Teamgeist, Selbstvertrauen und Restprogramm machen Mut im Abstiegskampf / „Wir sprechen mehr“

Bei Werder wächst die Zuversicht

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Unter acht Augen: Werder-Trainer Thomas Schaaf sprach nach dem Training am Montag noch lange mit den Routiniers (von links) Mikael Silvestre, Per Mertesacker und Torsten Frings.

Bremen - Von Malte Rehnert· Vier Punkte aus den letzten zwei Spielen – aber bei Werder Bremen wissen alle, dass die Gefahr noch längst nicht gebannt ist. „Große Erleichterung? Ich weiß nicht“, bremst Coach Thomas Schaaf mit Blick auf den 3:1-Auswärtssieg in Freiburg:

„Wir haben drei Punkte geholt, die wir sehr gut gebrauchen können. Aber es war nur ein Spiel.“ Ähnlich sieht’s Linksverteidiger Mikael Silvestre, der angesichts von Platz 14 urteilt: „Wir stecken noch mitten im Abstiegskampf.“ Allerdings ist auch deutlich zu spüren, dass die Zuversicht bei Werder wächst – aus mehreren Gründen:

der Teamgeist

Oft beschworen, selten gesehen – das galt lange Zeit in dieser Saison. Inzwischen gibt’s aber mehrere deutliche Anzeichen, dass die Bremer sich tatsächlich zusammengerauft haben. Nach dem 1:1 gegen Hannover Mitte Februar eilten die Mitspieler dem attackierten Marko Marin zur Hilfe – und der sagte anschließend: „Es hat sich etwas getan, wir haben uns wieder gefunden.“ Nach der Partie am Sonntag in Freiburg unterstützten die Bremer (allen voran Marko Ar-nautovic) ihren Keeper Tim Wiese, der von SCF-Torjäger Demba Papiss Cisse angegangen worden war.

Zeichen des Teamgeists: Marko Arnautovic (grüne Jacke) legte nach Sandro Wagners 1:0 in Freiburg einen 50-Meter-Sprint hin, um mit den Kollegen zu feiern.

Und: Es wird kollektiv gefeiert. Ersatzspieler Arnautovic legte nach Sandro Wagners 1:0 in Freiburg einen 50-Meter-Sprint zur Eckfahne hin, um mit dem Torschützen und den Kollegen zu jubeln. „Es haben sich alle gefreut, das hat man bei Marko gesehen, als er da hingelaufen ist. Alle gehören dazu, auch die auf der Bank“, sagt Schaaf und betont: „Wir sind ein Team.“

Den „viel größeren Zusammenhalt“ hat auch Sportchef Klaus Allofs mit Wohlwollen registriert: „In Phasen wie jetzt, wo es nicht brillant läuft, kommt es in erster Linie darauf an, dass man Hand in Hand oder Fuß in Fuß arbeitet. Das hat nun auch der Letzte begriffen und verinnerlicht.“

die Kommunikation

Die Szene beim Training am Montag war bezeichnend. Torsten Frings, Per Mertesacker und Mikael Silvestre hatten gerade ihre lockere Laufeinheit beendet, da rief Schaaf die drei Routiniers noch mal zu sich. Es folgte ein minutenlanges Acht-Augen-Gespräch, ehe sich Frings und Mertesacker auf den Weg in die Kabine machten. Silvestre blieb noch draußen, redete nun allein mit dem Coach – und sagte hinterher: „Es ging um das letzte Spiel in Freiburg und um die kommenden. Wir sprechen jetzt mehr mit dem Trainer.“

Statt auf dem Platz lautstarke Kritik zu üben (wie häufig in den vergangenen Wochen) sucht Schaaf nun offenbar verstärkt den aufmunternden Dialog mit seinen Spielern, lobt auffällig viel. Erst kürzlich hatte Stürmer Sandro Wagner von einem „super Gespräch“ mit dem Coach geschwärmt, das ihm „sehr viel Selbstvertrauen gegeben“ habe.

die Alternativen

Die Personaldecke ist derzeit deutlich dicker als in den vergangenen Monaten. Zuletzt saßen unter anderem die beiden Markos (Marin und Arnautovic) auf der Ersatzbank. Trainer Schaaf konnte reagieren und im Verlauf der Partie die Offensive deutlich verstärken. Das zahlte sich vor allem in Freiburg aus, als Marin (ein Tor, eine Vorlage) und Arnautovic (eine Vorlage), beide beim Stand von 1:1 eingewechselt, entscheidend am 3:1-Sieg beteiligt waren.

