Umstrittener Elfmeter

Werder verliert weiter,aber Schaaf darf bleiben

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Schlangestehen zum Abklatschen mit den Fans – und das nach einer Niederlage, die Werders Abstiegssorgen weiter vergrößerten. Es war schon einmalig, was sich da gestern nach dem Spiel in der BayArena abspielte. Foto: nph

Leverkusen - Von Carsten Sander. Verkehrte Welt bei Werder Bremen. Durch die 0:1 (0:1)-Niederlage bei Bayer Leverkusen rutschte das Team von Trainer Thomas Schaaf gestern bis auf zwei Punkte an die Abstiegszone der Fußball-Bundesliga heran.

Das Polster wird immer kleiner, die Gefahr immer größer. Und was machen die Fans? Sie feiern! 3 000 Grün-Weiße sangen und tanzten gestern noch eine halbe Stunde nach dem Abpfiff in ihrem Block der BayArena – gerade so, als ob Werder einen Titel, einen Pokal gewonnen hätte. Dabei steht Werder kurz vor dem Sturz in die Zweite Liga. Besonders bitter: Das Tor des Tages resultierte aus einem Elfmeter, den Stefan Kießling (35.) verwandelt hatte, den Schiedsrichter Deniz Aytekin aber nicht hätte geben dürfen.

Nur eine echte Chance

Die Bremer Situation hat sich durch die eigene Niederlage sowie die Siege des Tabellen-16. FC Augsburg (3:0 gegen den VfB Stuttgart) und des 17. aus Hoffenheim (2:1 gegen den 1. FC Nürnberg) dramatisch verschlechtert. Drei Spieltage vor Schluss ist mittlerweile sogar der direkte Abstieg denkbar – dann, wenn Werder am Samstag auch das Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim verlieren sollte. „Das ist unser Endspiel“, sagte Innenverteidiger Sokratis: „Wenn wir das gewinnen, bleiben wir in der Liga. Wenn nicht…“ Er ließ den Rest des Satzes offen. Aber jeder weiß, was gemeint ist: dann geht‘s runter.

Trotz der extrem bedrohlichen Lage schließt Geschäftsführer und Sportchef Thomas Eichin eine Trennung von Trainer Thomas Schaaf in dieser Saison aus. „Ein Trainerwechsel wäre in diesem Augenblick absoluter Nonsens. Unsere Marschroute ist, mit Thomas Schaaf den Klassenerhalt zu schaffen und die Saison zu Ende zu bringen. Danach sehen wir weiter“, erklärte der 46-Jährige nach dem zehnten sieglosen Spiel in Folge.

So paradox es klingt: Die Pleite in Leverkusen hat die Werder-Führung sogar in ihrer Entscheidung bestärkt, mit Schaaf in die letzten drei Saisonspiele zu gehen. Denn die kämpferische Reaktion auf das 0:3-Debakel gegen den VfL Wolfsburg war deutlich. Werder, ohne den verletzten Kevin De Bruyne sowie die suspendierten Marko Arnautovic und Eljero Elia angetreten, wehrte sich gegen die Werkself nach Kräften. „Wir haben zusammengehalten, jeder war für den anderen da. Ich habe die Leidenschaft gespürt“, meinte Kapitän Clemens Fritz.

Trotzdem reichte es nicht mal zu einem Punkt. Hauptgrund: Der Elfmeter, der für die Bremer gleich in doppelter Hinsicht keiner war. Unstrittig ist, dass Werder-Keeper Sebastian Mielitz den Leverkusener Sidney Sam im Strafraum umgesenst hatte. Das sogar mit Wucht. Aber: Zum einen hatte Sam den Ball im Moment des Fouls schon am Tor vorbeigeschossen. Zum anderen hatte er beim Pass von Andre Schürrle knapp im Abseits gestanden. Schiedsrichter Deniz Aytekin hatte weder das Abseits noch ein Foul gesehen und entschied deshalb zunächst auf Abstoß. Erst nach einer Behandlungspause für Mielitz und Sam ließ er sich von seinem Assistenten Christian Dietz umstimmen – Elfmeter. Werder tobte. Auch noch lange nach Spielschluss. „Das waren gleich zwei Fehlentscheidungen. Und wie man erst anderthalb Minuten später auf Elfmeter entscheiden kann, verstehe ich nicht“, schimpfte Zlatko Junuzovic. Auch Mielitz war auf dem Platz außer sich über den Strafstoß: „Die Aktion war längst abgeschlossen, der Ball ist weg. Ich liege am Boden, und Sam läuft in mich rein. Das ist kein Elfmeter.“

Stefan Kießling war das völlig egal, er vollstreckte, schraubte sein Konto auf 22 Saisontore und schoss Bayer Leverkusen so gut wie sicher in die Champions League. Werder dagegen zittert um die Erstklassigkeit. Die Defensivtaktik in der BayArena – Zlatko Junuzovic hatte die Viererkette als verkappter Linksverteidiger zu einer Fünferkette gemacht – hatte nicht zum gewünschten Ergebnis geführt. Letztlich war Werder in der Offensive (mit Rechtsaußen Özkan Yildirim bei seiner Startelf-Premiere) zu harmlos. Die einzige echte Chance vergab Junuzovic, nachdem er Philipp Wollscheid den Ball abgejagt hatte und alleine auf Bayer-Keeper Bernd Leno zugelaufen war. Er kam nicht vorbei. „Ich hatte vier Gedanken im Kopf, aber den schlechtesten gewählt“, meinte der Österreicher. Vielleicht hätte er den Ball einfach neben das Tor schießen und über Leno stolpern sollen…

Leverkusen gewinnt gegen Werder Bremen

Stimmen zum Spiel

Sascha Lewandowski (Leverkusen): „Wir freuen uns, dass wir auch mal einen richtig schmutzigen Arbeitssieg errungen haben. Das ist was ganz Neues und von daher auch mal angenehm. Aber wir stellen uns unseren Fußball natürlich anders vor als in der ersten Halbzeit.“

Thomas Schaaf (Bremen): „Die Mannschaft hat heute alles versucht. Sie war sehr engagiert, sehr diszipliniert, jeder hat dem anderen geholfen. Leider sieht man auch, dass in unserer Situation die Überzeugung im Spiel nach vorne fehlt. Gegen Ende wurden wir etwas mutiger.“

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