Desolater Auftritt beim 1:3 gegen Eskisehirspor / Schaaf schwer angeschlagen / Allofs ratlos

Werder versinkt im alten Sumpf

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Fassungslos und sichtlich angeschlagen verfolgte Werder-Trainer Thomas Schaaf das 1:3 gegen Eskisehirspor am Spielfeldrand.

BELEK · Als Thomas Schaaf gestern am späten Nachmittag im Bus Platz genommen hatte, um mit der Mannschaft zurück ins Hotel zu fahren, war der Trainer von Werder Bremen mit seinen Gedanken vermutlich Lichtjahre entfernt. Blass, regungslos, leer, zerknirscht – die Reihe der Adjektive, die den desolaten Gemütszustand des 49-Jährigen in diesem Moment beschreiben sollten, ließe sich beliebig fortsetzen.

Eine Woche lang hatte seine Mannschaft in Belek gut trainiert. Schaaf hatte deutliche Fortschritte gesehen – in der Arbeit auf dem Platz sowie im Willen der Mannschaft, die peinliche Hinrunde vergessen zu machen. Doch statt zu neuen Ufern aufzubrechen, versank sein Team im letzten Testspiel des Trainingslager gestern gegen den türkischen Erstligisten Eskisehirspor im alten, miefigen, eigentlich in Belek doch schon trocken gelegten Sumpf: Ohne Leidenschaft, ohne Zweikampfverhalten, ohne spielerische Mittel ergab sich Werder gegen den Tabellenelften der Süper Lig in sein Schicksal und verlor mit 1:3 (0:2) – in Bestformation, wohlgemerkt. Und das gegen eine Mannschaft, die mit Reservespielern gespickt und aufgrund ihrer Harmlosigkeit eigentlich ein dankbarer Aufbaugegner gewesen war.

Eskisehirspor - Werder Bremen 3:1

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Doch Werder war wieder einmal schlechter. So schlecht, dass einem vor dem Rückrundenauftakt in vier Tagen gegen 1899 Hoffenheim Angst und Bange werden muss. In dem Zustand muss man sich um die Bremer ernsthafte Sorgen machen. Einzig Claudio Pizarro stemmte sich gegen die Niederlage, rannte viel, versuchte viel und schoss auch das Ehrentor (90.). Doch zu diesem Zeitpunkt hatten seine Kollegen längst die Segel gestrichen.

Wieder einmal hatten krasse, fast schon unglaubliche individuelle Fehler zu den Gegentoren (18./21./59.) geführt. Dass der schwache türkische Schiedsrichter in einigen Szenen erneut kräftig mitgeholfen hatte, darf hierbei nur eine Randnotiz sein. Das könnte sonst zu schnell zum Alibi werden. Der Geist von Belek, von Trainer, Sportchef und Spielern gleichermaßen ausgerufen, entpuppte sich als Schreckgespenst. Und Schaaf tat sich auch rund zwei Stunden nach Spielschluss – er trainierte erstmal mit den Reservisten, um runterzukommen – noch schwer, Worte und Antworten zu finden. „So, wie wir hier in Belek gearbeitet haben, passt diese Partie überhaupt nicht rein“, knurrte der Bremer Coach: „Das ist nicht zu akzeptieren, da brauchen wir auch nichts schönzureden.“

Warum die Mannschaft auf dem Platz schon wieder versagt hatte, war auch dem Trainer ein Rätsel. Und man hätte die Zeit mühelos zurückdrehen können. Denn vor dieser Frage steht der Coach seit Monaten. In Belek scheint sich das nicht geändert zu haben. Und so langsam scheint der 49-Jährige auch mit seinen Möglichkeiten am Ende zu sein. Dass sich die Spieler „angesichts des bevorstehenden Rückrundenstarts vielleicht nicht verletzen wollten und deswegen nicht so in die Zweikämpfe gegangen sind“, war diesmal die neue und einzige Erklärung Schaafs für die Pleite. Wenig plausibel und fast schon peinlich.

Auch Klaus Allofs wirkte gestern ziemlich ratlos. Dass der Werder-Boss ebenfalls erstmal eine Stunde brauchte, um sich zu sammeln, zeigt schon deutlich auf, wie ernst die Lage ist. „Wir haben keinen Druck entwickelt, keine Spielfreude gezeigt, waren nicht in den Zweikämpfen, es hat die absolute Bereitschaft gefehlt“, kritisierte der 54-Jährige. Doch auch hier grüßt das tägliche Murmeltier. Diese Aussagen standen auch schon für die Spiele in der Hinrunde gegen Kaiserslautern, Hoffenheim, Hannover und viele andere. Geändert hat sich nichts. Und Trainingsweltmeister zu sein, bedeutet nicht, mit dem Abstieg nichts zu tun zu bekommen. Entscheidend bleibt, um mit Adi Preißler zu sprechen, immer noch aufm Platz. Und dort bringt Werder noch immer nicht viel zu Stande. Es war erschreckend bis beschämend, wie sich der Bundesligist gestern präsentierte. Und Allofs malte schon mal ein düsteres Bild: „Wenn wir so in der Liga auftreten, werden wir nicht viele Spiele gewinnen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen!

Werder: Wiese – Fritz, Mertesacker, Prödl (65. Silvestre), Schmidt – Frings (62. Borowski), Bargfrede (62. Jensen) – Hunt (65. Kroos), Pizarro, Marin (56. Avdic) – Arnautovic (75. Trinks).

Fassungslos und sichtlich angeschlagen verfolgte Werder-Trainer Thomas Schaaf das 1:3 gegen Eskisehirspor am Spielfeldrand.

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