„Er war einer der größten, wenn nicht sogar der größte Fußballer von Werder“

Werder weint: „Pico“ Schütz ist tot

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Arnold „Pico“ Schütz hat einen festen Platz im Wuseum – und in den Herzen der Werder-Fans. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2012.

Bremen - Max Lorenz hatte sich gestern Mittag sofort ins Auto gesetzt und von Köln zurück auf den Weg nach Bremen gemacht. Der 75-Jährige wollte so schnell wie möglich zur Familie von Arnold „Pico“ Schütz, der gestern Morgen im Alter von 80 Jahren verstorben war. „Das ist so bitter und traurig. ,Pico’ ist der tollste Mensch, den ich kennengelernt habe“, seufzte Lorenz am Telefon: „Das ist ein ganz großer Verlust – auch für unseren SV Werder Bremen.“ Gemeinsam hatten sie 1965 die erste Deutsche Meisterschaft nach Bremen geholt, sie wurden zu Werder-Legenden. Nun ist „Pico“ Schütz nicht mehr da – und Werder weint.

„Man kann nur traurig sein“, zeigte sich auch Werders Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer (74) gestern tief betroffen: „,Pico’ war einer der größten, wenn nicht sogar der größte Fußballer von Werder. Er steht für eine Generation von Spielern, die noch aus der Stadt kamen, für die sie dann spielten und die sie trotz bester Angebote nie verließen.“

Vor dem Nordderby am Sonntag gegen den Hamburger SV wird Werder „Pico“ Schütz mit einer Schweigeminute gedenken und die Mannschaft dann mit Trauerflor spielen. „Betrauert ihn nicht, sondern beklatscht ihn“, wünschte sich gestern sein Sohn Norbert bei Radio Bremen.

„Als Spieler und später auch als Co-Trainer im Leistungszentrum war er stets ein Vorbild an Sportlichkeit und Fairness. ‚Pico‘ Schütz ist eine Werder-Legende“, ehrte Werder-Präsident Dr. Hubertus Hess-Grunewald den Verstorbenen. Der sollte eigentlich am 2. Mai beim Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt gemeinsam mit seinen ehemaligen Teamkollegen ein großes Dankeschön zum 50-jährigen Jubiläum der ersten Meisterschaft erhalten. „Diese Feier hat nun natürlich einen Schatten bekommen“, meinte Fischer: „Wir werden ,Pico’ sehr, sehr vermissen.“

Seine ersten Gehversuche als Fußballer hatte Schütz bei seinem Heimatverein TuS Walle gemacht. Weil er so klein und schmächtig war, nannten ihn alle schnell nur noch „Pico“ – ein Spitzname, der sich bis heute gehalten hat. 1955 ging er dann zu Werder. Mit seinem ersten Profigehalt machte er der ganzen Familie eine Freude. „Ich lud sie schick zum Essen ein. Meinem Sohn kaufte ich noch eine Hose, meiner Tochter eine Jacke und meiner Frau eine Bluse“, sagte Schütz 2013 in einem Interview mit dem Fußballmagazin „11 Freunde“. Bis zu seinem Karriereende 1972 trug er nur noch das Werder-Trikot, sagenhafte 826 Mal. Er war 1963 beim ersten Spiel der Bundesliga-Geschichte dabei, als Dortmunds Timo Konietzka nach 58 Sekunden zum 1:0 für den BVB traf und keine Kamera das historische Tor eingefangen hatte. „Ich dachte nur: Seid ihr bescheuert? Könnt ihr nicht eine Minute lang euren Mann decken?“, erinnerte sich Schütz vor einigen Jahren bei „werder.de“. Am Ende gewann Werder aber mit 3:2.

Schütz lief danach noch 252 Mal für die Grün-Weißen in der ersten Liga auf. Als Mittelfeldspieler, der aber auch mal in Abwehr oder Angriff eingesetzt wurde, schoss er 69 Tore. Gerne per Freistoß, Elfmeter oder aus der Distanz. Seine größten Erfolge sind der Gewinn des DFB-Pokals 1961 und natürlich die Meisterschaft 1965. „Pico konnte die Mannschaft vorher in der Kabine und dann auf dem Platz immer sehr gut motivieren. Die Gegner hatten richtig Schiss vor uns“, sagte Lorenz einmal.

Am liebsten trat Schütz, der Namenspate für das damalige Werder-Maskottchen „Pico“ (ein Heidschnuckenbock) war, gegen HSV-Star Uwe Seeler an. „Das waren immer herrliche Duelle“, erinnerte sich Schütz: „Keiner spielte gleichzeitig so fair und so einsatzfreudig wie der Dicke. Wenn der sich in die Zweikämpfe warf, knallte es jedes Mal.“ Inzwischen sind Schütz und Seeler richtig gute Freunde. Und „Uns’ Uwe“ wird am Sonntag im Weserstadion sein, wenn an ,Pico’ gedacht wird. Beim Nordderby, das Schütz auch einmal entscheidend prägte. Als die beiden Clubs am 12. Oktober 1963 zum ersten Mal in der Bundesliga aufeinandertrafen, steuerte er drei Treffer zum 4:2-Erfolg bei.

Verletzt war Schütz fast nie – ein Mal aber richtig schwer. „Gegen Atletico Madrid hat er sich 1962 den Knöchel gebrochen. In der Halbzeit bekam er eine Injektion und eine Bandage – und dann hat er sich vorne wieder reingestellt. Wahnsinn!“, staunt Lorenz.

Gesundheitliche Probleme bekam Schütz erst nach seiner Profikarriere. 2006 wurde ihm erfolgreich ein Kiefer-Tumor entfernt. Ende des vergangenen Jahres brach er sich dann den Oberschenkel. Davon sollte er sich nie wieder richtig erholen.

kni/mr

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