Für Geschäftsführer Klaus Filbry ist das Ausland die Geldquelle einer Zukunft, die schon begonnen hat

Werder weltweit – mehr als eine Vision?

Klaus Filbry hat sich schon viele Gedanken über Werder Bremen gemacht.

Werder-Bremen - DUBAI · Seinen ersten Arbeitstag hat Klaus Filbry natürlich auf der Werder-Geschäftsstelle verbracht. „Das war mir wichtig“, sagt er. Mitarbeiter kennenlernen, Hände schütteln, Kontakt aufnehmen. Der Mann ist schließlich neu.

Doch nach dem Begrüßungsumtrunk und einem Lagegespräch mit Vorgänger Manfred Müller hieß es für den frisch ins Amt eingeführten Geschäftsführer auch schon Koffer packen für die erste Dienstreise. Ziel? Natürlich Dubai.

Gestern Morgen kam er an, drei Tage wird er bleiben. Aufregende drei Tage, wie er zugibt. Denn Teil eines Profi-Fußball-Clubs zu sein, ist er nicht gewöhnt. Als Top-Manager bei adidas sei er zwar immer „sehr nah dran“ gewesen an Vereinen wie dem FC Chelsea, FC Liverpool, Real Madrid, Bayern München und dem AC Mailand. Doch bei Werder fühlt er sich jetzt „mittendrin, statt nur dabei. Das ist spannend.“

Die Aufgabe, die ihn erwartet, ähnelt jedoch sehr jener, an der er auch bei Chelsea, Real etc. mitgearbeitet hat. Es geht um die bessere Positionierung auf ausländischen Märkten. „Früher waren es die Spieler, jetzt ist es der Verein“, sagt Filbry und erklärt in einer Runde mit Journalisten, wieso das Trainingslager in Dubai so etwas wie der Aufbruch in eine neue Zeit ist.

„Wir werden versuchen, uns internationaler aufzustellen“, formuliert er einen Satz, dessen Bedeutung erst durch weitere Nachfragen klarer wird. Trainingslager nicht mehr nur in der Türkei oder Österreich – nein, Werder müsse raus in die Welt, um sich zu zeigen, sich zu präsentieren. Um Freunde, Fans und Sponsoren zu finden. Um der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zu helfen, die noch etwas unterentwickelte Auslandsvermarktung weiter voranzutreiben. Das alles bringt Geld, das deutsche Clubs und damit auch Werder bislang nicht verdient haben. Filbry soll es – etwas salopp gesagt – nun einholen. „Es wird nicht leicht“, sagt er, „aber in Dubai ist schon mal ein positiver Anfang gemacht. Werder wird in dieser Region durchaus wahrgenommen, die Menschen mögen den Verein.“ Und aus Sympathie kann Kaufverhalten werden. Trikots, Fanartikel – all’ das eben, was Gewinn bringt.

Die DFL hat bereits vor Jahren begonnen, via Dubai den Mittleren Osten zu erschließen. Doch gemessen an dem, was die englische Premier League bereits an Anstrengungen in Asien und Nordamerika unternommen hat, hinkt die Bundesliga meilenweit hinterher. Filbry, durch Studium und Beruf eng mit England und auch den USA verbunden, sieht‘s so: „Die Premier League ist überdominant, eine Liga für sich. Aber die Bundesliga ist auf einem guten Weg, die zweitbeste Liga der Welt zu werden.“ Sie dürfe nur nicht schlafen und Italien, Spanien, Frankreich einfach davon ziehen lassen.

Was Werder tun kann, um das zu verhindern, tut Werder gerade: Präsenz zeigen. Das erste Mal in Dubai – und vermutlich nicht das letzte Mal. Filbry erklärt, wie er sich die Eroberung eines Marktes vorstellt: „Man kann nicht sagen, wir sind jetzt da, sind wieder weg und kommen die nächsten fünf Jahre nicht wieder. Dann bringt es nichts. Man muss eine Strategie entwickeln und eine Nachhaltigkeit schaffen.“

Ein „schönes Beispiel“ habe der FC Chelsea geliefert, so Filbry. Die Londoner hätten jahrelang den nordamerikanischen Markt „bearbeitet“ und im vergangenen Sommer eine Tour in den USA gespielt, die „überragend erfolgreich“ war. Mit durchschnittlich mehr als 70 000 Zuschauern pro Spiel.

Schön und gut, aber Werder ist nicht Chelsea, sondern irgendwie zwei, drei Nummern kleiner. Das weiß auch Filbry: „Ich will gar nicht sagen, dass Werder an diese Größenordnung heranreicht. Aber es zeigt, dass man eine Menge erreichen kann, wenn man sich auf etwas fokussiert.“

Vielleicht wird sich Werder für den Mittleren Osten entscheiden, vielleicht für andere Teile Asiens, vielleicht für Nordamerika oder Südafrika. „Das müssen wir noch analysieren“, meint Klaus Filbry, dem gestern Abend deutlich vor Augen geführt wurde, wie dick das Brett ist, das er zu bohren hat. Denn zum Bremer Spiel gegen den Al Ain Club kamen natürlich keine 70 000 Zuschauer. Es waren 3 000.

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