Werder verliert das „Endspiel“ / Viel Bemühen, kaum Qualität / Kölns Joker Ujah trifft

0:1 – das war es wohl für Dutt

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Fassungslos schlichen die Werder-Profis samt Trainer Robin Dutt vom Platz, auch im neunten Bundesliga-Spiel gab es keinen Sieg, sondern sogar eine verdiente Niederlage gegen Köln.

Bremen - Werder Bremen hat auch das „Endspiel“ für Trainer Robin Dutt verloren. Gegen Aufsteiger 1. FC Köln unterlag das Bundesliga-Schlusslicht gestern Abend nach einer katastrophalen Leistung und einem Tor von Anthony Ujah (59.) mit 0:1 und ist somit auch nach dem neunten Saisonspiel noch ohne Sieg. Und bald auch ohne Coach? Dutts Beurlaubung gilt nach der Pleite als sehr wahrscheinlich.

Thomas Eichin, als Geschäftsführer Sport der Mann am Hebel, bekam natürlich sofort die Trainerfrage gestellt – und wich erst einmal aus: „Jetzt gilt es, Ruhe zu bewahren und die Situation zu analysieren. Vielleicht sollten wir noch eine Nacht darüber schlafen.“ Doch so viel Zeit ließen ihm die Journalisten nicht und wollten wissen, ob Dutt am Dienstag im DFB-Pokal in Chemnitz noch auf der Bank sitzen wird. „Davon gehe ich aus“, antwortete Eichin. Doch wirklich überzeugend klang das nicht. Es wird Gespräche geben. Die Geschäftsführung wird sich zusammensetzen. Heute tagt auch der Aufsichtsrat, macht Marco Bode zu seinem neuen Chef. Das Gremium wird sicher auch befragt – und soll nicht pro Dutt eingestellt sein.

„Endspiel“ – dass die Partie diesen Stempel verdient hatte, sahen auch die Ostkurvenfans so. Ihre Botschaft vor dem Anpfiff: „3 Punkte müssen her. Alles andere zählt nicht mehr. Letzte Chance!“ Sonst gibt‘s Saures für alle? Die Pfiffe nach Spielende waren eindeutig.

Erstmal taten die Fans aber, was Werder von ihnen verlangte. Volle Unterstützung für eine Mannschaft, die irgendwie den Fehlstart mit acht sieglosen Spielen, die hochpeinliche 0:6-Pleite gegen Bayern München, die Last eines Tabellenletzten und die Trainer-Diskussion abschütteln musste. Es soll schon Teams gegeben haben, die mit weniger Ballast in ein Spiel gegangen sind.

Dutt drückte bei der Auswahl seiner Startelf die letzten Knöpfe. Izet Hajrovic, Luca Caldirola und Alejandro Galvez waren wieder erste Wahl, weil der Trainer etwas verändern musste. Wechsel aus Überzeugung konnten das aber nicht gewesen sein – sonst hätte Dutt das Trio teils wochenlang nicht berücksichtigt. Keine Verwendung hatte der 49-Jährige für Eljero Elia. Der Niederländer, dem Dutt lange vertraut hatte, war nicht einmal im Kader.

Und so zog Werder in die Partie, um den ersten Sieg der Saison einzufahren und die Krise einzudämmen. Die Spieler zeigten den entsprechenden Willen, gingen mit Vollgas ins Spiel. Aber damit ließ sich nicht kaschieren, dass Werder unter Dutt zu schwach ist, einen Gegner wirklich in Verlegenheit zu bringen. Die Erfolge der ersten Halbzeit waren entsprechend überschaubar. Zwei Torschüsse von Fin Bartels aus mehr oder weniger aussichtsloser Position und eine mit Gelb bestrafte Schwalbe von Zlatko Junuzovic – mehr als Bemühen brachten die Bremer nicht zustande. Der 1. FC Köln zeigte ebenfalls nicht viel, hatte seine Konterstärke wohl daheim vergessen und war nur durch Schüsse von Simon Zoller (2.) und Daniel Halfar (29.) ansatzweise gefährlich. Kurzum: Es war ein an Höhepunkten armes Spiel, das beide Teams den 42100 Zuschauern im ersten Abschnitt kredenzten. Es verwunderte, dass Ex-Profi Tim Borowski Werder in der Pause attestierte „auf einem sehr guten Weg zum 1:0“ zu sein.

Werder-Noten gegen Köln

Direkt nach Wiederbeginn wäre aber um ein Haar das 0:1 gefallen. Dusan Svento verpasste eine Hereingabe vor dem Bremer Tor nur um Millimeter (47.). Auf der Gegenseite zwang Junuzovic FC-Schlussmann Timo Horn mit einem Distanzschuss zu einer Glanztat (56.) – doch wer diese Chance als Bremer Aufbruch wertete, lag gründlich daneben. Denn es folgte der Zusammenbruch der Hoffnung. Weil Svento an der Torauslinie den unbeweglichen Sebastian Prödl auswackelte und in der Mitte Santiago Garcia nicht auf Anthony Ujah aufpasste, erzielte der gerade erst eingewechselte Stürmer die Kölner Führung (59.). Gäste-Trainer Peter Stöger hatte ein goldenes Händchen bewiesen, und Werder rannte wie fast in jedem der acht Spiele zuvor einem Rückstand hinterher.

Auf das Unvermögen in der Defensive antworteten die Bremer mit der besten Offensivaktion. Doch Hajrovic traf nur den Pfosten (61.). Nacheinander brachte Dutt anschließend in Nils Petersen und Davie Selke frische Stürmer, probierte es mit drei Spitzen. Doch es blieb dabei: null Tore Werder. Und null Zukunft für Robin Dutt an der Weser? Sehr wahrscheinlich.

Werder Bremen verliert gegen  1. FC Köln

csa

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