„Richtig auf die Fresse“ – 0:6

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Werder in Wolfsburg katastrophal

Wolfsburg - von Malte Rehnert. Es hätte gestern Abend ohrenbetäubend laut werden können in der Werder-Kabine, stattdessen war von draußen kaum ein Mucks zu hören. Der sichtlich wütende Sportchef Thomas Eichin biss sich bei seinem kurzen Besuch auf die Zunge, auch Trainer Viktor Skripnik wollte „kein Theater machen“.

Dabei hatten beide dazu allen Grund. Denn die Bremer, auswärts zuletzt so überzeugend, waren gerade beim VfL Wolfsburg gnadenlos untergegangen. Am Ende hieß es 0:6 (0:2) – die höchste Niederlage seit dem 0:6 gegen die Bayern im Herbst 2014 und für Skripnik die deftigste Pleite als Bremer Chefcoach. „Wolfsburg hat die klar besseren Jungs. Natürlich bin ich sehr enttäuscht, das war eine unterirdische Leistung. Und meine Spieler wissen, dass es so nicht geht“, sagte der Trainer, dessen Team mit 13 Punkten trotzdem 14. bleibt.

Die Gäste hatten die Wut der Hausherren, die zuvor zwei Pflichtspiele mit 0:2 verloren hatten, mit voller Wucht zu spüren bekommen – und sich dagegen überhaupt nicht gewehrt. Wohl auch deshalb war Eichin „sprachlos. Mir fehlen die Worte. Und ich will jetzt nichts sagen, was ich hinterher bereue“, erklärte der Sportchef in der Mixedzone, schob dann aber noch hinterher: „Das war hinten nix, in der Mitte nix und vorne nix. Wenn wir jetzt in die Einzelkritik einsteigen, stehen wir noch in einer Stunde hier.“

Die Spieler marschierten an Eichin vorbei mit finsterer Miene in die Kabine, nur wenige wollten über das Desaster sprechen. Plausible Erklärungen für diesen katastrophalen Auftritt eine Woche vor dem Nordderby gegen den Hamburger SV lieferte niemand. „Einfach schwach, ich kann mir das nicht erklären“, meinte Philipp Bargfrede. „Das muss man erst mal schlucken, dass man so untergeht. Wir waren überhaupt nicht griffig, nicht giftig“, urteilte Fin Bartels. Und Zlatko Junuzovic stöhnte. „Ein ganz bitterer Tag, wir haben richtig auf die Fresse bekommen. Ich hoffe nur, dass es ein einmaliges Erlebnis war.“

In Werders Startelf (wieder ein 4:1:4:1-System) hatte Skripnik – notgedrungen – zwei Änderungen im Vergleich zum 2:1 in Augsburg vorgenommen. Für Ulisses Garcia (Knieprobleme) rückte Florian Grillitsch nach überstandenem Muskelfaserriss direkt wieder rein. Und rechts hinten verteidigte statt Theodor Gebre Selassie (Nachwirkungen einer Gehirnerschütterung) Luca Zander – für den 20-jährigen Weyher war es der zweite Bundesliga-Einsatz und die Premiere in der Anfangsformation.

Nach einer Schweigeminute für die Terror-Opfer von Paris gaben die Wolfsburger vor 30 000 Zuschauern in der ausverkauften Arena gleich Gas, drückten Werder hinten rein – und gingen früh in Front. Nach Doppelpass mit Vieirinha flankte Christian Träsch scharf von rechts in die Mitte. Alejandro Galvez versuchte vor dem einschussbereiten Bas Dost zu klären, spitzelte den Ball jedoch ins eigene Netz (11.). Keine Chance für Keeper Felix Wiedwald. Ein recht unglücklicher Rückstand – doch dann hatten die Bremer Glück, als Luiz Gustavo nach Klasse-Linksflanke von Marcel Schäfer an den Pfosten köpfte (27.). Der VfL blieb am Drücker, Werder hatte bis auf einen Distanzschuss von Bartels (39.) offensiv gar nichts zu bieten.

Kurz vor der Pause dann ein doppelter Nackenschlag: Nach einem Foul von Galvez beschwerte sich Kapitän Clemens Fritz, sah seine insgesamt fünfte Gelbe Karte (43.) und fehlt somit im Nordderby. Und nach Vieirinhas Freistoßflanke von halblinks köpfte der Ex-Bremer Max Kruse auch noch das 2:0 für Wolfsburg (44.).

Skripnik reagierte in der Pause, brachte zur zweiten Halbzeit Claudio Pizarro für Zlatko Junuzovic (schwacher Auftritt, aber leicht angeschlagen) und stellte taktisch auf ein 4:4:2 um. Statt noch irgendwie die Wende zu schaffen, wurde Werder aber geradezu überrannt. Vieirinha (56./volley nach Schäfer-Flanke), Joshua Guilavogui (67./volley nach Flanke des eingewechselten Andre Schürrle), Dost (78./nach Kruse-Pass) und Kruse (87./nach Schürrle-Pass) erhöhten auf 6:0. „Wolfsburg war wie in einem Rausch – und wir haben nur reagiert“, monierte Junuzovic. Hätte Wiedwald nicht noch ein paar Mal stark reagiert, wäre es sogar zweistellig geworden.

Heute Vormittag will der Werder-Coach dann mit der Mannschaft über die Klatsche sprechen. Dann wird Tacheles geredet.

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