Nach dem verrückten 1:1 von Nürnberg behauptet Allofs: „Das bringt das Team noch enger zusammen“

Das „Werder-Wir“ wirkt wieder

Aaron Hunt rutscht, um die Flanke von Markus Feulner zu blocken. In diesem Fall vergeblich. Aber Werder schwamm bei der Wasserschlacht von Nürnberg an die Tabellenspitze – wenn auch nur für einen Tag.

Bremen - „Spitzenreiter, Spitzenreiter“, dröhnte es durch das easyCredit-Stadion, und nun war endgültig klar: Der SV Werder Bremen hat schneller als erwartet wieder jede Menge Kredit bei seinen Fans – und eigentlich war das auch ganz leicht. Denn die Grün-Weißen haben einfach nur das Werder-Wir wiedergefunden.

Ein Jahr lang war es abgetaucht. Nun ist es zurück – und es bescherte nicht nur ein verrücktes 1:1 in Nürnberg, sondern auch die Tabellenführung. Die erste seit November 2009. Damals übernachtete Werder ebenfalls an der Spitze, wurde dann aber noch von Bayer Leverkusen überholt. Gestern zogen die Bayern (2:0 auf Schalke) vorbei.

Werder in der Einzelkritik

Werder gegen Nürnberg - Die Einzelkritik

Die Bremer dürfen trotzdem stolz sein und sind es auch. Aber es herrscht ebenso große Vorsicht. Kaum einer wagt es, zu sehr aus der Deckung zu gehen. Auch das würde gegen diesen neuen Teamgeist sprechen, der Ausreißer eigentlich verbietet. So darf es schon als mutig bezeichnet werden, wenn Sebastian Prödl verkündet: „Wir können uns schon mal so weit aus dem Fenster lehnen und sagen: Der Start ist gelungen.“ Das stimmt, obwohl es in Nürnberg nur zu einem Zähler langte. Aber die Art und Weise des Punktgewinns war es, die aus einem Unentschieden einen „Sieg der Moral“ machte, wie es Klaus Allofs bezeichnete. Der Geschäftsführer prophezeite gar: „Das bringt das Team noch enger zusammen.“

Werder - Nürnberg 1:1

Werder - Nürnberg 1:1

Werder hatte alles weggesteckt: den frühen Ausfall von Sokratis (6.), den Platzverweis von Tim Wiese (17.), das Unwetter mit einem Regen-Hagel-Mix vor der Pause und auch den in Unterzahl eigentlich viel zu frühen Ausgleich durch Philipp Wollscheid (62.). „Die Mannschaft hat sich aufopferungsvoll eingebracht“, schwärmte Allofs. Kapitän Clemens Fritz wunderte sich: „Normalerweise sind wir für unseren offensiven Fußball bekannt, diesmal war es umgekehrt.“

Werder lieferte eine selten notwendige Abwehrschlacht ab – und Trainer Thomas Schaaf bewies dabei taktisches Geschick. Schon in der Halbzeit hatte er der Abwehr angeboten: Wenn der Druck zu groß wird, das 1:0 durch Mehmet Ekici (24.) zu sehr in Gefahr gerät, dann wird hinten auf Fünferkette umgestellt. Doch Werder stand sicher, passte eben nur bei einer von am Ende 13 Nürnberger Ecken nicht auf. Um diesen kleinen Schock zu verkraften, schickte Schaaf sofort Naldo als dritten Innenverteidiger aufs Feld – und der ging trotz seiner ewig langen Verletzungspause genauso wie seine Kollegen ohne Rücksicht auf Verluste zu Werke.

„Wir haben gekämpft, das ist das Wichtigste. Wir können ja Fußball spielen, aber wir müssen eben auch diesen Teamgeist haben“, stellte Fritz noch einmal heraus. Ersatzkeeper Sebastian Mielitz merkte nach der Frage über die Gründe für den Höhenflug an: „Das zeigt doch nur, wie wir diese Saison angegangen sind: komplett anders als die letzte. Jeder stellt seine persönlichen Dinge zurück und denkt zuerst an die Mannschaft.“

Sowie an den Verein. So hat Schaaf voller Genugtuung ausgemacht: „Man will wieder Werder Bremen sein.“ Doch bei aller Freude ist zuviel Euhporie tabu. Der Chefcoach gibt ganz klar vor, wie mit dem hervorragenden Tabellenplatz umzugehen ist: „Die Ergebnisse sollten Ansporn für uns sein.“ kni

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