Werder verliert 0:2 in Ingolstadt

Sorgen, Verzweiflung, Fatalismus

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Bremer Schockmoment: Benjamin Hübner (re.) hat gerade das 1:0 für den FC Ingolstadt erzielt. Der Rettungsversuch von Werders Verteidiger Papy Djilobodji (3.v.r.) und Mittelfeldspieler Lukas Fröde (4.v.r.) schlug fehl. Torwart Felix Wiedwald (li.) ist fassungslos.

Ingolstadt - Ein Trainer, der sich bei der Aufstellung verzockt und eine Mannschaft, die nicht spielt, was sie kann: Fertig ist eine Niederlage, die Werder Bremen in schwere Bedrängnis bringt. Nach Toren von Benjamim Hübner (12.) und Lukas Hinterseer (89./Foulelfmeter) verlor der Tabellen-16. der Fußball-Bundesliga gestern bei Aufsteiger FC Ingolstadt mit 0:2 und ließ damit einen direkten Mitbewerber um den Klassenerhalt entkommen.

Neun Punkte sind die Ingolstädter nun schon entfernt – Werder dagegen tritt auf der Stelle. Weil der Vorletzte 1899 Hoffenheim sein Heimspiel gegen Mainz 05 gewann, ist ein direkter Abstiegsplatz nur noch zwei Punkte entfernt. Es wird langsam dramatisch für das Team von Trainer Viktor Skripnik. Geschäftsführer Thomas Eichin: „Die Situation erschwert sich. Wenn du aus so einem Spiel nichts mitnimmst, musst du dir Sorgen machen.“

Aber was war das auch für ein Spiel? Los ging es schon mit einer Aufstellung, die wohl jeden überraschte. Skripnik stellte nach dem Ausfall von Kapitän Clemens Fritz (saß wegen seiner Sprunggelenksverletzung auf der Tribüne und humpelte später an Krücken durch die Stadionkatakomben) statt Zlatko Junuzovic, Fin Bartels oder Neuzugang Sambou Yatabare den unerfahrenen Lukas Fröde ins Mittelfeld. Der hatte zuvor in fünf Bundesliga-Einsätzen nur 20 Minuten spielen dürfen, und sollte im von Skripnik zum „Drecksack“-Spiel erhobenen Duell bestehen. Es war aber, wie sich herausstellte, keine gute Idee, auf ein Mittelfeldzentrum mit den baumlangen Jannik Vestergaard (1,99m) und Fröde (1,92m) zu setzen. „Wir wollten“, erklärte Skripnik später den Fröde-Einsatz, „jemanden haben, der kämpft, grätscht und Kopfballduelle gewinnt.“

Kämpfen, grätschen, Kopfballduelle gewinnen – damit war dann auch das ganze Spiel ausgefüllt. Werder setzte schon mit der Aufstellung zu sehr auf diese Karte, vergaß dabei völlig, dass die Mannschaft auch über spielerisches Vermögen verfügt. Skripnik: „Wir haben die Qualität, um in Ingolstadt zu gewinnen.“ Es war eine hilflos wirkende Behauptung, denn gezeigt hat das Team nichts von diesen Qualitäten. Mit Vestergaard und Fröde verfügte Werder zwar über viel körperliche Präsenz im Mittelfeld, aber als Wechselwirkung über keine Ideen im Spielaufbau. Weil, so Torwart Felix Wiedwald, „wir uns zu sehr nach der Art des Ingolstädter Fußballs gerichtet haben.“

Dabei will Werder genau das nicht. Immer wieder wird das betont – auch und vor allem von Skripnik. Gehandelt hat er gestern nicht so. Auch Thomas Eichin kritisierte die Aufstellung und Ausrichtung der Mannschaft: „Hinterher ist man immer schlauer, hinterher ist jede Kritik berechtigt, hinterher kann man sagen, es hat nicht funktioniert.“

Werder-Sorgen nach 0:2 in Ingolstadt größer

Dem FC Ingolstadt spielte die frühe Führung natürlich in die Karten. Nach einem Freistoß flitzte der Ball wie eine Flipperkugel durch den Bremer Strafraum und landete schließlich bei FCI-Verteidiger Benjamin Hübner, der aus kürzester Distanz einschob (12.). Zusätzlich ärgerlich: Der Freistoß – der schwache Alejandro Galvez soll Lezcano regelwidrig gerempelt haben – war auch noch unberechtigt. Von diesem Rückstand erholte sich Werder überhaupt nicht. Verkrampft und einfallslos quälten sich die Bremer durch die Partie. Bis zur Pause kamen die Gäste nur zu einer Chance, Anthony Ujah vergab nach Vorarbeit von Claudio Pizarro aber freistehend (27.). Und sonst? Kam nichts. Auch nicht in Halbzeit zwei, in der die Bremer zwar tonangebend waren, aber null Gefahr ausstrahlten. Als es Vestergaard aus der Drehung (74.) und Papy Djilobodji aus der Distanz versuchten (75.), waren das schon Taten der Verzweiflung. Und nachdem der zur Halbzeit eingewechselte Yatabare im Strafraum gegen Robert Bauer allzu ungestüm zu Werke gegangen war, gab es auch noch Elfmeter für Ingolstadt. Lukas Hinterseer verwandelte zum 2:0 (89.). Ein Ergebnis, das Thomas Eichin schwer schockierte. „An und für sich darfst du in Ingolstadt nicht verlieren. Ein Unding“, schimpfte er. Skripnik erkannte immerhin an, dass Ingolstadt aus wenig viel zu machen versteht: „Sie haben das gespielt, was sie können. Und sie haben erreicht, was sie wollten. Gratulation.“

Vestergaards Verzweiflung auf dem Platz steigerte sich in den Interviews nach dem Spiel sogar zu Fatalismus. Was ihm im Moment im Abstiegskampf noch Hoffnung mache, wurde der Bremer Ersatzkapitän bei Sky gefragt. Antwort: „Nichts.“ Ein weiterer Beweis dafür, dass es schlecht bestellt ist um Werder Bremen.

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