Co. nehmen die Krisenbewältigung unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Angriff.

Werder-Bremen - (mr/flü) · Die Tage bei Werder werden länger und länger, die Leine wird kürzer und kürzer. Am Montag kamen die Profis gegen halb zehn und fuhren um halb vier, gestern verließen die letzten erst um kurz vor fünf das Gelände – und heute wird’s ähnlich sein.

Die Verantwortlichen ziehen die Zügel an und verknappen die Freizeit der Spieler, damit diese sich voll auf den Verein und die Bewältigung der Krise fokussieren.

„Wir werfen alles in die Waagschale, schöpfen alle Möglichkeiten aus, um da wieder rauszukommen“, sagte Sebastian Prödl. Der Österreicher war gestern einer der ganz wenigen, die überhaupt sprachen. Die meisten seiner Teamkollegen und auch Trainer Thomas Schaaf lehnten Gesprächsanfragen ab – wie schon am Tag zuvor.

„Wenn man Erfolg hat, wird ein schlechtes Wort ganz anders ausgelegt als jetzt“, erklärte Prödl. Auch, weil sie „keinen falschen Äußerungen“ machen wollen, sind er und vermutlich auch seine Mitspieler „ein bisschen zurückhaltend“.

Training der Profis am Dienstag

Extraschichten bei Werder Bremen

Einen Maulkorb gibt’s aber nicht, wie Sportchef Klaus Allofs versicherte: „Von uns gibt es keine Hinweise, sich nicht äußern zu dürfen. Und ich denke nicht, dass sich die Spieler in den Schmollwinkel zurückziehen.“ Seine Erklärung für die schweigenden Profis: „Ich denke, sie sind einfach nur enttäuscht und haben keine plausible Erklärung, warum es so schlecht läuft. Da ist es manchmal besser, ruhig zu bleiben, anstatt im Nebel zu stochern und irgendwelche absurden Äußerungen zu treffen.“

Geredet wurde aber doch – auf höchster Ebene: Allofs traf sich mit Aufsichtsrats-Boss Willi Lemke: „Wir haben über die Situation gesprochen.“ Für die Spieler galt indes: Wenig reden, viel laufen. Das Training gestern Vormittag war ziemlich intensiv – und Schaaf besonders lautstark. Der Coach lobte und tadelte während des Kleinfeld-Trainingsspiels ständig.

Mittags durften die Profis dann kurz nach Hause – und nachmittags teilten sie sich in zwei Gruppen auf. Die Offensive ging rund 40 Minuten in den Fitnessbereich, die Defensive war vom Trainer zur 90-minütigen Videoanalyse bestellt worden. „Natürlich müssen wir uns unsere Fehler anschauen“, meinte Prödl.

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