Der Hoffnungsträger

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Voila, da ist er! Werder-Sportchef Thomas Eichin (re.) präsentierte gestern die einzige Bremer Winter-Verpflichtung. Ludovic Obraniak unterschrieb einen Vertrag bis Juni 2016.

Bremen - Johan Micoud hat schon viel für den SV Werder getan. Zwischen 2002 und 2006 schenkte „Le Chef“ dem Club viele magische Momente – darunter auch das Double 2004.

Knapp zehn Jahre später schenkt er Werder diesen Mann: Ludovic Obraniak, 29 Jahre alter Franzose mit polnischen Wurzeln. Der offensive Mittelfeldspieler wechselte gestern kurz vor Ende der Transferfrist für zwei Millionen Euro Ablöse von Girondins Bordeaux an die Weser und unterschrieb einen Vertrag bis Juni 2016 – plus eine an Einsätze gekoppelte Option für eine weitere Saison. Johan Micoud hatte dabei seine Finger im Spiel. Ein bisschen jedenfalls.

„Ja, ich habe ihn angerufen, habe mich bei ihm nach Werder erkundigt“, sagte Obraniak gestern bei seiner Vorstellung im Weserstadion. Wie es sich bei Werder und in Bremen leben lässt, wollte er wissen. Und Micoud, der mittlerweile in der Nähe von Bordeaux ein kleines Weingut betreibt, habe ihm „nur Gutes“ berichtet. Weshalb es Obraniak noch leichter fiel, bei Werder zu unterschreiben: „Micoud hat mir wirklich gute Tipps gegeben.“

Vielleicht den, dass 29 ein gutes Alter ist, um der eigenen Karriere in Bremen neuen Schwung zu geben. Micoud hatte es einst so gemacht, Obraniak tut es ihm nun gleich. Für ihn ist Werder nach den Profi-Stationen FC Metz, OSC Lille und Bordeaux das erste Auslandsengagement. Spät vielleicht, aber für Obraniak „genau der richtige Zeitpunkt“ für einen „radikalen Schnitt“. Weg aus Frankreich, rein in die Bundesliga. „Ich hoffe“, meinte Obraniak, „dass ich mich schnell an den deutschen Fußball gewöhne. Es braucht vermutlich seine Zeit, aber ich werde alles tun, dass es nicht zu lange dauert.“

Und dann? Hat Werder dann einen neuen „Le Chef“? „Es wäre mir eine Ehre“, lachte Obraniak. Aber tatsächlich zu erwarten, Werder hätte sich einen Magier der Marke Micoud (spielte vor und nach seiner Bremer Zeit ebenfalls in Bordeaux und beendete dort auch seine Karriere) gesichert, wäre wohl heillos überzogen. Wenngleich Ludovic Obraniak auch im zentralen offensiven Mittelfeld – also auf der Chef-Position – spielen kann. Vorgesehen ist er in Bremen aber zunächst für die Außenbahnen. Kein Problem, meint der zweifache Vater: „Ich bin flexibel. Offensiv spiele ich auf allen Positionen.“

Speziell auf der linken Seite musste Trainer Robin Dutt mit Mehmet Ekici, Franco Di Santo oder Zlatko Junuzovic immer wieder experimentieren – „mit Spielern, die sich da nicht zu Hause fühlen. Jetzt haben wir in Obraniak einen, der sich gut in den Räumen bewegen kann, der technisch gut ist“, erklärte der Coach. Zudem bringt der nur 1,74 m große, aber sehr drahtige Linksfuß eine ganze Menge Erfahrung mit. Mit dem OSC Lille gewann er in Frankreich das Double, spielte in der Champions League, holte mit Bordeaux den nationalen Pokal und war erneut in der Königsklasse vertreten. Für Polen, das Land seiner Großeltern, bestritt er zudem 32 Länderspiele, darunter die EM 2012. „Er ist der richtige Typ für uns“, so Dutt: „Ich erwarte durch ihn eine Steigerung im spielerischen Bereich und denke, dass er unser System schnell verinnerlicht haben wird. Ich erhoffe mir eine Soforthilfe.“

Allerdings noch nicht heute im Auswärtsspiel beim FC Augsburg. Obraniak jettete gestern nach Vertragsabschluss und Präsentation nochmal zurück nach Bordeaux. Erst am Dienstag tritt er seinen Dienst in Bremen an, seine Werder-Premiere feiert der selbstsichere Franzose dann vermutlich im Heimspiel gegen Borussia Dortmund am Samstag. „Man merkt ihm die Vorfreude schon an“, sagte Dutt.

Das ist  Ludovic Obraniak

Das ist Ludovic Obraniak

Obraniak wirkte gestern allerdings relativ cool. Mit Stoppelbart und gegelten Haaren plauderte er mit dem Dolmetscher an seiner Seite fast schon entspannt über eigene Stärken und Schwächen. „Also, der Schnellste bin ich nicht“, gab er zu, „aber ich habe eine gute Schnelligkeit im Passspiel“. Genau das war einer der Hauptpunkte, weshalb Werder-Sportchef Thomas Eichin bei dem Transfer nicht locker gelassen hat. Als Team mit der höchsten Fehlpassquote in der Liga benötigt Werder dringend Sicherheit im Mittelfeld. Ein weiterer Vorzug des Neu-Bremers: „Mit links ist er ziemlich schussgewaltig, und sein rechter Fuß ist auch nicht schlecht“, sagte Eichin, der einer Vermutung deutlich widersprach: Als Vorgriff auf den möglichen Verlust von Aaron Hunt im Sommer sei der Transfer nicht zu sehen. „So weit haben wir nicht gedacht“, beteuerte der 47-Jährige. Und Robin Dutt unterstrich: „Ich bin glücklich, wenn ich am Ende zwei solche Spieler habe.“ csa

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