Dutt extrem sauer

Ein Armutszeugnis in Augsburg

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DAFÜR gab es Gelb-Rot. Bremens Santiago Garcia geht gegen Matthias Ostrzolek mit gestrecktem Bein zu Werke.

Augsburg - Von Björn Knips. Jetzt ist Schluss mit lustig, SV Werder! Nach der erschütternden 1:3 (1:1)-Pleite beim FC Augsburg wandte sich Coach Robin Dutt erstmals in seiner Bremer Amtszeit von seiner Mannschaft ab. „Es ist nicht untertrieben, wenn ich sage, ich bin sauer. Denn ich bin ziemlich sauer“, fauchte der 49-Jährige und kündigte an: „Es werden intern deutliche Worte fallen. Es gibt einige Spieler, die sich etwas anhören werden müssen.“

Allen voran Santiago Garcia. Der Argentinier hatte kurz vor der Pause die Ampelkarte gesehen, weil er wie von Sinnen im Augsburger Strafraum zu Werke gegangen war. Garcia wollte mit gestrecktem Bein den Ball unbedingt über die Linie drücken, gefährdete dabei aber die Gesundheit von Matthias Ostrzolek. Zwar berührte der Bremer Linksverteidiger sein Augsburger Pendant nicht, doch das war nur Ostrzoleks Reaktionsschnelligkeit zu verdanken. Schiedsrichter Christian Dingert (Wiesbaden) schickte den wegen einer Blutgrätsche gegen Andre Hahn schon verwarnten Garcia folgerichtig vom Platz (45.+1). 

Doch das südamerikanische Temperamentsbündel wollte partout nicht gehen, attackierte erst verbal den Assistenten, dann sogar den Referee – das sogar leicht mit der Hand. Dingert notierte den Vorfall – so könnte der wilde Protest ein übles Nachspiel für Garcia haben. Ihm droht nun sogar eine längere Sperre als nur für ein Spiel. Während Robin Dutt seiner Linie treu blieb, einen Spieler niemals öffentlich zu kritisieren, wagte Ersatz-Kapitän Sebastian Prödl immerhin eine Kritik am Mitspieler: „Wir haben nicht zu Unrecht zu zehnt weitergespielt.“ Bis zum Platzverweis hatten die Bremer das Spiel zumindest ergebnistechnisch offen gehalten. 

Das auch ohne Aaron Hunt. Der Spielmacher war wegen im Abschlusstraining aufgetretener Knieprobleme in Bremen geblieben. Ihm droht möglicherweise eine Pause von mehreren Spielen. Hunts Ausfall war zwar ein Schock, aber kurz nach dem Anpfiff auch schnell vergessen. Denn Werder bekam einen Traumstart in die Partie geschenkt: FCA-Innenverteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker köpfte einen Eckball von Zlatko Junuzovic ins eigene Tor. Die Führung hätte den mit dem 0:0 gegen Braunschweig mau in die Rückrunde gestarteten Bremern Sicherheit geben können. Doch dem war nicht so. Werder bekam keine Ruhe in die Partie und wusste sich vor dem eigenen Strafraum nur mit Fouls zu helfen. So kam Augsburg zu Freistoß-Chancen, die die Mannschaft zu nutzen verstand. Den ersten Versuch jagte Tobias Werner noch an den Pfosten (6.), doch als er das zweite Mal draufhämmerte, fand der Ball den Weg ins Tor. Die Bremer Mauer hatte sich aufgelöst, Theodor Gebre Selassie auch noch entscheidend abgefälscht (11.). 

Fortan spielte nur noch Augsburg, und Werder gab eine jämmerliche Figur ab. Spielaufbau? Fehlanzeige! Es war schon als Erfolg zu werten, wenn überhaupt mal ein Pass einen Mitspieler fand. Junuzovic war im zentralen Mittelfeld als Hunt-Ersatz überfordert. Franco Di Santo und Eljero Elia enttäuschten auf den Außenbahnen. Nils Petersen hing als Sturmspitze komplett in der Luft. Und die beiden „Sechser“ Cedric Makiadi und Felix Kroos kamen nie aus dem Schlafwagenmodus raus. „Wir haben im Mittelfeld überhaupt keinen Zugriff bekommen“, schimpfte Sportchef Thomas Eichin und stellte erstmals die sonst als letztes Qualitätsmerkmal so hochgelobte Einstellung infrage: „In Sachen Cleverness, Selbstbewusstsein und vor allem Zweikampfhärte waren wir Augsburg klar unterlegen.“ Kurz gesagt: Werder hat nicht mal mehr gekämpft. 

Siehe zweite Halbzeit. Anstatt sofort mit Leidenschaft den möglichen Punktgewinn zu verteidigen, ließ der eingewechselte Linksverteidiger Lukas Schmitz Andre Hahn flanken und Gebre Selassie in der Mitte Halil Altintop entwischen. Der Türke bedankte sich mit einem Volleyschuss zum 2:1 (49.). Weiteres Präsent von Schmitz: Im Sechzehner trat er über den Ball, Hahn ließ diese Chance noch aus. Wenig später schlug der aus der Nähe von Cuxhaven stammende Augsburger dann doch zu. Weil Schmitz nicht klärte und Keeper Raphael Wolf den Ball ebenfalls nicht konsequent wegdrosch, spritzte Hahn dazwischen und lachte sich ins Fäustchen – 3:1 (55.). „Da sieht Raphael sehr unglücklich aus“, sagte Eichin vorsichtig – wohlwissend, dass die Torwart-Diskussion nun neu entfacht sein könnte. Aber es gibt noch viele weitere Baustellen bei Werder. Torgefahr ist zum Beispiel ein großes Thema – die strahlte Werder nämlich überhaupt nicht aus, blieb ohne herausgespielte oder erzwungene Chance.

Bilder zum Spiel

FC Augsburg gewinnt 3:1 gegen Werder Bremen

 „Die Lage ist ernst“, gestand Robin Dutt und meinte mit Blick auf den anstehenden Heimspiel-Doppelpack gegen Mönchengladbach und Dortmund: „Das wird kein Zuckerschlecken.“ Eher gibt es weitere bittere Pillen zu schlucken. Immerhin beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz weiterhin vier Punkte. Und Eichin begründete seine Hoffnung auf bessere Zeiten mit der Verpflichtung von Ludovic Obraniak. „Den können wir jetzt richtig gut gebrauchen.“ Gestern fehlte der polnische Nationalspieler noch, gegen Dortmund soll der Mittelfeldmann aber sein Debüt feiern. n kni

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