Eichin: Fragen nach Form „gehen mir auf den Keks“

Werder wehrt sich – nicht nur auf dem Platz

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Diese Fragen nach Formkrisen seiner Profis konnte Thomas Eichin nicht mehr hören. Deshalb ging Werders Sportchef mit einem leidenschaftlichen Bekenntnis zum Team in die Offensive

Bremen - Irgendwann wurde es Thomas Eichin zu viel. „Diese Fragen gehen mir sowas von auf den Keks“, unterbrach Werders Sportchef einen Journalisten, der sich in der gestrigen Pressekonferenz vor dem morgigen Heimspiel gegen Hoffenheim nach einer möglichen Krise von Nils Petersen erkundigte.

Neben ihm grinste Trainer Robin Dutt Eichin an, doch sein Lächeln gefror schnell, als er den anschwellenden Hals seines Nebenmanns auf dem Podium bemerkte. Der Manager setzte zu einem flammenden Plädoyer für seine Profis an, von denen wir „alle mit gleich hoher Wertschätzung behandeln. Ich habe keinen Bock, jede Woche zu erklären, ob jemand eine schlechte Form hat – nur, weil er nicht spielt.“ Werder 2014: einsatzfreudig, leidenschaftlich, bissig, kämpferisch. Nicht nur auf dem Platz.

Eichins Worte gefielen Dutt – denn sie passten zu jenem „Fußball mit Herz“, für den der Chefcoach seine Profis nach dem hart erarbeiteten Punkt in Berlin gelobt hatte. Mit ebenso viel Herz verteidigte Eichin sein aktuelles Personal: „Alle diese Spieler sind wichtig für uns. Wir versuchen hier, für jede Position eine Doppelbesetzung hinzukriegen, damit der Trainer die Qual der Wahl hat und einen trotz guter Form mal draußen zu lassen“, beantwortete der 47-Jährige die Frage zu Petersens momentaner Reservistenrolle: „Ich wehre mich dagegen, dass Spieler deshalb bewertet werden, als wären sie schlecht. Ich finde das unmöglich!“, ärgerte sich Eichin über die seiner Meinung nach zu negative öffentliche Wahrnehmung: Einerseits „jammert man herum, wenn ein Nachwuchsspieler nicht die Möglichkeit bekommt, sich zu zeigen. Und wenn er sie bekommt, wird gleich darüber spekuliert, ob man den jeweils anderen nicht abgeben müsste, nur weil er nicht gespielt hat.“ In anderen Fällen – etwa bei zu wenig Einsatzzeiten von Sturm-Hoffnung Davie Selke – „wäre die Frage genau andersherum gekommen“.

Das gelte auch für Ludovic Obraniak: „Den haben wir geholt, er hat ein wichtiges Tor für uns gegen Mönchengladbach geschossen, was uns vielleicht auf die richtige Spur gebracht hat“, erinnerte der Manager an die Anfangsphase der Rückrunde. „Dann war er verletzt und draußen, weil danach die Mannschaft eben besser gespielt hat. Der Junge hat nichts Böses getan, aber er kommt hier unglaublich schlecht weg.“

Schlecht weg kommt der Franzose offenbar auch aus Bremen: Obraniak hatte mehrfach seine Wechselabsichten bekundet. „Es gibt immer mal Anfragen für Ludo – aber noch nicht so, dass es sich lohnt, darüber nachzudenken“, nannte Eichin den Sachstand. Und betonte bei dieser Gelegenheit nochmals dessen Qualität: „Ludo ist ein wichtiger Spieler – und kann es für uns vielleicht noch werden.“

Die Zeiten offener Tranferfenster sind eben reine Nervensache, und negative Urteile machen da die Preise kaputt. Auch deshalb war Eichin gestern die Anspannung anzusehen. Doch er bekam Beistand von Trainer Dutt: „Wir können nicht alles haben – eine internationale Platzierung, verlängerte Verträge für alle, junge Leute, die immer alle spielen – und dann soll Thomas auch noch die schwarze Null schaffen. Irgendwo hakt das Ganze natürlich.“

Doch trotz dieses schweren Spagats zwischen wirtschaftlichen Zwängen und sportlichen Zielen wollte Eichin gestern eine mögliche Verpflichtung kurz vor Ende der Wechselfrist nicht ausschließen: „Wir sind noch unterwegs und gucken, wo sich das eine oder andere auftut, was mich Budget-technisch nicht so belastet.“ Da gebe es „immer wieder Möglichkeiten“ – jüngstes Beispiel: Izet Hajrovic, für den „man auch dreieinhalb Millionen Euro bezahlen kann, wie es Galatasaray Istanbul wollte. Den haben wir aber für null Euro bekommen.“ Ähnliche Coups seien bis zur Schließung des Transferfensters noch drin – selbst ohne zusätzliche Mittel vom Aufsichtsrat. „Den sollten wir nicht immer an die Wand stellen“, nahm Eichin das Kontrollgremium in Schutz. Vielmehr will er aus eigener Kraft „irgendwann positive Zahlen schreiben. Dann werden wir in die Bereiche kommen, in denen es mehr Spaß macht.“ Deutlich mehr, als der Sportchef gestern hatte. n ck

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