Die totale Harmlosigkeit

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Nach dem fulminanten Tor von Maximilian Arnold (Mitte) zum 1:0 schauten die Bremer Cedric Makiadi (l.) und Clemens Fritz recht betreten drein.

Aus Wolfsburg berichtet Björn Knips. Nach drei Unentschieden ist die Angst zurück: Der SV Werder verlor gestern Abend hochverdient mit 0:3 (0:1) beim VfL Wolfsburg und erschreckte dabei durch seine Harmlosigkeit.

Das in dieser Saison ohnehin wenig überzeugende Offensivspiel erlebte einen neuen Tiefpunkt. Und ein überragender Sebastian Mielitz im Tor reicht nicht aus, wenn die Kollegen den Gegenspielern nur hinterherschauen.

Dutt und Bode im Werder-Talk: Stellen Sie Ihre Fragen

Aaron Hunt wirkte hinterher regelrecht verstört: „Das war ganz schwach, das muss man ehrlich sagen. Wir haben von der ersten Minute an nie ins Spiel gefunden. Wolfsburg hat uns vorn gut zugestellt, und wir haben überhaupt keine Mittel gefunden. Mit hohen Bällen kannst du gegen Verteidiger wie Naldo nichts gewinnen.“

Von wegen „falsche Neun“: Robin Dutt hatte sie alle an der Nase herumgeführt und trotz des Fehlens der etatmäßigen Spitzen Nils Petersen und Franco Di Santo eine Taktik mit zwei Stürmern gewählt. Die Mittelfeldakteure Hunt und Zlatko Junuzovic spielten vorne, besser gesagt, sie befanden sich vorne. Denn als Spiel konnte der Werder-Auftritt speziell in der ersten Halbzeit nicht bezeichnet werden. Da lief gar nichts zusammen – und das lag auch an der Taktik.

Die beiden Außenverteidiger Santiago Garcia und Clemens Fritz rückten bei Ballbesitz so weit nach vorne, dass sie als Anspielstationen nicht mehr in Frage kamen. Und zwischen Abwehr (Prödl, Caldirola plus eingerücktem Sechser Kroos) und Angriff (Makiadi spielte mit Yildirim und Elia auf einer sehr offensiven Linie) klaffte eine riesiges Loch. So war der lange Ball quasi das einzige Mittel der Wahl des Abwehr-Trios. Ein nutzloses Mittel, wenn die eigenen Angreifer sehr klein und die gegnerischen Verteidiger ziemlich groß sind.

Die Wolfsburger machten es ganz anders, waren viel mehr unterwegs, stets und überall fand sich eine Anspielsituation. Wie in der siebten Minute: Ricardo Rodriguez auf Ivica Olic, der per Hackenhereingabe auf Maximilian Arnold – und das Riesentalent jagt die Kugel aus zehn Metern ins Netz. Ein kaum zu verteidigender Angriff, weil es so schnell gegangen war und Olic in die Trickkiste gegriffen hatte.

Solche Überraschungsmomente gab’s von Werder nicht, dafür Fußball zum Haareraufen, weil nichts klappte. Die Gäste konnten sich beim überragenden Sebastian Mielitz bedanken, dass die Partie nicht schon ganz früh entschieden war. Erst rettete „Miele“ gegen Perisic (10.) – und sechs Minuten später ließ er eine atemberaubende Vierfach-Parade folgen: zwei Mal gegen Olic, zwei Mal gegen Perisic.

Gegenüber Diego Benaglio war dagegen bis zur 35. Minute arbeitslos – und dann bei einem Hunt-Freistoß auch nicht wirklich gefordert. Sekunden später hatte der Schweizer allerdings Glück, dass Junuzovic als Ersatz-Stürmer der Killerinstinkt fehlte.

Bei Werder wuchs der Frust. Und als die Hacke von Junuzovic einen Pass in die Tiefe von Elia verhindert, tobte der Holländer und blieb einfach stehen. Das wiederum brachte Fritz in Rage. Der Kapitän schimpfte quer über den Platz.

Da gab es in der Pause jede Menge Redebedarf. Auf dem Platz dann aber nur eine Änderung. Für Kroos kam Aleksandar Ignjovski. Kurz darauf Assani Lukimya für Prödl (Oberschenkelprobleme). Auf das Spiel hatte das kaum Einfluss. Werder blieb harmlos, und Wolfsburg scheiterte an Mielitz: Diego (48.) und Arnold (63.).

Es dauerte bis zur 72. Minute, bis das überfällige 2:0 fiel. Und wieder hatten die Wolfsburger leichtes Spiel. Ochs bedient Perisic, der flankt auf Olic, Kopfball, Tor. Bremer Gegenwehr? Fehlanzeige! Werder bekam einfach keinen Zugriff.

Apropos Zugriff: Den hatte es kurz vor dem 2:0 im Wolfsburger Strafraum von Benaglio gegen den heranstürmenden Hunt gegeben. Werder wollte Strafstoß, doch die TV-Bilder zeigten, dass Schiedsrichter Deniz Aytekin zu Recht nicht gepfiffen hatte (67.).

Dafür pfiffen die Bremer Fans und beleidigten mit Schmähgesängen Ex-Boss Klaus Allofs, der seit knapp einem Jahr auf der Wolfsburger Bank sitzt. Von dort sah er vor 29 488 Zuschauern noch einen feinen Konter zum 3:0 von Perisic (88.). Wolfsburg darf nun als Fünfter von besseren Zeiten träumen. Werder muss dagegen aufpassen: So harmlos wird auch der zwölfte Platz nicht zu halten sein.

Bilder vom Spiel

Werder Bremen zu Gast beim VfL Wolfsburg

Mannschaften und Statistik

VfL Wolfsburg - Werder Bremen 3:0 (1:0)

VfL Wolfsburg: Benaglio - Ochs, Naldo, Knoche, Rodriguez - Medojevic (39. Polak), Luiz Gustavo - Diego, Arnold (88. Evseev), Perisic - Olic (84. Kutschke)

Werder Bremen: Mielitz - Fritz, Prödl (50. Lukimya), Caldirola, Garcia - Kroos (46. Ignjovski), Makiadi - Elia, Hunt, Junuzovic - Yildirim (74. Kobylanski)

Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)

Zuschauer: 29 488

Tore: 1:0 Arnold (7.), 2:0 Olic (72.), 3:0 Perisic (89.) Gelbe Karten: Luiz Gustavo (1) / Ignjovski (2), Kroos (1)

Beste Spieler: Olic, Luiz Gustavo / Makiadi, Mielitz

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