Klatsche bei den „Computer“-Bayern schnell vergessen

„Nicht in ein Loch ziehen lassen“

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Frustrierte Bremer nach dem 0:5 in München – aber das soll nicht lange so bleiben, fordert Abwehrchef Jannik Vestergaard (rechts).

Bremen - Von Malte Rehnert. Thomas Eichin war früher ein rustikaler Verteidiger. Und am Samstagabend juckten ihm die Füße, da hätte Werders Sportchef gegen den übermächtigen FC Bayern gerne etwas von seinem damaligen Spielstil gezeigt. „Da draußen zu sitzen, fühlte sich wie eine Bestrafung an. Da willst du am liebsten rauf auf den Platz und mal einen umhauen“, sagte der 49-Jährige.

Natürlich nicht, um vorsätzlich jemanden zu verletzen – sondern um den Spielfluss des Gegners zu unterbrechen und ein Zeichen des Widerstands zu setzen. Genau das hatten die Bremer beim klaren 0:5 (0:2) nicht getan, sie hatten die totale Dominanz der Bayern wehr- und hilflos über sich ergehen lassen.

„Dass wir so wenig am Spiel teilnehmen und kaum mal den Ball hatten, war sicher nicht geplant“, seufzte Ersatzkapitän Jannik Vestergaard. Werder war zwar wie im Hinspiel in einem 5:4:1-System sehr defensiv ausgerichtet, bekam aber – anders als beim knappen 0:1 im Oktober 2015 – überhaupt keinen Zugriff auf den Gegner. 17 Prozent Ballbesitz sind ein erschreckender Wert. „Wir haben es diesmal leider nicht geschafft, die Bayern zu ärgern. Das tut schon weh“, sagte Vestergaard.

Nach dem frühen 0:1 durch Thiago (9.) war eigentlich schon alles gelaufen für die Bremer Notelf. Thomas Müller stellte mit einem Doppelpack (31./65.) auf 3:0 für „die beste Mannschaft der Welt“, wie Werder-Stürmer Anthony Ujah anerkennend anmerkte. Ein Ergebnis, mit dem Eichin einigermaßen hätte leben können. Doch in der Schlussphase wurde es noch schlimmer. Robert Lewandowski (86.) und erneut Thiago (90.) erhöhten auf 5:0. „Die beiden letzten Gegentore ärgern mich maßlos, darüber bin ich richtig sauer. Denn am Ende könnte auch die Tordifferenz wichtig sein“, meinte Eichin. Und die sieht mit nun 35:53 Treffern nicht sonderlich erfreulich aus.

Galvez fahrig, Ujah abgemeldet

Dass die Niederlage in München am Ende (mal wieder) sehr deutlich ausfiel, lag zum einen an Werders Tatenlosigkeit – und zum anderen am extrem entschlossenen Auftreten der Gastgeber. „Man hat gesehen, dass sie sich unbedingt ihre Form für Mittwoch holen wollten“, sagte Eichin. Dann empfangen die Bayern Juventus Turin zum Achtelfinal-Rückspiel der Champions League. „Und wenn sie erst mal im Spielfluss sind, kann man nur hoffen, dass sie nicht jedes Ding machen“, ergänzte Eichin: „Wie sie die Bälle annehmen und verarbeiten, ist phänomenal – wie in einem Computerspiel.“ Und gegen Werder „zocken“ die Bayern vor heimischer Kulisse eben besonders gerne: 1:4, 1:6, 2:5, 0:6, – und nun 0:5 (zum ersten Mal in 100 Bundesliga-Duellen). 26 Gegentreffer in den vergangenen fünf, 6:45 Tore in den vergangenen elf Partien. Üble Zahlen.

Erschwerend kam diesmal für Werder laut Trainer Viktor Skripnik noch hinzu, dass der deutsche Rekordmeister zuletzt in der Bundesliga zwei Mal hintereinander nicht gewonnen hatte (1:2 gegen Mainz, 0:0 gegen Dortmund) und diese kleine Durststrecke mit aller Macht beenden wollte. „Wir haben zum falschen Zeitpunkt gegen die Bayern gespielt“, urteilte Skripnik.

Bayern lässt Werder keine Chance

Trotz der Klatsche wollte sich der Bremer Coach aber nicht allzu sehr grämen – und er glaubt auch nicht, dass die Stimmung in seiner Mannschaft wieder ins Negative kippt. „Alle wissen, wo es langgeht. Und dass wir gegen Mainz jetzt liefern müssen.“

Auf schnelle Verdrängung und Wiedergutmachung am Samstagnachmittag (15.30 Uhr) im Weserstadion setzen auch die Spieler. „Wir dürfen uns nicht in ein Loch ziehen lassen und müssen uns die Szenen aus den Spielen davor in Erinnerung rufen“, empfahl Vestergaard. Da hatte Werder Leverkusen und Hannover jeweils mit 4:1 besiegt. „Diese Mentalität müssen wir schnell wieder reinkriegen. Aber ich bin positiv gestimmt, dass es klappt“, meinte Ujah und fügte an: „Die Mannschaft hat Charakter.“ Am Samstagabend war davon jedoch nichts zu sehen.

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