Norbert Meier spricht über seine Ex-Clubs und hält heute mal nicht zu Gladbach

„Werder hat den Vorteil, diese Situation zu kennen“

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Der Ex-Bremer Norbert Meier wartet auf einen neuen Trainerjob und ist deshalb am Wochenende fast immer unterwegs: „Ich gucke ganz viel Fußball.“ 

Bremen - Am Ende des Gesprächs muss sich Norbert Meier für einen seiner Ex-Clubs entscheiden: Hält der 55-Jährige heute zu Werder Bremen oder zu Borussia Mönchengladbach?

„Ich gönne ja beiden Mannschaften die Punkte“, windet sich Meier erst noch, gibt sich dann aber einen Ruck: „Okay, Werder braucht die Punkte dringender. Da unten rauszukommen ist schwieriger, als um Europa zu spielen. Und jeder weiß: Wenn Werder dieses Spiel verliert, geht es richtig nach unten. Also drücke ich Werder die Daumen.“

Meier sorgt sich um seinen Ex-Club, für den von 1980 bis 1989 stolze 372 Pflichtspiele bestritten hat. „Werder muss ganz, ganz wach bleiben, um nicht abzusteigen“, mahnt Meier, ist aber weit davon entfernt, nun alles schlecht zu reden. Der Rückrundenstart sei nicht gut, aber auch nicht katastrophal gewesen. Gegen Braunschweig hätten sich schon viele andere Teams schwer getan, Augsburg habe einfach einen Lauf – und Dortmund sei ausgerechnet in Bremen wieder richtig in Fahrt gekommen. „Aber jetzt wird es für Werder langsam wichtig, wieder zu punkten. Man muss aufpassen, nicht in den Strudel zu geraten.“

Meier weiß genau, wovon er spricht. Mit Fortuna Düsseldorf hatte der Coach in der Hinrunde der Vorsaison 21 Punkte gesammelt. Für einen Aufsteiger eine ordentliche Ausbeute, zumal der Vorsprung auf den ersten Sofort-Abstiegsplatz stolze zwölf Zähler betrug. Doch am Ende stieg die Fortuna noch direkt ab.

„Das war echt hart. Es war extrem viel Pech dabei. Aber die Mannschaft hatte einfach auch nicht das Fundament, was du in solchen Situationen brauchst. Wir sind ja in vier Jahren von der Regionalliga bis in die Bundesliga gesprungen, das war einfach zu schnell“, erinnert sich Meier und holt gerne noch einmal seinen Lieblingsspruch hervor: „Aus einer Imbissbude kannst du so schnell keine Großraumdisco machen.“

Bei Werder sei das anders. Für den Abstiegskampf habe der Club eine gute Mischung aus langer Bundesliga-Zugehörigkeit und Erfahrung im Abstiegskampf. „Werder hat den Vorteil, diese Situation aus dem Vorjahr zu kennen. Außerdem hat man schon vor der Saison gewusst und auch gesagt, dass es sehr schwierig wird. Das hilft“, glaubt Meier. Vereine wie der Hamburger SV, die vor der Saison von der Europa League gesprochen haben, hätten es da jetzt schwieriger, mit der bedrohlichen Lage umzugehen. Vieles sei im Abstiegskampf reine Kopfsache – und deshalb empfiehlt der erfahrene Trainer: „Auf die Mannschaft einzuschlagen, bringt jetzt gar nichts. Die Ruhe zu bewahren, das ist der einzig richtige Weg.“

Und dabei sieht er Werder mit Trainer Robin Dutt, Sportchef Thomas Eichin, den er aus der gemeinsamen Profi-Zeit in Gladbach noch bestens kennt, und vor allem den Fans gut aufgestellt. „Ich war in dieser Saison schon häufiger in Bremen. Die Atmosphäre im Weserstadion ist phantastisch. Die Leute stehen wie eine Eins hinter der Mannschaft. Sie haben verinnerlicht, dass Werder im Moment nicht an die tollen Champions-League-Zeiten anknüpfen kann.“

Meier mag nicht ausschließen, dass Werder wieder nach oben kommt. Aber er rät dabei, in jedem Fall den Umweg Zweite Liga zu vermeiden. Der weit verbreitete Glaube, ein Abstieg würde einem Club auch mal gut tun, sei Quatsch: „Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich 1980 zu Werder kam und wir in der Zweiten Liga spielten. Da mussten wir regelmäßig zu Autogrammstunden in Supermärkten – und da saßen wir dann ganz alleine. Keiner hat sich für uns interessiert.“ Nicht nur das Interesse würde schwinden, auch das Geld – und das inzwischen ganz beträchtlich. Mönchengladbach habe sich zwar nach zwei Abstiegen inzwischen gefangen, „aber das war eine ganz harte Zeit“. Und eine Garantie, dass man nicht ganz verschwindet, würde es nun mal nicht geben.

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Meier selbst will auch wiederkommen. Dem bitteren Abstieg mit Fortuna Düsseldorf folgte im Sommer die Trennung vom Club. Das Thema ist inzwischen abgehakt, gestern besuchte Meier erstmals wieder ein Heimspiel der Rheinländer. „Ich warte auf neue Aufgaben“, sagt der 55-Jährige und berichtet noch stolz: „Ich bin zum ersten mal Opa geworden, das ist auch eine spannende Geschichte.“ · kni

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