Infront drückt Hauptsponsor durch / „Tag der Fans“ heute wohl mit Protesten

Werder vertraut Wiesenhof, weil das so sein muss

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Noch ist es eine Fotomontage, aber heute Abend schon Realität: Aaron Hunt wird gegen Aston Villa wie seine Werder-Kollegen das Wiesenhof-Logo tragen. · 

Bremen - Heute will der SV Werder Bremen ordentlich feiern. Doch aus dem Fest wird womöglich der große Protest. Den haben sich die Verantwortlichen des Bundesligisten 24 Stunden vor dem „Tag der Fans“ selbst eingehandelt.

Der SV Werder hat sich tatsächlich, so wurde es gestern per Pressemitteilung verkündet, für Wiesenhof als neuem Hauptsponsor für die nächsten zwei Jahre entschieden. Das bringt pro Spielzeit geschätzte sechs Millionen Euro, aber auch jede Menge Ärger. Nicht nur zahlreiche Fans sind stocksauer, weil Werder künftig für einen umstrittenen Geflügelproduzenten wirbt. Auch Tierschutzorganisationen und sogar die Bremer Politik schlagen Alarm. Dem Unternehmen aus dem südoldenburgischen Visbek wird Tierquälerei vorgeworfen.

„Werder tut sich mit dieser Hühnerbrust keinen Gefallen – zumal sich der Club damit ohne Diskussion über die deutliche Kritik vieler Fans hinwegsetzt“, teilte zum Beispiel Karin Garling, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, gestern mit. Ähnliche Töne waren auch von den Grünen und aus der CDU zu hören. Die Tierrechtsorganisation Peta spricht von einem „Pakt mit dem Teufel“. Das Bremer Regionalbündnis „Meine Landwirtschaft“ fordert „Rote Karte und Stadion-sperre für Wiesenhof!“. Und Werder-Fan Anton von Rueden kann nicht nachvollziehen, „wie hier das sympathische und hart erarbeitete Image von Werder Bremen derart leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird“. Die Facebook-Gruppe „Werder-Fans gegen Wiesenhof“ hat bereits über 16 000 Befürworter. Auch in diversen Foren – ebenso auf der Internetseite des Clubs – hagelt es Kritik.

So viel Aufregung gab es noch nie beim Thema Hauptsponsor. Dabei hat Werder durchaus Erfahrung mit umstrittenen Unternehmen. Wettanbieter „bwin“ war in Bremen illegal und musste nach einigen Wochen von der Brust verschwinden. Nachfolger Citibank rief Verbraucherschützer auf den Plan, die von geschädigten Kunden berichteten. Letztlich kam Werder ohne größeren Schaden davon.

Mit Citibank-Nachfolger Targobank gab es keine Probleme. Bis das Unternehmen nur noch Topsponsor sein wollte. Also musste sich Werder-Vermarkter Infront auf die Suche machen – auf eine offenbar ganz schwierige. Normalerweise wird der neue Sponsor spätestens beim Trainingsauftakt präsentiert. Doch Werder trainierte und spielte fünf Wochen mit blanker Brust – und muss jetzt nehmen, was Infront angeschleppt hat: Wiesenhof. Das ist nämlich Teil des langfristigen Deals mit dem Vermarkter. Der verspricht Werder zwar eine Ausfallentschädigung von fünf Millionen Euro, aber nicht, wenn der Club einen Interessenten ablehnt. Das hatte Geschäftsführer Klaus Filbry unlängst bestätigt: „Wir haben kein Vetorecht.“ Viel lieber wäre Werder mit Turkish Airlines geflogen, doch die Fluglinie hatte das wesentlich schlechtere Angebot abgegeben.

Gestern wurde der neue Hauptsponsor in Bremen natürlich herzlich willkommen geheißen, wenn auch nur in einer Pressemitteilung. „Wir freuen uns sehr darüber, dass wir einen so starken Partner gefunden haben, der erste aus dem Werder-Land, sehr verbunden mit der Region und wie Werder mit internationalen Ambitionen“, ließen sich die Geschäftsführer Filbry, Klaus Allofs und Klaus-Dieter Fischer in Wir-Form zitieren. Und weiter hieß es: „Wir haben uns für Wiesenhof entschieden, nachdem wir uns in intensiven Gesprächen mit den Verantwortlichen über den Betrieb, die Motivation und die Ziele ausgetauscht haben. Wir werden in ständigem Kontakt sein und uns auch vor Ort über die Produktionsstätten von Wiesenhof informieren.“ Für das Geschäftsführer-Trio steht auch fest, dass Wiesenhof „kein Unternehmen ist, das etwas zu verbergen hat. Wiesenhof ist ein offenes und transparentes Unternehmen mit sehr innovativen Ansätzen.“

Die Kritik der Fans nehmen Klaus Allofs und Co. zwar durchaus ernst, sie schreiben allerdings auch: „Die Diskussionen um unseren Partner werden hochemotional geführt. Wir würden uns eine Versachlichung der Debatte wünschen.“ Damit ist heute eher nicht zu rechnen. Beim „Tag der Fans“ und beim anschließenden Spiel am Abend gegen Aston Villa werden die Werder-Profis erstmals das Wiesenhof-Logo tragen – und diverse Fangruppen haben bereits angekündigt, ihrem Unmut darüber Luft zu machen. In welcher Form, das ist noch offen. · kni

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