Noch zu Beginn der Rückrunde hatte Schaaf – vor allem vorne – kaum brauchbare Alternativen. Neuzugang Denni Avdic noch nicht fit, Sandro Wagner im Formtief. Zumindest Letztgenannter ist nach seinem ersten Bundesligator in Freiburg nun aber scheinbar auf einem guten Weg.

der Glaube

Häufig ist Werder nach einem oder zwei Gegentoren regelrecht zusammengebrochen – etwa beim 0:6 in Stuttgart oder beim 0:4 auf Schalke. In der Bundesliga-Hinrunde ist es den Bremern nur beim 2:2 in Leverkusen gelungen, nach einem Rückstand (0:1) noch zu punkten. Wobei: Auch da hatten sie zwischenzeitlich mit 2:1 geführt . . .

Werders Sportchef Klaus Allofs freut sich über den „viel größeren Zusammenhalt“.

„Bei Rückständen sind wir häufig ein hohes Risiko eingegangen und haben viele Dinge falsch gemacht. Das war gravierend“, meint Allofs, ergänzt aber: „Das ist viel besser geworden.“ In der Rückrunde stemmt sich Werder energischer gegen drohende Niederlagen. In Mainz (1:1 nach 0:1), gegen Hannover (1:1 nach 0:1) und gegen Leverkusen (2:2 nach 0:2) wurde Werders Aufbäumen mit Punkten belohnt.

das Glück

Gegen Leverkusen köpfte Sebastian Prödl das 2:2, in Mainz gelang Claudio Pizarro das 1:1 und gegen Hoffenheim bescherte der Hammer von Kapitän Torsten Frings Werder das 2:1 – schon drei Mal trafen die Bremer in der Rückrunde in der Nachspielzeit, was ihnen zusammengerechnet vier Punkte bescherte. „Beim Mainz-Spiel lasse ich das Wort Dusel gelten“, sagt Allofs. Gegen Hoffenheim sei der späte Siegtreffer „total gerecht“ gewesen. Und gegen Leverkusen habe es Werder beim Stand von 1:2 „immer weiter versucht. Die Moral war da. Und dann gehört auch ein wenig Glück dazu.“

Zuletzt in Freiburg zählte das Tor von Oliver Barth nicht, weil Schiedsrichter Knut Kircher (Rottenburg) vorher eine Abseitsposition (die es nicht gab) gesehen hatte. Es wäre das 2:1 für den Sportclub gewesen. „In dem Moment hatten wir Glück“, gesteht Werders Mittelfeldmann Marko Marin, „es war sehr wichtig für uns, dass Freiburg nicht in Führung gegangen ist.“

das Selbstvertrauen

Es wächst! Immerhin zwei Mal hintereinander hat Werder zuletzt in der Bundesliga nicht verloren. Gegen den Tabellenzweiten Leverkusen (2:2) holten die Bremer ein 0:2 auf, in Freiburg (8.) gewannen sie erstmals seit dem 23. Oktober 2010 (4:1 in Gladbach) wieder auswärts. „Die vier Punkte aus den letzten beiden Spielen waren sehr wichtig – rein rechnerisch, aber auch für die Köpfe“, urteilt Mikael Silvestre und fügt an: „Das gibt der Mannschaft Selbstvertrauen, um die Saison zu überleben.“

Auch für Allofs war der Sieg in Freiburg „sehr wichtig für die Psyche. Wir sind nicht in Sicherheit, aber es ist in unserer Situation positiv, auf dem 14. Platz zu stehen – punktgleich mit zwei anderen Mannschaften vor uns.“

das Restprogramm

Von den neun verbleibenden Spielen hat Werder noch sieben (!) gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf. Nach Schlusslicht Gladbach am Sonnabend kommen unter anderem noch der VfB Stuttgart (16.), der FC Schalke 04 (10.) und der VfL Wolfsburg (15.) ins Weserstadion. Keeper Tim Wiese weiß: „Es liegt nur an uns.“

Allofs sieht in dieser Konstellation „weder einen Vorteil noch einen Nachteil. Ich kann nicht sagen, gegen wen ich lieber spiele. Gegen Mannschaften, die am Ende keine Ziele mehr haben – oder gegen die, die um ihre Existenz kämpfen.“

Das Bremer Restprogramm:

Paarung - (aktuelle Platzierung) -  Hinspiel
12.03. Werder Bremen (14.) - Borussia M'gladbach (18.) 4:1
19.03. 1. FC Nürnberg (6.) - Werder Bremen (14.) 3:2
02.04. Werder Bremen (14.) - VfB Stuttgart (16.) 0:6
08.04. - 10.04. Eintracht Frankfurt (12.) - SV Werder Bremen (14.) 0:0
15.04. - 17.04. Werder Bremen (14.) - FC Schalke 04 (10.) 0:4
22.04. - 24.04 FC St. Pauli (13.) - Werder Bremen (14.) 0:3
29.04. - 01.05. Werder Bremen (14.) - VfL Wolfsburg (15.) 0:0
07.05. Werder Bremen (14.) - Borussia Dortmund (1.) 0:2
14.05. 1. FC Kaiserslautern (17.) - Werder Bremen (14.) 2:1

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